Aus dem technologisch und innovationsstärksten Automarkt der Welt kommt ein möglicher Kurswechsel mit potenziell globalen Folgen: China, heute weltweit führend bei der Verbreitung von Elektroautos und sehr digitalen Cockpits, will die Überfrachtung mit Touch-Bedienelementen in Fahrzeuginnenräumen begrenzen. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie, die staatliche Behörde, die den Automobilsektor im Land beaufsichtigt und reguliert, hat einen Verordnungsentwurf vorgelegt, der für bestimmte sicherheitsrelevante Grundfunktionen physische Tasten vorschreiben würde. Xpeng P7+ Noch ist das keine endgültige Entscheidung: Der Text befindet sich bis zum 13. April in der öffentlichen Konsultation – die Botschaft an die Industrie ist jedoch eindeutig. Der Entwurf sieht vor, dass Blinker, Warnblinkanlage, Fahrstufenauswahl und Notruf über echte Tasten oder Schalter bedienbar sein müssen – mit einer Mindestfläche von 10 x 10 Millimetern. Mit anderen Worten: keine sicherheitskritischen Funktionen mehr, die in Untermenüs versteckt sind oder sich nur per Touchscreen aktivieren lassen. Ziel ist es, Ablenkung zu reduzieren und Eingriffe zu ermöglichen, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. In den vergangenen Jahren setzten viele Hersteller auf minimalistische Cockpits, dominiert von großen Zentraldisplays und nahezu ohne physische Tasten – nach dem von Tesla popularisierten Ansatz, der später von zahlreichen chinesischen Marken wie BYD, Xpeng oder Xiaomi übernommen wurde. Der Technologiekonzern, bekannt für Smartphones und Unterhaltungselektronik, ist erst kürzlich ins Autogeschäft eingestiegen. Zwar rudern einige bereits zurück – man denke an das bereits gezeigte Cockpit des kommenden ID. Polo mit vielen richtigen Tasten. VW ID. Polo (2026): Das Interieur Interessant dabei: Auch Europa denkt in eine ähnliche Richtung. Die EuroNCAP-Crashtests verlangen künftig Funktionen, für die physische Bedienelemente vorhanden sein müssen. Nach einem Artikel von Auto Motor und Sport soll dies für Blinker, Scheibenwischer, Warnblinkanlage, Hupe und Notruf (e-Call) gelten. Auch sollen die Hersteller "ermutigt" werden, für Sitz- und Spiegeleinstellung oder die Belüftung physische Bedienelemente anzubieten. Die geplante Überarbeitung in China indes beschränkt sich nicht auf den Innenraum. Die chinesische Regierung will auch für automatisierte Fahrsysteme der Stufen 3 und 4 strengere Standards festlegen – also für Systeme, bei denen das Auto unter bestimmten Bedingungen viele oder alle Fahraufgaben übernehmen kann. Die neuen Regeln verlangen, dass solche Systeme ein Sicherheitsniveau nachweisen, das mindestens dem eines kompetenten, aufmerksamen menschlichen Fahrers entspricht. Hersteller müssen eine detaillierte technische Dokumentation vorlegen, um zu belegen, dass ihre Technologien sowohl den Alltag als auch kritische Hochrisikosituationen beherrschen. Zudem wird das Prinzip der "Minimal-Risk-Condition" definiert: Falls das System ausfällt oder der Fahrer auf eine Übernahmeaufforderung nicht reagiert, muss das Fahrzeug in der Lage sein, selbstständig und sicher anzuhalten. Vorgesehen ist außerdem eine Regulierung der Fernunterstützung für vollautomatisierte Fahrzeuge – ein wichtiger Schritt mit Blick auf eine breite Einführung von Robotaxis.