In den letzten zwanzig Jahren haben wir am Auto weiß Gott viele Veränderungen erlebt – aber gefühlt hat sich nichts so stark gewandelt wie der Innenraum. Früher prägten Tasten, Drehregler, Lüftungsdüsen und mehr oder weniger schöne (Holz-)Dekore das Design, heute dreht sich alles eigentlich nur noch um Bildschirme. Doch es scheint, als sei die Kundschaft dem Display-Overkill langsam ein wenig überdrüssig. Blicken wir zurück auf die letzten Monate, keimt eine Diskussion auf, die Dinge in dieser Hinsicht verändern könnte. Und wir sehen bereits erste Auswirkungen. Nach Jahren des „Alles per Touch“ entsteht - inzwischen sogar im Screen-verliebten China eine konkrete Debatte über Ergonomie und Sicherheit: zu viele digitalisierte Bedienungen, zu viele tief in Menüs versteckte Funktionen, zu viele Ablenkungen. Selbst in den am weitesten entwickelten E-Auto-Märkten, etwa in China, wird über eine Rückkehr zu physischen Tasten für zentrale Funktionen diskutiert. 2026 könnte dabei einen Wendepunkt markieren: Es geht nicht um das Ende der Displays, es geht um das Ende des Display-Overkills. Der Peugeot e-3008 ist eines der interessantesten Beispiele für dieses neue Gleichgewicht: ein großes, freistehendes Panorama-Display, aber auch direkt erreichbare Bedienelemente und innovative Materialien, die das Erleben des Innenraums neu definieren. Wenn das Cockpit zum Display wird Zurück zu den Autos von vor zwanzig Jahren: zwei runde Instrumente hinter dem Lenkrad, ein winziges Display in der Mitte – und dazu ein ganzer Wald an Tasten. Heute ist es umgekehrt: Der Bildschirm ist zum eigentlichen Protagonisten im Innenraum geworden, alles andere wurde reduziert, um Platz für digitale Flächen zu schaffen. Mercedes hat mit dem Hyperscreen über die gesamte Armaturentafel hinweg den Weg bereitet, Tesla hat mit dem großen vertikalen Tablets alles radikal "vereinfacht", Ferrari hat sogar ein eigenes Display für den Beifahrer geschaffen, das inzwischen viele Autohersteller in deutlich ausladenderer Form übernommen haben. Das Ergebnis ist in den meisten Fällen sehr ähnlich: Das Interieur-Design wird nicht mehr durch Formen und Materialien bestimmt, sonderndurch die Grafik der Benutzeroberfläche. Zuletzt kritisierten wir diesen Umstand beim kürzlich gezeigten Facelift der Mercedes S-Klasse. Deren Cockpit ist im Prinzip zu einem einzigen XXL-Display verkommen, lässt jegliche Eleganz und Klasse vermissen. Mercedes EQS Hyperscreen: drei Bildschirme, die zu einer einzigen 56”-Fläche vereint sind und wie Flüssigglas ins Armaturenbrett integriert sind Bei Tesla: absoluter Minimalismus: Ein einziger Bildschirm steuert alles, von der Klimaanlage bis zu den Bedienelementen des Autos Warum manche Funktionen physisch bleiben müssen Irgendwann haben Hersteller versucht, wirklich alles zu digitalisieren – auch zu viel. Doch der Markt – und inzwischen auch einzelne Behörden – fordern ein Umdenken. Ergonomie rückt wieder in den Mittelpunkt: Den Blick von der Straße zu nehmen, um sich durch verschachtelte Menüs zu tippen, ist nicht nur unpraktisch, es kann gefährlich werden. Wie absurd ist es, die Handynutzung im Auto zu verbieten (völlig zu Recht natürlich), aber die Haupt-Bedienelemente im Fahrzeug exakt an der Smartphone-Nutzung auszurichten? In China, wo digitale Innovationen im Auto schneller