Man sagt, Gewicht sei der Feind der Performance – doch in Ingolstadt will man einen Weg gefunden haben, das deutliche Mehrgewicht des neuen RS 5 (verursacht durch den Plug-in-Hybrid-Antrieb) zu kompensieren. In einem offiziellen Beitrag auf LinkedIn erklärte Audi Sport-Geschäftsführer Rolf Michl, der neue schnelle Kombi „fühle sich agil und leichtfüßig an“. Er räumt zwar ein, dass der Wechsel auf ein komplexes PHEV-Setup „etwas Gewicht“ mit sich bringt, doch die Vorteile gingen über eine elektrische Reichweite von 86 Kilometern im Stadtverkehr hinaus: „Die Plug-in-Hybrid-Hardware bringt zwar zusätzliches Gewicht, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten für die Fahrdynamik. Unser elektromechanisches Torque Vectoring an der Hinterachse nutzt diese Fähigkeit zusammen mit dem RS-Sportfahrwerk intelligent. Das Ergebnis ist ein neuer RS 5, der stabiler und präziser ist, sich zugleich aber agil und leichtfüßig anfühlt.“ Am Ende ist es im ersten Schritt die Sache der Journalisten, das zu bewerten. Und natürlich werden potenzielle Käufer bei einer Probefahrt selbst schnell herausfinden, ob der Spagat gelungen ist. Bis dahin zeigen die Gewichtsangaben, wie stark das RS-Modell im Laufe der Jahre zugelegt hat. Als der Avant RS2 1994 debütierte, brachte er noch vergleichsweise moderate 1.595 Kilogramm auf die Waage. 2026 ist sein heutiges Pendant 775 Kilogramm schwerer und kommt auf stattliche 2.370 Kilogramm. Natürlich sind 32 Jahre eine lange Zeit – zumal deutlich strengere Sicherheitsvorschriften die Hersteller dazu zwingen, Fahrzeuge robuster auszulegen. Moderne Autos bringen außerdem erheblich mehr Technik mit, was nicht zwingend nur Vorteile hat – aber das ist ein ganz anderes Thema. Der Großteil der zusätzlichen Masse lässt sich über die Jahre vor allem auf zwei Faktoren zurückführen: Abmessungen und die Komplexität des Antriebsstrangs. Der in den 1990ern bei Porsche mitentwickelte Avant RS2 ist nur 4.510 Millimeter lang und 1.695 Millimeter breit. Der neue RS 5 Kombi mit langem Dach ist 386 Millimeter länger und 257 Millimeter breiter. Auch der Umstieg auf ein Plug-in-Hybrid-System mit einem 22-kWh-Batteriepaket (netto) schlägt sich beim Leergewicht nieder. Der RS 5 Avant ist mehr als 500 Kilogramm schwerer als sein direkter Vorgänger, der RS 4 Avant B9. Anders gesagt: Ein großer Teil des Mehrgewichts entsteht dadurch, dass unter dem Ladeboden eine Lithium-Ionen-Batterie untergebracht werden muss. Dennoch ist Audi offenbar überzeugt, dass man das im Fahrbetrieb nicht spürt – und es gibt zumindest eine Möglichkeit, einen kleinen Teil der Masse einzusparen. Optionale Keramikbremsen an beiden Achsen sind rund 30 Kilogramm leichter als die serienmäßigen Stahlbremsen. Das ist zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber erwähnenswert. Motor1 meint: Der RS 5 ist der erste Plug-in-Hybrid von Audi Sport und bereitet den Weg für ein noch größeres und schwereres Modell: den RS 6. Den werden wir voraussichtlich in den kommenden Monaten sehen. Mit einem elektrifizierten V8. Und seit Langem auch recht sicher wieder als Limousine. Warum folgt Audi Sport Mercedes-AMG und BMW M in die PHEV-Ära? Um den CO₂-Ausstoß zu senken – mit einer elektrischen Reichweite, die den Verbrennungsmotor im Alltag teilweise entlastet. So können Performance-Modelle in Europa weiter verkauft werden, während der CO₂-Fußabdruck sinkt und die Autos dennoch für Enthusiasten attraktiv bleiben. Man kann es als einen aus der Not geborenen Kompromiss bezeichnen.