Anfang der 2000er-Jahre setzte BMW ein Projekt um, das noch heute Emotionen schürt. Im Jahr 2000 wurde eine ausgewählte Gruppe internationaler Journalisten nach München eingeladen, um einen Kombi zu fahren. So banal und unspektakulär! Bei der Kombi-Version handelte es sich jedoch um einen BMW M3 Touring (E46). Die Münchner hatten den Prototypen als reine Machbarkeitsstudie aufgebaut und nicht für die Serienproduktion vorgesehen. Allein die Konstruktion dieses einen Fahrzeugs war eine erhebliche technische Herausforderung. Denn anders als bei anderen deutschen Sportlimousinen basierte der M3 auf einer gegenüber dem normalen 3er deutlich modifizierten Karosserie. Die breiten hinteren Radhäuser und das spezifische Fahrwerk erforderten eine eigene Struktur. Daher war eine weitere Evolution in Richtung Touring-Variante kompliziert. Trotz überwiegend positiver Rückmeldungen der Journalisten, die den Prototypen fuhren, zeigten Marktforschungen unter BMW-Kunden nicht genügend Interesse. Die Münchner entschieden sich daher, das Projekt nicht weiterzuverfolgen – der E46 M3 blieb ausschließlich als Coupé und Cabrio erhältlich. Der M3 Touring, den es nie gab, lebt Mit den Jahren entwickelte sich dieses nie realisierte Modell zu einer Art Legende unter Enthusiasten. Die Idee eines Kombis, der die gleichen Fahrleistungen wie das Coupé bietet, beflügelt bis heute die Fantasie vieler Fans der Marke. Zwar gab es im Laufe der Zeit einzelne Neuinterpretationen, doch keine traf den originalen Prototypen wirklich detailgetreu. Bildergalerie: BMW M3 Touring E46 by Petroyle Der Herausforderung stellt sich nun Petroyle: eine Werkstatt, die auf Restaurierungen und den Aufbau historischer Automobile spezialisiert ist. Ihre Vision? Den BMW M3 Touring E46 detailgetreu und mit hoher Präzision nachzubauen. Aus der einstigen Stil- und Machbarkeitsstudie sollte ein reales Fahrzeug werden – in einer limitierten Auflage von 50 Exemplaren. Ab 130.000 Pfund (etwa 149.000 Euro) soll der Spaß beginnen. Carbon-Karosserie und verstärkte Struktur Einer der anspruchsvollsten Punkte ist die Karosserie. Um hohe Performance zu gewährleisten und das Gewicht auf einem ähnlichen Niveau des originalen Coupés zu halten, fertigt Petroyle einen Großteil der Touring-spezifischen Teile aus Kohlefaser. Das Material bietet hohe strukturelle Festigkeit und hilft, die Gesamtmasse des Fahrzeugs zu begrenzen. BMW M3 Touring E46 von Petroyle, das Heckdetail Zu den in Carbon hergestellten Komponenten im potenten 3er zählen die hintere Stoßstange, die Seitenschweller, der Boden des Gepäckraums und die vorderen Kotflügel. Die hinteren Seitenteile bleiben dagegen aus Stahl – wie beim ursprünglichen Konzept. Einige optionale Bauteile wie die Frontstoßstange und das Dach können ebenfalls in Carbon geordert werden. Zudem wurde die Struktur zur Aufnahme des Hinterachsträgers verstärkt. So kann dem bekannten Problem von Rissen beim M3 E46 vorgebeugt werden; weitere Maßnahmen erhöhen die Steifigkeit der Karosserie. Jedes Exemplar entsteht nach Kundenwunsch Die erste Serien-Einheit ist bereits fertiggestellt und half dem Team, viele der Herausforderungen rund um den Karosseriebau zu lösen. Ziel ist nun, den Prozess für die nächsten Fahrzeuge weiter zu verfeinern – sie werden dennoch weiterhin vollständig von Hand aufgebaut. BMW M3 Touring E46 von Petroyle, der Innenraum Jedes Fahrzeug kann umfangreich individualisiert werden. Kunden können Außenfarben, Interieur-Materialien und unterschiedliche technische Konfigurationen wählen. Neben dem klassischen Reihensechszylinder S54 des BMW M3 E46 sind auch Umbauten mit V8- oder V10-Motoren der M Division möglich. Wer ein Fahrerlebnis wünscht, das der Anmutung eines Neuwagens möglichst nahekommt, kann bei Petroyle zudem äußerst seltene, unbenutzte S54-Motoren erhalten. Damit wird eine Idee greifbar, die jahrelang nur auf dem Papier existierte: ein Auto, das BMW selbst nie gebaut hat – und das heute dank spezialisierter Handwerksarbeit doch noch Realität auf der Straße werden kann. What a time to be alive!