Wir haben zu Beginn eine Quizfrage für sie: Welche Kleinwagen mit drei Türen gibt es aktuell noch auf dem Markt? Die Antwort könnte überraschen: Toyota GR Yaris, Fiat 500 und Mini Cooper. Schon deswegen hat der kleinste Mini eine Sonderstellung auf dem Markt. Wird er inmitten seiner teils moppeligen Brüder dem eigentlichen Erbe der Marke gerecht? Springen Sie direkt zu: Abmessungen/Design | Fahrbericht | Innenraum/Infotainment | Fazit Was ist das? 2024 kam die aktuelle Generation des Mini Dreitürers heraus, nunmehr immer mit dem Nachnamen Cooper. Kenner der Marke werden es sehen: Komplett neu ist der F66 (so sein interner Code) nicht, vielmehr wurde der bisherige F56 massiv in Richtung des wirklich neuen Elektro-Mini J01 getrimmt. Sichtbare Unterschiede zum E-Mini sind die großflächige Motorhaube und die Bügeltürgriffe. Ein wenig vergleichbar ist der Modellwechsel mit dem sehr massiven Facelift beim BMW 1er: Kein komplett neues Fahrzeug, aber doch fast. Zumindest äußerlich. Unserer bescheidenen Meinung nach hat sich der Mini optisch äußerst positiv entwickelt. Die letzte Generation ist aber auch derart schwulstig geraten, dass sie beinahe aussah wie eine Karikatur von sich selbst. Hier hat man visuell entschlackt und gestrafft. Unser Testwagen trägt übrigens den optionalen John Cooper Works-Trimm. Eine Option, die man sich gut überlegen sollte, aber dazu kommen wir gleich noch. Chassis, Fahrwerk und Antriebe übernimmt das Auto von seinem Vorgänger. Für die von uns getestete Einstiegsversion Cooper C bedeutet das: 1,5-Liter-Dreizylinder (BMWs bekannter B38-Turbomotor) mit 156 PS, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (die Zeit der Schaltgetriebe ist bei Mini vorbei) und Vorderradantrieb. In der Basis lag unser Testwagen bei 27.200 Euro. Der John Cooper Works-Trimm mit sportlicheren Schürzen und Spoilern, adaptivem Sportfahrwerk, 17-Zöllern, Sportsitzen und Schaltpaddles am Sportlenkrad kostet 4.150 Euro extra. In diesem Fall noch dabei: die 18-Zöller für 1.350 Euro, das schicke Ocean Wave Grün für 600 Euro sowie das sogenannte "Paket L" (3.740 Euro), unter anderem mit kabellosem Laden, Head-up-Display, Harman Kardon-Soundsystem, besseren LED-Scheinwerfern, Sitzheizung und dem Parkassistenten Plus. Technische Daten Mini Cooper C 3-Türer Motor 3-Zylinder-Turbo-Benziner; 1,499 ccm Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung Antrieb Vorderradantrieb Leistung 115 kW (156 PS) bei 6.500 U/min max. Drehmoment 230 Nm bei 1.500 - 4.600 U/min 0-100 km/h 7,7 s Höchstgeschwindigkeit 225 km/h Verbrauch WLTP: 6,0 l; Testverbrauch: 7,0 l Grundpreis 27.200 Euro Testwagenpreis 37.980 Euro Letztlich sehen Sie hier einen dreitürigen, dreizylindrigen Mini für 37.980 Euro. Klingt gruselig, aber konfigurieren Sie sich mal einen VW Polo R-Line mit 115-PS-Dreizylinder und vergleichbarer Ausstattung - da werden Sie beim Preis ähnlich dumm aus der Wäsche schauen. Zur Verteidigung des Mini Cooper sei gesagt: Wie eingangs erwähnt gibt es kaum noch Vergleichbares. Otto Normalverbraucher greift inzwischen auch im Kleinwagensegment immer häufiger zum SUV, der wuselige Dreitürer stirbt aus. Genießen Sie ihn, solange es noch geht. Abmessungen/Design Man kennt das ja kaum noch in Anbetracht der allumfassenden Aufblähung, die das Automobil seit Jahren fest im Griff hat: Ich fuhr mit dem Cooper C in eines dieser fürchterlich engen Parkhäuser in der Münchner Innenstadt und verspürte das erste Mal seit Ewigkeiten nicht das Gefühl hämisch triefender Schweißperlen auf der Stirn, sondern tatsächlich sowas ähnliches wie gute Laune. 