Wissen Sie, wie lang der allererste VW Bulli war? Ich helfe Ihnen: 4,28 Meter brachte der T1 anno 1950 aufs Maßband. Schauen wir auf die aktuelle Modelpallette, so ist das ziemlich treffend die Länge des Golf. Ist der Bulli jetzt Kompaktklasse oder der Golf ein Transporter? Lassen wir das! Autos wachsen seit Jahren. Liebend gern hätte ich jedoch unseren aktuellen Testwagen, den neuen VW Caravelle, neben seinen Urahnen gestellt. Denn der neueste Vertreter seiner Klasse misst in seiner Langversion ganze 5,58 Meter. Der T7 hat sich in 75 Jahren mal eben ein Schulkind im Grundschulalter auf den Rücken geschnallt. Kann man so machen! Bildergalerie: VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test Was ist das? Doch noch etwas ist anders im Hause Transporter und Caravelle. Seit 2019 kooperieren VW und Ford bei der Entwicklung und Herstellung von Nutzfahrzeugen. Und so teilt sich die Caravelle Plattform und Antriebe mit Transit und Tourneo. Die beiden Lademeister werden zusammen bei Ford Otosan in Istanbul in der Türkei gefertigt. Es gibt auch einen hauseigenen Nachfolger zum T6. Der Multivan erschien schon Ende 2021 und basiert auf dem Modularen Querbaukasten (MQB). Mit bis zu acht Sitzen ist er für die private Kundschaft gedacht während VW den neuen Neunsitzer eher für den kommerziellen Personentransport als Shuttle oder Großraumtaxi anpreist. Schnelle Daten VW Caravelle Life 2.0 TDI 4Motion (2025) Antrieb - 2,0 Liter-Vierzylinder-Turbodiesel- Allrad Getriebe 8-Gang-Automatikgetriebe Systemleistung / Drehmoment 125 kW (170 PS) / 390 Nm 0 - 100 km/h 14 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 175 km/h Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission 9,2 - 8,6 l/100km / 240 - 225 g/km Basispreis 70.334 Euro Eingeführt wurde der Name im September 1981, als luxuriöse Personenbus-Version der T3-Reihe. Um das Chaos perfekt zu machen, steht natürlich auch noch der vollelektrische ID. Buzz bereit, obwohl es Transporter und Caravelle jetzt ebenfalls mit E-Antrieb zu kaufen gibt. Für jeden Topf den passenden VW Bus ... oder so ähnlich! Unser Testwagen kommt mit Life-Ausstattung und steht auf oben angesprochenem langen Radstand. Er gönnt sich beispielsweise lackierte Stoßfänger und 16-Zoll-Leichtmetallräder. Angetrieben wird er vom größten Diesel der Palette: einem 2,0-Liter-TDI mit 125 kW (170 PS), Achtgangautomatik und Allradantrieb (4Motion). Und bevor wir jetzt völlig im Angebotschaos versinken, schauen wir uns das Ding lieber mal genauer an. Karosserie und Design | Innenraum | Fahrbericht | Preise | Fazit Karosserie und Design Blickt man dem VW Caravelle ins Gesicht, ist trotz Ford-Zusammenarbeit viel vom bekannten Neu-Bulli-Charme übrig geblieben. Von vorne ist der große Wagen klar als Bulli zu erkennen. Das Zusammenspiel aus Scheinwerfern, Grilleinheit und Stoßfänger wirkt wie eine sinnvolle Evolution des T6.1. Skepsis taucht aber spätestens bei Betrachtung der Seitenlinie auf. Der lange Radstand streckt den Caravelle eklatant. Mit den 5,58 Metern ist er aber auch kaum noch als alltagstauglicher Begleiter zu bezeichnen. Die 2,27 Meter in der Breite und 1,98 Meter in der Höhe sortieren ihn zudem für viele Parkhäuser aus. Wenn Sie nicht gerade täglich 'ne Großfamilie mit Gepäck chauffieren oder jedes Wochenende den Garten umbauen, reicht vermutlich der kurze Radstand (3.100 mm, 5,05 Meter Gesamtlänge) oder Sie wählen die Kollegen Multivan und ID. Buzz. VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Auch die neue Linienführung vermittelt eher Ford Tourneo und Transit als VW, gerade mit der abgerundeten Ecke in der hinteren Seitenscheibe. Die Vorgänger kamen mit klareren, klassisch kantigen Linien. Die Radkästen sind nun stärker betont, die Seitenlinie hat ihre gerade Sicke vom Frontscheinwerfer zur Heckleuchte verloren. Noch auffälliger das Bild am Heck. Nur die Leuchten wurden minimal angepasst und eine Leiste über der Nummernschildmulde hinzugefügt. Würden wir hier die Logos austauschen, würden einige Menschen beim Anblick ins Schwitzen kommen, bei