Die Zahlen, die der Volkswagen-Konzern am Dienstag in Wolfsburg präsentierte, sind ernüchternd. Das Jahr 2025 markiert für den größten Autobauer Europas einen historischen Tiefpunkt in der jüngeren Konzerngeschichte. Der Nettogewinn krachte um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Damit erzielt VW das schwächste Ergebnis seit dem Krisenjahr 2016, als die Folgen des Abgasskandals die Bilanz verhagelten. Porsche im freien Fall Besonders schmerzhaft ist der Blick auf die einstige Gewinnmaschine des Konzerns: Porsche. Die Sportwagentochter, die normalerweise für zweistellige Margen steht, erlebte einen operativen Absturz von über fünf Milliarden Euro im Vorjahr auf nur noch 90 Millionen Euro im Jahr 2025. Ein Einbruch um 98 Prozent. Die Marge verzwergt sich auf 0,3 Prozent. 2024 lag sie noch bei 14,5 Prozent. Neben massiven Abschreibungen bei Porsche belasten vor allem neue US-Importzölle das Konzernergebnis schwer. Ohne diese Zoll-Effekte hätte die operative Rendite bei 5,5 Prozent gelegen – so sind es lediglich 4,6 Prozent. Finanzvorstand Arno Antlitz fand dazu deutliche Worte: „Langfristig reicht das nicht aus.“ 50.000 Stellen fallen weg – aber keine Kündigungen Parallel zur Bilanz verschärft der Konzern seinen Sparkurs beim Personal. In einem Brief an die Aktionäre konkretisierte Konzernchef Oliver Blume das Ausmaß des Umbaus: Bis zum Jahr 2030 sollen im gesamten Volkswagen-Konzern in Deutschland rund 50.000 Stellen abgebaut werden. Volkswagen-CEO Dr. Oliver Blume Diese Zahl umfasst den gesamten Konzernverbund auf dem Heimatmarkt. Bereits Ende 2024 war bekannt geworden, dass allein bei der Kernmarke VW rund 35.000 Jobs gestrichen werden sollen. Trotz des massiven Abbaus gibt es eine gute Nachricht für die Beschäftigten: Die Tarifeinigung mit der IG Metall sieht vor, dass betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2030 ausgeschlossen bleiben. Der Abbau soll primär über Altersteilzeit und natürliche Fluktuation erfolgen. Umsatz stabil, Profitabilität im Keller Interessant ist ein Blick auf die Verkaufszahlen. Mit weltweit knapp neun Millionen ausgelieferten Fahrzeugen und einem Umsatz von 322 Milliarden Euro (ein minimales Minus von 0,8 Prozent) steht der Konzern beim Kunden eigentlich solide da. In Europa (+5 %) und Südamerika (+10 %) konnte Volkswagen sogar zulegen. Das Problem liegt jedoch in den beiden wichtigsten Einzelmärkten: In Nordamerika sanken die Verkäufe um 12 Prozent, in China um 6 Prozent. Zudem zeigt sich ein Paradoxon bei der Elektromobilität: Der Absatz von E-Autos stieg zwar um beeindruckende 55 Prozent und macht bereits 22 Prozent des Auftragsbestands aus, doch die hohen Investitionen in Entwicklung, Batterien und Produktion drücken massiv auf die Marge. Fazit: Der Umbau schmerzt Volkswagen befindet sich in einer Zangenbewegung. Während das Stammgeschäft durch Zölle und den schwächelnden Absatz in Übersee unter Druck gerät, fressen die Transformationskosten für die E-Mobilität die verbleibenden Gewinne auf. Oliver Blume muss nun beweisen, dass der Konzern die Profitabilität steigern kann, während er gleichzeitig den massiven Personalabbau sozialverträglich moderiert. Die kommenden Jahre werden für Wolfsburg zur Zerreißprobe.