3,87 Meter Länge und 1,74 Meter Breite qualifizieren auch den neuesten Mini (zumindest den Dreitürer) zum besten Kumpel für den Großstadtdschungel. Abmessungen Mini Cooper C 3-Türer Länge x Breite x Höhe 3.876 x 1.744 x 1.432 mm Radstand 2.495 mm Gewicht inkl. Fahrer 1.335 kg Zuladung 455 kg Kofferraum 210 - 725 l Wendekreis 11,1 m Dachlast 75 kg Anhängelast ähm ... nein Die JCW-Ausstattung macht optisch natürlich einiges her, geht aber auch richtig ins Geld. Ich weiß nicht, warum es mir erst im zweiwöchigen Testzeitraum mit unserem Mini auffiel, aber gefühlt liegt der Anteil des türkisgrünen "Ocean Wave"-Farbtons bei gut 95 Prozent. Ich sehe wirklich nichts anderes mehr, es ist fast schon ein Trauma. Wenn Sie also mit Ihrem Cooper herausstechen wollen, wählen Sie eine der anderen zehn Lackfarben. Fahrbericht Ein zentraler Bestandteil des Fahrerlebnisses ist, dass der aktuelle Mini innen wirklich nicht mehr viel mit seinem Vorgänger gemein hat. Gleich geblieben ist allerdings, dass man zum Starten mitten ins Armaturenbrett greifen muss. Schlüsselähnlichen Retro-Drehschalter befummeln und relativ sozialverträglich erwacht der Cooper C zum Leben. Ob man vorwärts oder rückwärts fahren möchte, entscheidet man nun ebenfalls per kleinem Kippschalter unter dem mächtigen Pizzateller-Infotainment-Display. Damit kann man definitiv arbeiten. 156 PS und 230 Nm in einem nicht mal 3,90 Meter langen Gefährt klingen wahrlich nicht nach Einstiegsmodell. 7,7 Sekunden für den Sprint von 0-100 km/h ebenfalls nicht. Dennoch herrscht keine akute Gesichtsdeformationsgefahr, wenn man den rechten Fuß in den Boden drückt. Der Cooper C marschiert sehr ordentlich, aber er explodiert nicht. Die Gasannahme in den normalen Modi wirkt eher angenehm und alltagstauglich als aggressiv. Im sogenannten Go-Kart-Modus (zu dieser etwas kitschigen Marketing-Nummer kommen wir gleich noch) ändert sich das allerdings. Worüber wir uns bereits beim Vorgänger geärgert haben: Ein elementarer Bestandteil des Mini-Wertekanons ist der Fahrspaß und dennoch muss ich einmal mehr ein sündteures Sportpaket ordern, wenn ich selbst über Lenkradpaddles die Gänge wechseln möchte. Lohnt es sich denn wenigstens? Nun, die Schaltwippen sehen sehr anständig aus und klicken sich auch so. Das Getriebe reagiert zügig, aber nicht aggressiv. Lässt man es selber machen, kommt man allerdings auch wunderbar über die Runden. Ganz schön am Cooper C: Man muss - im Vergleich zu den wesentlich stärkeren Cooper S und JCW - schon ein wenig mehr aus ihm rausquetschen und ihn fordern, wenn man richtig Gaudi haben will. Das passt meiner Meinung nach recht gut zum ganzen Mini-Fahrspaß-Vibe. Außerdem röhrt der Dreizylinder auch einfach sehr sympathisch, ohne einem zu sehr auf die Nerven zu gehen. Verbrauch: bei normaler bis eher sportlicher Fahrweise 7,0 Liter im Schnitt. Noch bevor man einen Mini um die erste Kurve gejagt hat, wurde man wahrscheinlich schon 17x mit dem Thema "Go-Kart-Feeling" konfrontiert. Bei aller Liebe, Freunde: Das hier ist ein inzwischen 1.335 Kilo schwerer Nobel-Kleinwagen mit Vorderradantrieb, kein Rohrrahmen mit Rasenmähermotor. Die inzwischen arg durchgelutschte Go-Kart-Nummer zündet also nicht mehr so richtig. Und dass jedes mal ein enthusiastisches "Whoo-Hoo" aus den Lautsprechern dröhnt, wenn man sich mit dem "Experiences"-Schalter in den sportlichsten "Go-Kart"-Modus klickt, hilft dabei nun wirklich nicht. Zur Wahrheit gehört aber auch: der Cooper C macht einfach Spaß. Ich erinnere mich noch gut an den ersten Mini der BMW-Ära und sein ultradirektes Einlenkverhalten, dass vor fast 25 Jahren kaum zu fassen war. Bei allem Erwachsenwerden hat man sich schon noch einen ganz guten Teil davon bewahrt. Das Einlenken passiert auch hier wahnsinnig hibbelig, willig, nahezu übertrieben und unnatürlich direkt. Und auch die Neigung, beim Lupfen oder Bremsen vor der Kurve sehr zackig und motiviert das Heck mit einzudrehen, ist nach wie vor vorhanden. Auf der anderen Seite taucht er beim sportlicheren Kurveneinsatz schon auch gerne mal ein bisschen tiefer in die Federn rein, wirkt nicht so professionell wie etwa ein Ford Fiesta ST oder ein Hyundai i20 N, aber klar, wir sprechen hier vom Basismodell, nicht von der radikalsten Ausbaustufe. Und dennoch: Sein Fahrverhalten ist in der ganzen Bandbreite und Ausprägung fast schon comichaft und immer etwas drüber. Das wiederum macht jede Fahrt total lebhaft und unterhaltsam und das ist einfach schön. Bildergalerie: Mini Cooper C (2026) im Test Ein Wort noch zum Fahrkomfort: Der