der passenden Zuordnung. Insgesamt vermittelt das Bild eher einen Tourneo mit T7-Vorderwagen. Da hatten die Vorgänger definitiv mehr individuellen Charakter. In Weiß sieht der Lademeister noch am klassischsten aus. Innenraum Im Innenraum setzt sich die Ford-Optik weiter durch. Gerade an den Bildschirmeinheiten mit dem Startknopf mittig dazwischen ist der Style der Kölner zu erkennen. Grafisch hat VW das bei der Caravelle individuell angepasst, der Grundaufbau ist aber nahezu derselbe. Technisch ist das alles aufgeräumt und zugänglich. Die Funktionen halten sich aber auch in Grenzen. Ein ID. Buzz hat da beispielsweise wesentlich mehr auf digitaler Ebene zu bieten. Die neue Caravelle aber setzt noch auf eine Riege an Knöpfen und Schaltern. Am Lenkrad befinden sich zudem echte Taster mit ordentlichem haptischen Feedback. Das Klimamenü ist zudem am unteren Bildschirmrand immer zugänglich. VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Insgesamt dominiert eine funktionale Hartplastikoptik, bei der manches Spaltmaß oder Übergang ein wenig zu ungenau geraten ist. An einem Beifahrerspiegel wurde ebenfalls gespart. Wir sprechen hier zwar immer noch über ein Nutzfahrzeug, bei Preisen ab 50.000 Euro aufwärts erwarte ich aber auch davon mehr. Gerade, wenn es für den Personenverkehr gedacht ist. Die Funktionalität aber überzeugt. Es gibt etliche Ablagen, Stauraum und Ladegelegenheiten. Auch die induktive Ladeschale für das Smartphone funktioniert zuverlässig. Bloß die Becherhalter könnten individuell anpassbare Halter gebrauchen. Manche schlanke Dose schlackert schon bei gemächlich gefahrenen Kurven gefährlich hin und her. Über Raum-, Sitzkomfort und Beinfreiheit müssen wir bei der Länge und Höhe des VW Caravelle wohl kaum reden. Hier findet eigentlich jeder Mensch seine passende Sitzposition. Ob vorne, in der Mitte oder ganz hinten. In der zweiten Reihe kommen Einzelsitze zum Einsatz, die individuelle Vorlieben begünstigen. Die dritte Sitzreihe besteht aus einer Bank. VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test Alle Sitze noch drin (irgendwie), Kühlschrank hat trotzdem Platz VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Alle hinteren Sitze und die Rückbank lassen sich umklappen, verschieben oder komplett entfernen. Leichte, aber lange Ladung lässt sich noch gut über die Lehnen schieben. Wer in den vollen Genuss des Laderaums kommen will, muss ausbauen. Bei der Abholung eines Kühlschranks, kam ich mit dem simplen Verschieben der entriegelten Sitzeinheiten gut zurecht. Aber Vorsicht, manch scharfe Kante wartet an der Sitzkonsole. Der komplette Ausbau fordert natürlich einen geeigneten Ablageort. Über eine Schlaufe entriegelt die Verankerung im Fahrzeugboden. So lassen sich die einzelnen Sitze leicht allein hinaustragen. Die Rückbank legt ordentlich an Gewicht zu und fordert zwei Personen beim Ausbau. Wer in den Genuss der vollen 5.490 Liter Ladevolumen kommen will, kommt um ein bisschen Arbeit nicht herum. Wird nur die Rückbank ausgebaut, stehen immer noch großzügige 2.411 Liter bis zur zweiten Sitzreihe zur Verfügung. Das ist in etwa das Volumen des ID. Buzz, wenn alle Sitze raus sind. Nur können in der Caravelle Langversion dann immer noch sechs Personen mitfahren. Bis zu drei Meter Ladefläche in der Länge sind hier möglich. Abmessungen VW Caravelle Life 2.0 TDI 4Motion (2025) Länge x Breite x Höhe 5.584 x 2.275 x 1.984 mm Radstand 3.500 mm Kofferraumvolumen - 1.132 - 3.022 mm Ladeflächenlänge - bis zu 5.490 Liter Leergewicht 2.363 kg Zuladung 937 kg Max. Anhängelast 2.400 kg Max. Stützlast 100 kg Fahrbericht 2,36 Tonnen müssen natürlich auch bewegt werden. Bis zu 3,3 Tonnen darf der VW Caravelle insgesamt wiegen. Mit 390 Nm ist der Zweiliter-Turbodiesel zumindest kräftig im Anzug. "Bissken schwach auffe Brust", wie wir hier sagen, ist der Hannoveraner aber leider dennoch. Und das trotz Diesel-Top-Motorisierung mit 170 PS. Die 14 Sekunden von 0 auf 100 km/h sprechen da eine sehr deutliche Sprache. Der Caravelle ist jetzt keine Schnecke, aber ab 70 km/h