Mir ist vollkommen klar, dass ich erst vor Kurzem einen ganzen Artikel darüber geschrieben habe, wie "die Reichen" das Oldtimer-Hobby zerstören. Aber ein sauber gemachter Restomod kann immer noch ein wundervolles Auto sein. Das eine schließt das andere nicht aus. Revology Cars ist so etwas wie ein Singer-Pendant, wenn es darum geht, faszinierende Fahrzeuge zu bauen. Während Singer sich auf ausgewählte Generationen des Porsche 911 konzentriert, dreht sich bei Revology alles um den Ford Mustang der ersten Generation. Und beide Unternehmen zeigen: Wenn man den Fokus konsequent auf ein einziges Modell legt und dieses gezielt weiterentwickelt, kann dabei Großes entstehen. So entsteht der Boss Revology Boss 429 Die jüngste und bislang aufwendigste Kreation von Revology ist die Interpretation des legendären Boss 429 Mustang. Ford hatte den Boss 429 ursprünglich als Homologationsmodell entwickelt, um den neuen 7,0-Liter-Motor für Einsätze in der NASCAR zuzulassen. Zwischen 1969 und 1970 quetschte Ford das riesige Aggregat in die Frontpartien einer Handvoll Mustangs. Das Modell war damals teuer, brachte deutlich mehr Gewicht auf die Vorderachse. Ford baute insgesamt nur 1.359 Exemplare. Heute greift Revology die überraschend zurückhaltende Optik der Boss-429-Modelle auf und kombiniert sie mit eigener Fertigungskompetenz zu einem wirklich außergewöhnlichen Mustang. Diese Autos werden im Grunde von Grund auf neu aufgebaut – in einer Art und Weise, wie man es sonst eher von hochwertigen Neuwagen kennt. Fotos von: Revology Revology beginnt mit einem nahtverschweißten Chassis und montiert anschließend perfekt zugeschnittene, per CAD (rechnerunterstützte Konstruieren und Entwerfen von 2D- oder 3D-Modellen) entwickelte Karosserieteile mit minimalen Spaltmaßen. So entsteht ein neuer "alter" Mustang, der in einer Qualität dasteht, die Ford damals so nie hätte liefern können. Auch die Elektrik ist eine völlig andere Welt: Revology setzt auf ein modernes CAN-Bus-System mit separaten Steuergeräten für Türen, Beleuchtung, Lüfter, Karosserie und Antrieb. Das sorgt für aufgeräumte Kabelstränge und ermöglicht zugleich zeitgemäße Funktionen. Gemeint sind scheinbar banale Dinge, die man heute in den meisten Neuwagen findet: elektrisch verstellbare Außenspiegel, Apple CarPlay, ein modernes Soundsystem, Startknopf, sowie elektrische Fensterheber. All diese Annehmlichkeiten verleihen dem Boss 429 einen überraschend hochwertigen Innenraum. Revology achtet dabei sehr genau auf die Qualität der Sitzbezüge, die Gestaltung der überarbeiteten Mittelkonsole und sogar darauf, wie sich das Lenkrad in den Händen anfühlt. Doch das Herzstück steckt unter der Haube. Nein, Revology verbaut hier keine echten 7,0-Liter-Motoren. Stattdessen arbeitet im Boss 429 ein Coyote-V8 der vierten Generation. Revology ergänzt einen Kompressor und nutzt zudem das verbesserte Kühlsystem des Mustang Dark Horse. Das Ergebnis: 710 PS (522 kW). Käufer können zwischen einem 6-Gang-Handschaltgetriebe oder einer Zehngang-Automatik wählen. Am Steuer Ich empfehle den Handschalter, denn mit dem Schalthebel wird der Geist des Autos erst richtig lebendig. Dieser mächtige Mustang macht einfach Spaß. Revology-Gründer Tom Scarpello drückte mir die Schlüssel in die Hand, und wir fuhren in die Canyons nördlich von Los Angeles. Allein dieses Bild ist ist unbeschreiblich. Doch die eigentliche Magie beginnt, wenn man den Motor startet. Der Boss 429 erwacht bellend zum Leben, und der Klang ist Mustang-Perfektion im Vintage-Stil. Trotz modernem Motor wirkt das Geräuschbild konsequent "oldschool". Und wer schon einmal einen alten Mustang gefahren ist, wird sich im Innenraum grundsätzlich zurechtfinden – nur eben auf einem Niveau, das in so einem Auto weit über das hinausgeht, was man sonst kennt. Wenn man das Gesamtpaket betrachtet versteht man, warum ein Revology Mustang ein so schwindelerregendes Preisschild trägt. Vom Aufbauprozess über die beeindruckende NVH-Qualität bis hin zu Antriebsstrang und Performance, alles ist hier Detailarbeit. Ein Ford Mustang Boss 429 von Revology startet bei 395.000 US-Dollar (etwa 336.000 Euro). Das ist wahrscheinlich immer noch weniger, als man für einen echten Boss 429 aus 1969 oder 1970 bezahlen würde. Gleichzeitig fährt der Revology Boss 429 vermutlich deutlich besser, leistet mehr und sieht mindestens genauso beeindruckend aus. Es gibt einige Restomod-Anbieter. Viele gehen aber nicht weit genug. Oft entstehen nur modernisierte Versionen beliebter Klassiker, meist sogar, ohne Roststellen wirklich zu beseitigen: einmal lackieren, irgendeinen LS-basierten Motor hinein, und dann viel zu teuer anbieten. Ähnlich wie Singer bei Porsche oder Icon bei alten Land Cruisern baut Revology seine Mustangs tatsächlich von Grund auf neu auf. Das Endergebnis zeigt deutlich, wie viel Arbeit und Know-how in Entwicklung und Aufbau dieser Autos steckt. Natürlich sind die Fahrzeuge nicht billig. Aber das sollten sie auch nicht sein, bei dem Aufwand, der dahintersteckt: Es sind rollende Kunstwerke, die man tatsächlich fahren kann.