Wer kennt es nicht? Da sitzte Abends gemütlich auf der Couch, nen Freund ruft an, "hab da so Karten ersteigert" und drei Stunden später stehste vor der Hauptbühne bei Rock am Ring und schläfst später im Kofferraum deines E34. Immer schön zu lesen, dass auch andere völlig absurde Ideen einfach mal spontan umsetzen. In dieser Geschichte war es einer dieser seltenen Social-Media-Momente. Am 1. April 2025 schob BMW M Motorsport ein paar professionelle Renderings eines vermeintlichen BMW M3 Touring in breiter GT-Rennmontur ins Netz. Das Ganze war natürlich zunächst als reiner Aprilscherz gedacht, doch die Reaktionen der Community sah das ein biiisschen anders. Mit über 1,6 Millionen Views und einer für die Marke ungewöhnlich hohen Interaktionsrate stand schnell fest: Diese Idee darf nicht in der Schublade versauern. Bildergalerie: BMW M3 Touring 24H (2026) Nicht einmal ein Jahr später ist daraus ein handfester Rennwagen geworden – real und in Lebensgröße. Unter dem passenden Motto "You dreamed it, we built it" schickt BMW am 16. und 17. Mai 2026 den brandneuen BMW M3 Touring 24H bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring in die Startaufstellung. Schon am kommenden Wochenende soll der Rennkombi in der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) seine offizielle Rennpremiere feiern. Hach, mir wird's grad kurz warm ums Herz, weil ein anderer legendärer Kombi bei dieser Nachricht in den Hirnschmalz fliegt, der etliche Rennstrecken "unsicher" machte: Der Volvo 850. Glücklicherweise hatte auch BMW schon 2022 mit dem Gedanken gespielt, diesen neuen 3er Touring auf die Rennstrecke zu verfrachten. Vom Familienkombi zum GT3-Rennwagen Das Ergebnis, der M3 Touring 24H, teilt sich die Basis kurzerhand mit dem BMW M4 GT3 Evo. Unter der Haube arbeitet der P58 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit M TwinPower Turbo, der bis zu 590 PS leistet und 700 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle wuchtet. Verwaltet wird die Kraft von einem elektro-hydraulischen 6-Gang-Getriebe von XTrac. BMW M3 Touring 24H (2026) BMW M3 Touring 24H (2026) Bilder von: BMW Um das Gewicht und die Performance auf ein renntaugliches GT3-Niveau zu hieven, besteht ein Großteil der neu entwickelten Außenhaut aus Kohlefaser. Die hinteren Türen des Extremkombis sind keine echten Türen mehr, sondern komplett als feststehende Verkleidungsteile ausgelegt. Ich mein, 'nen Kindersitz wollte da vermutlich eh niemand mehr einbauen. In nur acht Monaten Entwicklungszeit haben die Ingenieure das Fahrzeug auf die Räder gestellt. Davon gerade einmal 16 Wochen für den Aufbau und die Modifikation der Touring-Karosserie. Dass ein Kombi jetzt nicht allzu aerodynamisch daherkommt und als ideales Rennauto fungiert, wissen vermutlich nicht nur wir. Das längere und im Vergleich zum Coupé um 32 Millimeter höhere Dach sorgte für erhöhten Luftwiderstand und nahm dem Heckflügel spürbar die Anströmung. Doch die Aerodynamiker der Münchner fanden eine Lösung. Der Heckflügel des M4 GT3 EVO wurde per neu entwickelter Schwanenhals-Aufnahme um 200 Millimeter nach hinten und 32 Millimeter nach oben versetzt. So liegt er wieder voll im Wind, was den Abtrieb erhöht und die aerodynamische Balance zurück in den idealen Bereich schiebt. Bekannte Hot Hatchs an der Nordschleife lassen grüßen. Sieht richtig brutal aus – auch in der "Langversion"! BMW M3 Touring 24H (2026) BMW M3 Touring 24H (2026) Bilder von: BMW BMW überlässt den Einsatz des knapp 5,22 Meter langen Kraftpakets nicht dem Zufall. Der Ausflug in die SPX-Klasse am Ring ist ein klassischer Werkseinsatz von BMW M Motorsport. Betreut wird das Fahrzeug vom Partner Schubert Motorsport. Einem Team, das bereits reichlich Nordschleifen-Erfahrung mitbringt. Im Cockpit wechseln sich während des 24-Stunden-Rennens die vier BMW M Werksfahrer Connor De Phillippi, Ugo de Wilde, Jens Klingmann und Neil Verhagen ab. Und der Ring? Freut sich vermutlich über eine absurde, aber fahrdynamisch wertvolle Attraktion mehr. Denn die Veranstaltung professionalisiert sich immer weiter. Private Teams mit alten oder sonderbaren Fahrzeuge sieht man am Ring im Gegensatz zum Ursprung immer weniger. Ein Dacia Logan im Rennspec muss sich beispielsweise regelmäßig der versammelten Kritik stellen, ein Renault Twingo wurde zuletzt nicht zugelassen. Dabei ist es doch oft das Skurrile und Unverhoffte, das dieses Rennen sehenswerter macht.