sollte man schon umsichtig fahren, egal in welchem der sich merkbar anpassenden Modi man unterwegs ist. Zudem gehört die Achtgangautomatik auch eher zu den gemütlichen Arbeitern, reagiert des Öfteren etwas langsam. Wer also denkt, schnell mal links an der Ampel vor dem Gegenverkehr abbiegen zu können, sollte das Schaltmoment mit einberechnen. Im Gesamtbild ist der große VW aber sehr angenehm und noch immer Pkw-ähnlich zu fahren. Das Fahrwerk bietet ordentlich Komfort bei guter Stabilität, die Lenkung agiert leichtgängig und präzise. Auch der Geräuschpegel pendelt sich seitens des Motors und des Windes auf einem behaglichen Niveau ein. Die Abdichtungsqualität scheint hier auf einem hohen Level. Für Reisen und lange Wege ist der VW Caravelle also ein passender Begleiter. VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test VW Caravelle TDI 4Motion (2025) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Ein so großes Auto muss natürlich auch präzise manövriert werden. Und genau hier hapert es etwas an der Übersicht. Die visuelle Sicht nach hinten ist durch Sitze und immer kleiner werdende Fenster eingeschränkt, die Außenspiegel könnten durchaus 'nen Tacken mehr Größe vertragen. Über die Rückfahrkamera lässt sich all das nicht völlig kompensieren, da sie Blickwinkel oft verzerrt darstellt. So nehmen Parkmanöver immer ein wenig mehr Zeit in Anspruch. Ich bin tatsächlich schon über sechs Meter lange Autos gefahren, die sich ohne Kamera und Heckscheibe besser und übersichtlicher rangieren ließen. Auch mein alter T4 war trotz geschlossenem Kasten übersichtlicher. Hier passt die Abstimmung einfach nicht ganz zusammen. Der Wendekreis ist mit 13 Meter bei so einem langen Radstand dennoch angenehm. Wendemanöver gelingen damit gut. Beim Mix aus Stadt-Land-Autobahn genehmigte sich der Caravelle 9,8 Liter Diesel im Schnitt. Das ist ein wenig mehr als die angegebene obere Marke von 9,2 Liter, zur Ehrenverteidigung waren aber auch viele Kurzstrecken, Stadt- und Stauabschnitte dabei. Damit geht das bei knapp 2,4 Tonnen und dem schrankwandartigen Aufbau durchaus in Ordnung. Preise Die Modellpalette bei der VW Caravelle ist groß: Diesel, eHybrid oder vollelektrisch, Automat oder Schalter, Front- oder Allradantrieb, kurzer oder langer Radstand? Und dann wartet noch die Ausstattungsfrage: Caravelle, Life, Edition, Style oder Panamericana? Mit Datenblättern auf 40 Seiten zu verschiedenen Kombinationen war es definitiv schon mal einfach, die richtige Wahl zu treffen. Bleiben wir also kompakt. Insgesamt los geht es bei 53.895 Euro. Dafür bekommen Sie eine "nackte" Caravelle mit unlackierten Stoßfängern auf kurzem Radstand, 16-Zoll Stahlfelgen, 81-kW-TDI und Sechsgang-Schaltgetriebe. Mit langem Radstand kostet diese Version 54.912 Euro. Der gefahrene 125-kW-TDI inklusive 4Motion und Achtgang-Automatik startet bei 67.062 Euro (langer Radstand: 68.079 Euro). Der gefahrene Testwagen in langer Ausführung mit Life-Ausstattung und lackierten Stoßfängern startet bei 70.334 Euro. Das obere Ende markiert der Style für 76.695 Euro. Fazit: 6,5/10 Die Optik ist Geschmackssache, der VW Caravelle ist insgesamt ein gutes Auto. Beim Fahrwerk punktet er noch immer mit einem der besten Pkw-Feelings im Segment. Raum, Komfort und individuelle Nutzung sind nahezu unschlagbar. Dafür hadert er in der siebten Generation qualitativ mit so mancher Innenraumecke, der generellen Übersicht und einem etwas zu schwachbrüstigen Motor. Der hohe Einstiegspreis kommt noch oben drauf. Wer sich einen VW Bus vor die Tür stellen will, muss seit Jahrzehnten schon einen ordentlichen Batzen Scheine auf die Theke legen. Die sind für den Top-TDI jedoch nur noch bedingt empfehlenswert. Der eHybrid könnte mit 171 kW eine durchzugskräftigere und günstigere Alternative sein. Einen niedrigeren Anschaffungspreis gibt es beispielsweise beim Opel Zafira, dem Citroën SpaceTourer oder dem Nissan Primastar. Caravelles Bruder Ford Tourneo Custom liegt preislich auf demselben Niveau. Aber wenn schon Ford, dann vielleicht unter passendem Emblem.