Audi ist dafür bekannt, auch abseits ausgetretener Pfade zu denken – der eigenwillige A2 ist wohl das beste Beispiel für die Experimentierfreude der Ingolstädter. Es gab auch eine Zeit, in der man einen Q7 mit V12-Dieselmotor kaufen konnte, und ein R8 mit Fünfzylinder stand zeitweise kurz davor, Realität zu werden. Zwischenzeitlich existierte sogar ein Einzelstück: ein RS 4 Avant im TT-Kleid. Doch auch wenn die Premiummarke gelegentlich alle überrascht, man wird nicht so weit gehen, einen Pick-up zu bauen. In einem Interview mit dem australischen Magazin Drive erteilte Audi-CEO Gernot Döllner der Idee eines Arbeitstiers eine klare Absage: „Ich würde sagen, ein Pick-up ist das letzte Konzept, das ich mir als Audi vorstellen kann. Man sollte nie nie sagen. Aber im Moment … ist es das letzte Segment, das ich mir vorstellen kann.“ Sein Vorgänger sah das anders. Markus Duesmann wurde 2022 mit den Worten zitiert: "Ich kann nicht versprechen, dass wir einen bauen werden, aber wir schauen es uns an." Rückblickend bezog sich der frühere Audi-Chef damit vermutlich auf das radikale Activesphere-Konzept (siehe Bild), das Anfang 2023 vorgestellt wurde. Es trat als eigenartig proportioniertes SUV auf, dessen hintere Glasscheibe über das Dach nach oben gleiten konnte und so eine Ladefläche freigab. Das hochbeinige, viertürige Gefährt ging allerdings nie in Serie – was realistischerweise auch niemand erwartet hatte. Dennoch war es ein interessanter Ansatz für ein vielseitiges Luxusfahrzeug. Da Döllner Pick-ups nun klar ausschließt, können wir auch eine Audi-Variante des Scout Terra abhaken. Die neu gegründete Marke des Volkswagen-Konzerns bereitet einen elektrischen Pick-up vor, der auch mit einem benzinbetriebenen Range-Extender angeboten werden soll. Die Produktion soll nächstes Jahr in Blythewood (South Carolina) starten – eine entsprechende Audi-Ausführung dürfte damit vom Tisch sein. Scout Terra Elektro-Pickup-Truck Audis Zurückhaltung ist gut nachvollziehbar. Schließlich war die auf dem Nissan Navara basierende Mercedes X-Klasse ein spektakulärer Flop. Volkswagen wiederum hat sich mit Ford zusammengetan und nutzt für den Amarok der zweiten Generation die Ranger-Plattform. Der ursprüngliche, rein von VW entwickelte Amarok lebt in Südamerika zwar weiter, doch sein Nachfolger wird gemeinsam mit Chinas SAIC entwickelt. All das zeigt, wie schwierig es selbst für einen deutschen Autokonzern ist, einen Pick-up profitabel zu machen – und seien wir ehrlich: Ein luxuriös aufgebrezelter Audi wäre schwer zu verkaufen. Der Scout Terra in einer hochwertigen Ausstattung dürfte den Wunsch nach einem edlen Pick-up bei VW-Konzern-Treuen eher bedienen. Während ein Scout-basierter Pick-up also vom Tisch ist, hat Audi die Möglichkeit eines rustikaleren Geländewagens angedeutet – potenziell mit Bezug zum Scout Traveler. Döllner sagte zuletzt, man solle "dranbleiben": Es komme etwas, das für das Leben abseits befestigter Wege besser geeignet sei als ein Q7 oder der kommende Q9.