vorangeschritten sind als anderswo, wird offen darüber diskutiert, die Flut an Touchflächen für Primärfunktionen zu begrenzen. In Europa wird Sicherheit zunehmend auch an der einfachen, intuitiven Bedienbarkeit gemessen. Deshalb kehren essentielle Bedienelemente zurück: Lautstärke, Klima, Frontscheiben-Heizung - der Peugeot e-3008 nutzt die i-Toggles, taktile Tasten mit unmittelbarem Feedback. BMW behält im aktuellen 5er physische Tasten für wichtige Funktionen bei. Hyundai setzt auf intuitive Drehregler und Slider – auch bei Elektro-Modellen. Selbst China, heute globaler Taktgeber bei der Verbreitung von Elektroautos und digitalen Lösungen an Bord, will die Überfrachtung der Innenräume mit Touch-Bedienung begrenzen. Die Zukunft? Eine sauber austarierte Kombination: Tasten, wo sie gebraucht werden – Displays, wo sie wirklich Vorteile bringen. Im BMW i5 ist der Bildschirm groß, aber strategische Tasten bleiben für sofortige Ergonomie erhalten Beim Hyundai Ioniq 6 eine gemischte Lösung: glatte Flächen, aber klare Touch-Bedienelemente für die wichtigsten Funktionen Recycelte Textilien, neu gedachtes Holz und unerwartete Ideen Wenn das digitale Design die klassischen Formen der Armaturentafel ersetzt, verändern Materialien den Rest. Immer mehr Hersteller setzen auf biobasierte Werkstoffe – also Materialien aus Naturfasern, recycelten oder erneuerbaren Quellen: technische Textilien aus Industrieabfällen, Verkleidungen aus Pflanzenfasern wie Leinen oder Hanf, recycelbare Kunstleder der neuesten Generation, Soft-Touch-Oberflächen aus Post-Consumer-Rezyklaten. Diese Entwicklung hat zwei Treiber: den ökologischen Fußabdruck zu senken und Innenräume mit einer „wärmeren“ Identität zu schaffen, die weniger von klassischem Kunststoff geprägt ist. Premium-Marken experimentieren mit neuen Holzverarbeitungen oder naturinspirierten Verbundmaterialien, während Volumenhersteller biobasierte Textilien zunehmend in Verkleidungen, Sitze und Armaturenträger integrieren – mit Ergebnissen, die moderner und nachhaltiger wirken Auch Holz kehrt zurück in den Innenraum – nun jedoch nachhaltig gedacht. Mehrere Hersteller verwenden Holzwerkstoffe aus verantwortungsvollen Quellen: Der Polestar 2 nutzt zertifizierte und rückverfolgbare Verkleidungen, und Marken wie BMW und MINI führen nachhaltige Hölzer in ihren jüngsten Modellen und Konzepten ein. In den Luxusprojekten von Bentley Mulliner und Design Works wird Holz wiederum zum handwerklichen Stilelement – mit kontrollierter Herkunft und Verarbeitung auf sehr hohem Niveau. Die Richtung ist klar: weniger Plastik, mehr intelligente Materialien, die Ästhetik, Nachhaltigkeit und ein neues Verständnis von visuellem und haptischem Komfort verbinden. Der nächste Schritt: weniger Lenkrad, mehr Raum, mehr Licht Die nächsten Umbrüche finden nicht außen, sondern innen statt. Mit fortschrittlicher automatisierter Fahrtechnik könnte das Lenkrad zum ausfahrbaren Zubehör werden. Oder irgendwann gar komplett verschwinden. Glasflächen könnten sich zu großflächigen HUD-Anzeigen entwickeln, Licht wird eine zunehmend grafische Rolle spielen. Vor allem aber wird der Innenraum zu einer programmierbaren, anpassbaren, wandelbaren Umgebung. Bildergalerie: Peugeot E-3008 Dual Motor, der Motor1.com-Fahrbericht Peugeot Make: Peugeot Model: URL: Peugeot