Ford hatte schon immer ein Händchen für radikale Designwechsel, die die Fachwelt erst einmal tief durchatmen ließen. Man denke an die „Badewanne“ (Taunus 17M) von 1960 oder den Sierra von 1982, der mit seiner Aero-Form das Ende der kantigen Cortina-Ära einläutete. 1996 folgt der nächste Paukenschlag: Ein kleines Auto namens Ford Ka. Heute, im Jahr 2026, wird die erste Generation stolze 30 Jahre alt – und während er für viele noch wie ein Gebrauchtwagen für Fahranfänger wirkt, fährt er technisch und optisch nun endgültig in den Hafen der offiziellen Klassiker ein. Bildergalerie: Ford Ka (1996-2008) Erstschlag im Sub-B-Segment Gegen Ende des Jahres 1996 markiert Ford ein neues Revier: "Sub-B", landläufig später als Kleinstwagen bekannt. Die Kölner sind damit der erste deutsche Hersteller mit einem ernsthaften Angebot in dieser Klasse. Der VW Lupo lässt zu diesem Zeitpunkt noch auf sich warten, Frankreich punktet mit dem Renault Twingo. Der 3,62 Meter kurze Ka verdankt seine Existenz ironischerweise dem Größenwachstum des Fiesta. War dieser bei seinem Debüt 1976 noch zierliche 3,56 Meter lang, ist er 1996 bereits auf 3,82 Meter angewachsen. Ford Ka (1996-2008) Das Entwicklungszentrum in Merkenich nutzt die Chance und pflanzt die bewährte Fiesta-Technik unter eine radikal neue Hülle. Der Ka (dessen Name übrigens ägyptische Wurzeln hat und eine Art Lebenskraft beschreibt) ist das erste Serienmodell im sogenannten New Edge-Design. Diese Mischung aus weichen Rundungen und scharfen Schnittkanten prägt später auch den ersten Focus und bricht radikal mit dem Bio-Design der frühen 90er. Kunststoff-Planken und Platzwunder Das Erscheinungsbild wird von massiven, unlackierten Kunststoff-Stoßfängern dominiert. Das ist im Stadtverkehr zwar ungemein praktisch, spaltet aber die Gemüter. Dennoch: Der Ka sorgt für Aufmerksamkeit. Die Fachpresse vergleicht eine Fahrt durch die Innenstadt damals mit einem „Gang über den Laufsteg“. Ford Ka (1996-2008) Doch der Nutzwert kommt nicht zu kurz. Mit einem für diese Klasse ungewöhnlich langen Radstand von 2,45 Metern bietet der Ford überraschend viel Platz. Selbst zwei Wasserkisten passen in den Kofferraum, und die Kopffreiheit gilt als erstaunlich großzügig. Auch die Ausstattung kann sich sehen lassen: Verstellbare Sitze, eine geteilte Rückbank und Servolenkung (in der 60-PS-Version) sind an Bord. Antrieb: Bewährtes unter der Haube Unter dem avantgardistischen Blech bleibt Ford konservativ. Zum Start gibt es zwei 1,3-Liter-Vierzylinder mit 50 oder 60 PS. Mit Beschleunigungswerten von bis zu 17,7 Sekunden auf Tempo 100 gewinnt der Ka keine Ampelduelle, überzeugt aber durch sein Fahrverhalten. Er durcheilt Kurven fast neutral und bietet oft mehr Fahrspaß als deutlich teurere, sportlich ambitionierte Autos. Im Laufe der Jahre fächert Ford das Angebot weit auf: Die limitierte "„Edition Lufthansa" (1997) ist ein Edel-Zwerg mit gelb eingefassten Ledersitzen für stolze 23.500 D-Mark. Deutlich günstiger ist im Januar 2005 der Ka "Student" für nur 7.990 Euro. Ford Ka "Lufthansa" Ford Ka "Lufthansa" Ford Streetka Bilder von: Ford Ab 2000 gibt es ein elektrisches Faltdach mit One-Touch-Funktion. 2002 wird es noch konsequenter, es erscheint der bei Pininfarina gebaute Streetka mit 95 PS, ein echter Hingucker für Sonnenanbeter. 2003 folgt der Sportka, der mit dem 1,6-Liter-Motor des Streetka und knackigem Fahrwerk durchaus Freude bereitet. Für ihn wirbt übrigens ein gewisser Wayne Rooney. Die Bilanz nach 1,5 Millionen Exemplaren Im Juni 2002 läuft in Valencia bereits der einmillionste Ka vom Band. Bemerkenswert: Rund 65 Prozent der Käufer sind Neukunden – ein Eroberungswert, den kaum ein anderes Modell der Marke erreicht. 2008 endet die Produktion nach rund 1,5 Millionen Einheiten. Wer heute einen Ur-Ka sucht, findet ein preiswertes Einstiegs-Hobby. Doch Vorsicht: Der Rost nagt unerbittlich an Schwellern und Tankdeckeln, oft verschlimmert durch mangelnde Pflege der Vorbesitzer. Doch wer ein gutes Exemplar erwischt, besitzt ein Stück Designgeschichte, das auch nach drei Jahrzehnten nicht alt aussieht.