In Zeiten, in denen die deutsche Automobilindustrie fast wöchentlich Hiobsbotschaften verkündet, klingen die Schlagzeilen von Audi fast wie eine Sensation: 4,6 Milliarden Euro Gewinn nach Steuern – das ist ein Plus von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch der Schein trügt schon auch ein wenig, so ist es ja nicht. Wer die Bilanz der VW-Tochter genau liest, erkennt, dass dieser Anstieg nicht durch den Verkauf von mehr Autos zustande kam, sondern durch eine buchhalterische Finanzspritze aus Wolfsburg. Der entscheidende Faktor für das glänzende Endergebnis ist eine Ausgleichszahlung des Mutterkonzerns Volkswagen. Diese hob das Finanzergebnis auf beeindruckende 2,2 Milliarden Euro an – eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Operativ, also im eigentlichen Kerngeschäft mit dem Verkauf von Autos der Markengruppe (Audi, Bentley, Lamborghini und Ducati), sieht es weniger rosig aus: Hier sank der Gewinn um fast 14 Prozent auf 3,37 Milliarden Euro. Die operative Rendite, einst das Stolz-Barometer der Ingolstädter, rutschte von 6,0 Prozent im Vorjahr auf 5,1 Prozent ab. Audi-Chef Gernot Döllner peilt langfristig wieder zweistellige Werte an. Audi-Chef Gernot Döllner Warum ist die Profitabilität so stark unter Druck? Ein Hauptgrund sind die US-Importzölle. Während Konkurrenten wie BMW oder Mercedes-Benz seit Jahrzehnten große Werke in den USA (Spartanburg bzw. Tuscaloosa) betreiben, ist Audi dort nicht mit einer eigenen Fertigung vertreten. Das rächt sich jetzt: Die Zölle kosteten Audi im vergangenen Jahr rund 1,2 Milliarden Euro und fraßen allein zwei Prozentpunkte der Marge auf. Noch in diesem Jahr soll die strategische Entscheidung fallen, ob Audi ein eigenes Werk in den USA errichtet, um diesen Belastungen künftig zu entgehen. In Sachen Personal setzt Audi seinen bereits eingeleiteten Schrumpfkurs fort, gibt den verbleibenden Mitarbeitern aber Sicherheit. Das Ziel: Bis 2029 sollen in Deutschland insgesamt 7.500 Stellen abgebaut werden. Stand der Dinge: Von den ersten 6.000 Stellen (Ziel 2027) sind bereits 65 Prozent (ca. 3.900 Jobs) gestrichen oder vertraglich fixiert. Die gute Nachricht: Personalvorstand Xavier Ros schließt weitere Kürzungen über die 7.500 hinaus aus. Die Beschäftigungsgarantie bis Ende 2033 bleibt bestehen, betriebsbedingte Kündigungen sind weiterhin ausgeschlossen. Für das laufende Jahr bleibt die Lage angespannt, besonders in China. Dort tobt ein beispielloser Preiskrieg, vor allem bei Elektroautos und Hybriden. „Die Rahmenbedingungen werden auch 2026 nicht einfacher“, warnt Finanzchef Jürgen Rittersberger. Zuletzt meldeten wir, dass die Nachfrage nach Audis erstem eigenständigen China-Modell AUDI E5 stark ausbaufähig ist. Bald soll das zweite Modell, ein SUV namens E7X Boden gutmachen. AUDI E5 Sportback für China Ein neuer Audi A2 e-tron (2026) soll noch in diesem Jahr kommen Dennoch gibt man sich in Ingolstadt kämpferisch. Durch striktes Sparen soll die operative Marge 2026 wieder auf 6 bis 8 Prozent steigen. Beim Absatz erwartet Audi jedoch trotz einem weiteren Jahr der Modelloffensiven (unter anderem A2 e-tron, Q7, Q9) keine großen Sprünge: Mit 1,65 bis 1,75 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen bleibt das angepeilte Volumen auf dem Niveau von 2025. Fazit: Audi rettet sich mit Schützenhilfe aus Wolfsburg durch das Krisenjahr 2025. Doch der Druck auf das operative Geschäft ist enorm. Ohne eine Lösung für den US-Markt und eine Antwort auf den Preiskampf in China wird der Weg zurück zur alten Rendite-Stärke für Gernot Döllner ein Langstreckenlauf.