Mini war noch nie die Benchmark in puncto Abrollgeschmeidigkeit. Der kurze Radstand in Verbindung mit einer doch eher dynamischen Abstimmung fordert nun mal seinen Tribut. Bei unserem Testwagen mit den 18-Zöllern und dem JCW-Fahrwerk war es dann aber doch ein bisschen arg. Man merkt, dass die Dämpfung qualitativ sehr hochwertig ist, was sich in einem sehr satten Gefühl und einem lobenswerten Geräuschkomfort aus dem Fahrwerksbereich bemerkbar macht. Aber in dieser Konfiguration ist der Mini schon sehr straff. Gerade über kleinere Schläge und Bodenwellen. Fahren Sie also lieber nochmal Probe, ehe Sie sich für das JCW-Kit entscheiden. Innenraum/Kofferraum/Infotainment Im Interieur haben die Verantwortlichen irgendwie sehr viel richtig gemacht. Seien wir ehrlich: Das Plastik-Tier, mit dem man den Großteil des F66-Interieurs ausgekleidet hat, wurde ganz sicher nicht mit dem hochwertigsten Futter gemästet. Das wirkt an vielen Stellen schon arg klapprig. Aber irgendwie macht es einem nicht so viel aus. Einfach weil der Innenraum trotzdem richtig funky aussieht, auf die richtige Weise minimalistisch rüberkommt und sich durchaus passabel bedienen lässt. Und das obwohl so gut wie alles über das kreisrunde, 24 Zentimeter großes OLED-Display passiert. Sogar Tacho und Drehzahlmesser passieren dort. Also, wenn man ihn mal gefunden hat (im Go-Kart-Modus links oben auf die Drehzahl-Leiste klicken). Hinterm Lenkrad ist inzwischen Info-Flaute. Die Geschwindigkeit sieht man auch auf dem Head-up-Display. Für selbiges muss man allerdings Aufpreis bezahlen. Und dann wird freilich nur auf eine kleine Scheibe projiziert. Für eine richtige Lösung ist die Windschutzscheibe viel zu klein und steil. Dass man serienmäßig keinen Tacho mehr im direkten Blickfeld hat, ist eigentlich ein Unding und auch sicherheitsrelevant. Mini sollte hier dringend nachbessern. Abgesehen davon ist der Bildschirm ein echtes Highlight: Er reagiert flink, bietet eine fröhliche Benutzeroberfläche und gut erreichbare Shortcuts für die Klimasteuerung. Sitz- und Lenkradheizung etwa lassen sich so programmieren, dass sie bei Kälte automatisch anspringen. Alternativ hilft der Sprachassistent in Form des Cartoon-Hundes "Spike". Niedlich, aber die Stimme eines Bankdirektors passt so gar nicht zum verspielten Gesicht. Kritik gibt es für die lachhaft schmalen "Ablagen" in den Türen sowie das chronisch viel zu dicke Lenkrad. Auch der Trend, die eigenen Armaturenbretter mit Stoff zu beziehen, erschließt sich mir nicht so ganz. Sieht zweifelsfrei gut aus, aber mal sehen, was da in ein paar Jahren alles so kreucht und fleucht. Gut dagegen: Die Smartphone-Halterung samt Lademechanismus und die kleine Ablage-Box in der Mittelkonsole. So straff das optionale JCW-Fahrwerk ist, so fabelhaft ist das Sportgestühl, das mit im Paket ist. Zudem wird nahezu jeder eine hervorragende und sportliche Sitzposition finden. Ein weiser Mensch bemerkte einmal, dass der Mini eigentlich ein zweitüriger, zweisitziger Sportwagen ist, der nur so tut, als wäre er ein praktischer Kleinwagen. Und das stimmt auch heute noch weitgehend: Das Platzangebot im Fond wird schon für die meisten Kinder über 10 zur Zumutung, der Einstieg ist eng und trotz des verstellbaren Ladebodens kann man das Ladeabteil nicht wirklich als Kofferraum bezeichnen. Tatsächlich ist die Versuchung groß, die 50/50-teilbare Rückbank einfach dauerhaft umgeklappt zu lassen und den Cooper wie einen kleinen geschlossenen Pick-up zu behandeln. Sie blicken auf 210 Liter Kofferraumvolumen mit aufgestellten Sitzen oder 725 Liter, wenn Sie umgeklappt haben. Fazit: 7,5/10 Er ist teuer, er ist unpraktisch und sie sollten unbedingt auf quietschbunte, runde Riesen-Displays stehen, wenn Sie einen Kauf erwägen. Aber wenn Sie einen Kleinwagen suchen, der Fahrspaß bietet, optisch wertig wirkt, im Unterhalt vernünftig bleibt und dabei echten Charakter zeigt … dann ist auch der neueste Mini nach wie vor eine absolut charmante Wahl. Gerade auch als Cooper C, der mehr als schnell genug ist und beim Verbrauch im Rahmen bleibt.