Kaum zu glauben, aber es ist wirklich schon wieder 16 Jahre her, seit Volkswagen den Amarok eingeführt hat. Ein SUV-Pendant zum Pickup gab es nie. Der Praktiker mit Leiterrahmen ist in Lateinamerika weiterhin im Verkauf, doch VW hatte und hat nicht vor, daraus einen Rivalen für die Mercedes G-Klasse zu machen. Ebenso unwahrscheinlich ist, dass sich die zweite Generation zum ernsthaften Gegner für den G oder einen Land Rover Defender wandelt – zumal der neuere Amarok im Kern ein umgestalteter Ford Ranger ist. Dennoch schließt man im VW-Konzern die Idee eines echten Offroaders nicht aus. Audi-CEO Gernot Döllner sagte dem australischen Magazin Carsales, man sei grundsätzlich offen für einen echten 4x4 – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Der Vorstandschef aus Ingolstadt machte klar, dass es wirtschaftlich Sinn ergeben müsse, was die teure Entwicklung einer komplett neuen Architektur faktisch ausschließt: "Wenn wir so etwas machen… ist es nur vorstellbar, das auf einer Plattform umzusetzen, die bereits existiert. Es ist noch keine Entscheidung getroffen… aber es ist definitiv Teil unserer Überlegungen. Man braucht eine Plattform, die in diesem Segment authentisch ist, sonst ergibt es keinen Sinn." Auch wenn es schon wieder weitgehend in Vergessenheit geraten ist: Das Q6 E-Tron Offroad Concept aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass Audi Interesse an einem Segment hat, das man bislang nicht bedient. Während die Studie mit Portalachsen jedoch auf der Premium Platform Electric (PPE) basierte, favorisiert Döllner für einen Angriff auf G-Klasse und Defender eine Leiterrahmen-Konstruktion. Auch BMW könnte mitmischen: Ein robustes SUV soll angeblich gegen Ende des Jahrzehnts kommen. Naheliegend wäre, dass Audi tief ins Teile- und Plattformenregal des VW-Konzerns greift – etwa mit der neuen Leiterrahmen-Architektur von Scout Motors. Der Terra-Pick-up und das SUV Traveler gehen im kommenden Jahr als Elektroautos in Produktion, optional mit einem Benziner als Range Extender. Döllner betonte allerdings, dass ein Serienmodell noch kein grünes Licht bekommen hat. Kurzfristig ist also nicht damit zu rechnen. Selbst bei einer Freigabe dürfte ein Debüt kaum vor etwa 2030 realistisch sein. Während Puristen die Idee eines Audi-Offroaders möglicherweise kritisch sehen, bewertet der Konzernchef das anders: „Das Positive an der Marke Audi ist, dass nahezu jedes Segment denkbar ist.“ Da quattro eine zentrale Rolle in der Markenhistorie spielt, wirkt ein richtig hochgebocktes Modell mit ernsthaften Geländefähigkeiten nicht abwegig. Sollte es irgendwann kommen, würde es allerdings sehr wahrscheinlich deutlich teurer ausfallen als der Scout Traveler, der in den USA unter 60.000 US-Dollar kosten soll. Parallel dazu will Audi sein SUV-Programm weiter ausbauen. Zunächst jedoch in eine deutlich andere Richtung. Noch in diesem Jahr soll mit dem Q9 ein echtes Siebensitzer-SUV offiziell vorgestellt werden – als Angriff auf BMW X7 und Mercedes-Benz GLS. Zudem ist die nächste Generation des Q7 für 2026 gesetzt. Andere Prioritäten gibt es also vorerst genug. Motor1 meint: Der VW-Konzern braucht dringend einen echten Offroader – und die Wiederbelebung von Scout Motors kann - wenn auch nur in den USA - kaum früh genug kommen. Eine luxuriösere Variante mit Audi-Logo, die dort anknüpft, wo der Porsche Cayenne der ersten Generation einst Maßstäbe setzte, ergibt angesichts des Booms im Markt für robuste SUVs in den vergangenen Jahren durchaus Sinn. Allerdings scheint das Projekt noch in einer sehr frühen Phase zu sein und könnte am Ende auch gestanzt werden. Sollte sich Scouts Neustart als Erfolg erweisen, könnte das den VW-Konzern ermutigen, das Konzept mit einem Luxusangebot von Audi nach oben zu erweitern.