Um dieses Auto hier vollends verstehen zu können, setzen wir uns mal kurz in den DeLorean und reisen ins Jahr 2024 zurück. Denn im Mai dieses Jahres fällt Stellantis plötzlich auf: 'Shit, unser knuddeliger Mailänder Kumpane taugt für die neuen europäischen Sicherheits- und Abgasauflagen nicht und unser vollelektrisches Pendant ist kein Volumenträger!' Statt sich schon vorher um einen Fahrplan gekümmert zu haben oder den 500e mit passenden Daten und Preis in Richtung Zukunft zu schieben, wird man bei Fiat plötzlich ganz hektisch. In Turin wird veranlasst, dem 500e Batterie und E-Motor herauszureißen. In nur einem Jahr tackert man ein Hybrid-Herz mit Tank in des Europäers Retro-Liebling. Denn: Warum eigentlich nicht? Bildergalerie: Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Warum nicht, werden Sie mir vermutlich direkt beantworten können. Wir haben da in Deutschland ein sehr eigenartiges, aber auch absolut treffendes Wort für solche Vorgänge. Wenn man in Eile noch mal irgendwas "anpacken" oder "basteln" will, reden wir von "Verschlimmbessern"! Zuletzt war in der Knutschkugel ein 1,0-Liter-Benziner mit 70 PS im Einsatz bei 1.055 Kilo Gewicht. Zumindest das Gewicht scheint Fiat gehalten zu haben, je nach Ausstattung. Doch dem schon eher überschaubaren Leistungsspektrum wurden noch einmal fünf PS geklaut. 65 Pferdchen treiben den 500 Hybrid jetzt an – erzeugt aus einem ebenfalls 1,0-Liter kleinen Dreizylinder mit 12-Volt-System. Macht stolze 16 Kilo pro PS. Die zuletzt 13,8 Sekunden auf 100 km/h legen auf 16,2 Sekunden zu. Die Voraussetzungen klingen insgesamt also eher semioptimal. Gerade in einer Welt, in der kleinste Stromer immer attraktiver werden. Schauen wir also, was im Alltag wird. Schnelle Daten Fiat 500 Hybrid (2026) Antrieb Dreizylinder-12V-Benziner, 999 ccm Getriebe Sechsgang-Schaltgetriebe Systemleistung / Drehmoment 48 kW (65 PS) / 92 Nm 0 - 100 km/h 16,2 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 155 km/h Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission 5,3 Liter/100 km / 119 g/km Basispreis ab 19.990 Euro Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit Karosserie/Design Der letzte Fiat 500 Hybrid war noch ein kleiner Charmeur: Groß aufgerissene Chihuahua-Augen, Pausbäckchen und Logo-Knubbelnäschen. Der neue rutscht jetzt mit seinen skeptisch gezogenen Augenringen eher Richtung Hefty Schlumpf mit süffisantem Schlafzimmerblick. Das Problem an der Sache? Wie sein Elektro-Pendant, auf dessen Plattform er ja nun mal basiert, wirkt er dadurch gleich etwas kräftiger. Schon in der Serie eher nach Abarth als nach quietschvergnügter, unbekümmerter Alltagskugel. Dem 500e mag das aggressive Auftreten durchaus stehen, denn der bietet bis zu 118 PS und unter zehn Sekunden auf 100 km/h. Der 500 Hybrid ist damit eher Marke Social-Media-Blender. Ein wenig markanter Ikonenstatus wurde ihm damit genommen. Auch weil er jetzt integrierte Türgriffmulden statt Bügel trägt. Das wars dann aber auch schon. Der Rest bleibt klassisch knuddelig. Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Trotz der etwas zu potent geratenen Anpassungen an der Front gilt also: Der kleinste Fiat trägt noch immer ein richtig gelungenes Retro-Design. Da verzeihen wir der Knutschkugel auch gerne den Schlafzimmerblick. Menschen kaufen sich dieses Auto tatsächlich nur wegen der Optik. Wahrscheinlich wird das auch jetzt nicht aufhören. Da kannste jegliche Kritik knicken. Hier muss einiges richtig gelaufen sein. Innenraum Innen geht der Retrocharme weiter. Die Armaturenblende in Wagenfarbe suggeriert rohes Blech wie beim Urahnen, ist in Wahrheit aber farbiges, dünnes Hartplastik. Das sieht alles nett arrangiert aus, wenn wir aber den Einstiegspreis wieder in den Blickwinkel nehmen, ist die gelieferte Qualität für den geforderten Preis eher dürftig: Die Aufnahme der Hutablage zeigt sich fragil, der Gurt zieht sich seltsam desorientiert an der Sitzkonsole vorbei, die Knöpfe für die elektrische Türöffnung wirken lieblos eingeworfen – zumal unten in den Türen noch liebloser eingebaute mechanische Notöffner warten. Die Sitzposition ist zu hoch und starr geraten. Wer mehr als meine 1,76 Meter misst, wird in der Höhe Probleme bekommen. Vor allem beim Einsatz der Sonnenblende. In dem Fall wäre das komplette Sichtfeld verschwunden. Auf den hinteren Sitzplätzen kommt man in den Ausmaßen eines zwei Jahre alten Kleinkindes oder eines Schoßhundes noch ganz gut zurecht. Alle anderen sollten den Fond meiden. Ich konnte mich nur eingeigelt wie Sonic the Hedgehog im Spin-Dash dort reinzwängen. Dennoch war es unmöglich, den Fahrersitz in seine ursprüngliche Position einzurasten. Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Ein Raumwunder ist der Fiat 500 also nicht – hätte auch niemand erwartet. Bei 3,63 Metern bleiben für einen etwaigen Transport dennoch nur 183 bis 440 Liter Kofferraumvolumen. Das wird im Zweitwagengebrauch schon beim Getränkekauf eng, ohne die Rückbank umzuklappen. Auch die Mitnahme von sperrigeren Dingen wie Kinderwagen oder Roller für die Kleinen wird zumindest spannend, denn die Rückbank lässt sich nicht geteilt umlegen. Konkurrenten sind da nicht nur voluminöser, sondern auch flexibler. Ein Kia Picanto zum Beispiel: Mit 255 bis 1.010 Litern auf kürzeren 3,61 Metern. In der Basis kommt der 500 nur mit Handyhalterung. Die Ausstattung Icon wird nötig, um das hier zu sehende 10,25-Zoll-Infotainmentsystem mit an Bord zu haben (Auch in unserer gefahrenen Sonderedition Torino ist es für denselben Preis mit drin). Das ist zwar nicht das flotteste, aber es verfügt über individuell anpassbare Shortcuts, die langes Klicken zum gewünschten Menüpunkt überflüssig machen. Gut ist auch der feste Menüpunkt für die Abschaltung des akustischen Tempowarners, denn der liegt oft falsch. Mit kleinen Details an versteckten Ecken versucht der neuste Cinquecento einen dann aber doch wieder rumzukriegen. "Ach komm", scheint er sagen zu wollen, "niemand ist perfekt". Und dann guckste auf die Skyline von Turin im Ablagefach oder die Silhouette des kleinen originalen 500 und denkst: 'Vermutlich hat er Recht'. Praktisch wird dieses Auto dennoch nie. Abmessungen Fiat 500 Hybrid (2026) Länge x Breite x Höhe 3.631 x 1.684 x 1.532 mm Radstand 2.322 mm Kofferraumvolumen 183 - 440 Liter Leergewicht 1.055 kg Zuladung 400 kg Antrieb/Fahreindrücke Als Hybrid ist der Fiat 500 zudem eine echte Geduldsprobe. Alles unter Stadtniveau wird zäh im Anzug. Der Motor ist laut, weil er Drehzahl braucht, um überhaupt mitschwimmen zu können. Das kleine Aggregat hat hörbare Probleme, mit der einen Tonne an Masse umzugehen. Das wird jenseits der 60 km/h nicht besser. Ford hat dieses Problem früher mit kurz und knackig übersetzten ersten bis vierten und einem langen fünften Gang spritzig gelöst. Fiat versucht das hier mit einem sehr langen sechsten Gang ähnlich, um den Kleinen auf Geschwindigkeit zu halten. Allerdings ist der Weg hier hin schon eine Qual. Die Gänge scheinen spätestens ab dem vierten zu lang übersetzt für das gegebene Motor-Auto-Konzept. Elastizität im höheren Gang ist hier gar nicht vorhanden. So zwingt der 500 selbst auf der Autobahn immer wieder auch in den vierten runterzuschalten, um überhaupt beschleunigen zu können. Für Schaltfaule ist das nichts. Und Spaß macht die Schaltorgie ebenfalls nicht. Die Übergänge sind ruppig, das Getriebe hakelig. Wenn wir dann endlich mal 120 km/h erreicht haben, wirkt das Fahrverhalten instabil. Auch weil bei minimalen Eingaben im Lenkrad keine Bewegung des Autos folgt, der Nachlauf aber dennoch hartnäckig darauf pocht, die Räder wieder geradezustellen. Das führt zu einer Verkettung von ruckeligen Lenkmanövern und mehr Instabilität. Eine Vermutung in meinem Kopf wird lauter, dass die fehlenden 200 bis 350 Kilo des Fiat 500e (1.255 bis 1.405 Kilo) im Fahrwerk nicht genügend Aufmerksamkeit bekommen haben. Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Diesen Verdacht erhärten sehr harte Stöße bei Straßenunebenheiten und ein unpräzises äußeres Eintauchen in Kurven. Federhärte, Zug- und Druckstufe scheinen mit der neuen Leichtigkeit überfordert. Das führt zu einem undurchsichtigen, schwammigen Fahrgefühl. Eigentlich komplett konträr zu seinem kurzen Radstand und der geringen Länge. Wendig ist der neue 500 Hybrid zwar immer noch, er verpasst jedoch jegliches Potenzial in seinen Anlagen zu nutzen, um auch Spaß beim Fahren verbreiten zu können. Der sonnige kleine Kerl verkommt innerlich zum Griesgram. Mit einem unachtsamen Abwürgen des Motors (Bei etlichen Fahrzeugwechseln vergisst man manchmal, in welchem Auto man fährt) kommt der Italiener dann gar nicht mehr klar. Ihn wieder zum Starten zu bewegen, wird zur Tortur. Er geht weder an noch aus. Seine selbst gegebenen Hinweise zum Bremse und Kupplung treten, dann starten ignoriert der eigensinnige Kleinstwagen ebenfalls komplett. Er verharrt stur in der Zündungsstufe. Fünf Minuten zieht sich die Prozedur, bis er wieder fahren mag. Eine Kinderkrankheit, die in der Serie frischgebackene 500-Hybrid-Fahrer an der Ampel hoffentlich nicht unnötig unter Druck setzt. Verbrauch/Preis Fehlende Elastizität und nahezu Dauervollgas, um überhaupt vom Fleck zu kommen, rächen sich. Im Alltag zwischen Stadt, ein paar Überlandtouren und Stadtautobahn genehmigte sich der Fiat 500 Hybrid 5,9 Liter. Damit ist Fiat zwar nah an den angegebenen 5,3 Litern, für einen Kleinstwagen ist das heutzutage dennoch zu viel – gerade bei aktuell massiv steigenden Spritkosten und auch mit Blick auf eine CO2-Steuererhöhung 2027. Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Fiat 500 Hybrid (2026) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Zumal der Italiener in der Stadt und auf der Autobahn auch gerne mal deutlich über der Sechs liegt. Anrechnen könnte man dem Cinquecento vielleicht, dass ein Picanto auch nicht unbedingt weniger verbraucht, doch dann kommen Sparfüchse wie der Suzuki Swift oder der neue Toyota Aygo X daher und sagen mit 4,3 und 4,2 kombinierten Litern: da geht weniger – mit ökonomischer Fahrweise sogar wesentlich weniger! Fiat lässt sich den optischen Herzensbrecher dafür in Deutschland fürstlich bezahlen. Der Einstieg gelingt gerade noch unter der 20.000-Euro-Marke (19.990 Euro) im Pop. 2020 waren es noch 13.990 Euro. Allerdings gibt es dafür auch nur Stahlfelgen und Handyhalterung statt Infotainment-Display. Beides bringt zumindest der Icon ab 21.990 Euro zusammen. Die Topausstattung La Prima für 24.990 Euro liegt dann schon auf Höhe des Einstiegs-500e. Nicht günstig, aber effektiv startet der Aygo X beispielsweise bei 22.680 Euro. Ich empfehle den fahrfreudigen und geräumigeren Swift ab 20.000 Euro. Aber ehrlicherweise sind in diesem Segment diverse E-Autos wie Hyundai Inster oder der neue Renault Twingo inzwischen haushoch überlegen. Fazit: 4/10 Der Fiat 500 Hybrid ist überteuert, veraltet und verbreitet kaum Fahrspaß. Damit ist er innerlich eigentlich das komplette Gegenteil zu seinem freudigen Antlitz. Hinzu kommen der hohe Verbrauch, die schlechte Raumnutzung und eine dürftige Materialqualität. Der Cinquecento ist der Inbegriff von Style over Substance oder wie wir es in Deutschland sagen: Er ist verschlimmbessert worden! Ein Schnellschuss, der am Markt gegenüber der hochtechnologisierten Konkurrenz absolut keine Relevanz mehr hat. Sowohl Verbrenner-Kollegen als auch Stromer-Konkurrenten sind in jeder Hinsicht besser, außer vielleicht in einer: beim charmanten Design. Und da schaltet der Kopf dann oft einfach aus. Wir können dem neuen Kleinen das aber nicht mehr verzeihen, denn er ist mit seinen Anlagen einfach zu spät. Wenn Sie bei all den Ungereimtheiten immer noch denken, 'aber er ist so schnuckelig', dann greifen Sie trotz elektrotechnischer Rückstände bitte einfach zum Fiat 500e. Langstreckentauglich oder up-to-date sind beide nicht, bei Letzterem erhalten Sie zumindest das bessere Auto. Pro Wendigkeit Design und Details Schnellzugriffe Infotainment Kontra Schwacher Antrieb Unausgeglichenes Fahrwerk Materialqualität