Seit Porsche angekündigt hat, beim nächsten 718 Boxster und Cayman auf Elektroantrieb zu setzen, ist die Aufregung groß, jeder hat dazu eine Meinung und geschrieben wurde so viel wie lange nicht. Seit gut vier Jahren begleitet uns das Thema jetzt: Am 18. März 2022 erklärte der damalige CEO Oliver Blume, die elektrischen 718er sollten zur Mitte des Jahrzehnts in den Handel kommen. Auch wenn Porsches Einstiegs-Sportwagen ohne Verbrennungsmotor im März 2026 noch nicht in den Showrooms steht, heißt das nicht, dass das Projekt gestrichen ist. Auch darüber wurde viel spekuliert. Die Medien kreierten ein ständiges Hin und Her. Zuletzt stellte Porsche jedoch klar, dass die E-Varianten kommen. Blumes Nachfolger Michael Leiters sprach diese Woche während der Bilanzpressekonferenz kurz über die elektrischen 718. Erprobung und Entwicklung laufen weiter – und das zuständige Engineering-Team bekam vom neuen Mann an der Spitze in Zuffenhausen ausdrücklich Lob: „Ich kann sagen, dass wir letzte Woche das gesamte Produktportfolio getestet haben und ich bin inzwischen mehrfach den 718 gefahren. Ich kann Ihnen versichern: Es ist ein großartiges Auto, und die Leute leisten hervorragende Arbeit bei der Entwicklung.“ Porsche 718 Cayman EV-Rendering von Motor1 Gut, was soll er auch anderes sagen. Aber Hoffnung zu verbreiten ist in der derzeitigen Lage des Sportwagenherstellers sicher nicht die schlechteste Idee. Leiters ergänzte, Porsche werde im Herbst weitere Details zur Modellpalette nennen – dann könnten auch „Ergänzungen oder Anpassungen im Produktportfolio“ beschlossen werden. Das dürfte bedeuten, dass die seriennahen Boxster/Cayman-EVs frühestens in diesem Zeitraum enthüllt werden. Selbst bei einem optimalen Szenario mit Debüt im Herbst gehen wir davon aus, dass Auslieferungen nicht vor 2027 starten. Porsches CEO ist bereits der zweite Top-Manager in diesem Monat, der Gerüchte über eine Einstellung des elektrischen 718 zurückweist. In einem Interview mit dem Magazin CarSales lobte auch der australische Managing Director und CEO Daniel Schmollinger nach einer Fahrt mit einem Prototypen: „Wir können noch nicht sagen, wann sie kommen, aber ich hatte die Gelegenheit, sie zu fahren – und sie sind wirklich erstaunlich. Ich konnte sie auf einer Rennstrecke fahren und es war einfach beeindruckend. Ein Auto vom Typ Boxster sollte eine ausgewogene Gewichtsverteilung und ein sehr kartähnliches Fahrgefühl bieten – und genau das liefert es. Mit dem Elektromotor kommt natürlich noch einmal zusätzliche Dynamik ins Fahren.“ Ursprünglich wollte Porsche die Elektro-Varianten als vollständigen Ersatz für die Benziner positionieren – das hat man längst verworfen. Nach dem Produktionsende der 718 mit Verbrennungsmotor im vergangenen Oktober sollen Sechszylinder als Topmodelle gegen Ende des Jahrzehnts zurückkehren. Weitere Details nannte Porsche bisher nicht. Mit Blick nach vorn sagte Leiters, Porsche denke die Entwicklung von Sportwagen „grundlegend neu“ und versuche, „zusätzliche Synergien über unsere Modelle hinweg“ zu heben. Übersetzt heißt das: mehr Gleichteile und gemeinsame Baugruppen, um Kosten zu senken und die Entwicklung zu beschleunigen – damit neue Fahrzeuge schneller auf den Markt kommen. Porsche 718 Cayman EV Erlkönigbilder Der Teile-Baukasten endet nicht bei der eigenen Modellpalette, sondern umfasst auch die Zusammenarbeit mit Audi. Jochen Breckner, im Porsche-Vorstand zuständig für Finanzen und IT, erwähnte während der Konferenz eine Audi-Lizenzzahlung von rund 1 Milliarde Euro. Leiters erklärte, diese Zahlung stehe nicht nur im Zusammenhang mit dem neuen, Q5-basierten Verbrenner-Crossover, sondern auch mit weiteren Projekten beider Marken: „Dabei geht es um mehrere Modelle, die wir gemeinsam entwickeln – Audi mit Porsche und Porsche mit Audi. Das ist also der Teil, den wir an Audi bezahlt haben, aber es geht um mehr als nur ein einziges Modell.“ Zur Kooperation gehört auch Audis Concept C, das innerhalb der nächsten zwei Jahre in Serie gehen soll. Bereits bekannt ist: Die straßenzugelassene Version wird ausschließlich als E-Auto angeboten – mit einem elektrisch versenkbaren Targa-Dach wie bei der Studie. Das Concept Car setzte auf einen Single-Motor-Antrieb mit Hinterradantrieb, geplant ist jedoch auch eine Dual-Motor-Quattro-Variante. Audi Concept C (2025) Motor1 meint: Trotz der Kunden-Skepsis gegenüber elektrischen Sportwagen wirkt Porsche entschlossen, die batteriebetriebenen 718er auf den Markt zu bringen. Die Modelle stoßen in ein kleines Segment vor – an der Seite des MG Cyberster und der nächsten Generation der Alpine A110. Die Franzosen haben allerdings einen Plan B: Ihr Performance-Coupé könnte am Ende doch noch einen Verbrennungsmotor bekommen. Allerdings haben auch die Zuffenhausener eine Alternative. Die Entscheidung, Boxster und Cayman wieder mit Verbrennern anzubieten, wurde mit Begeisterung aufgenommen. Sollten auch die elektrischen 718er die Fans überzeugen, wäre das ein Meilenstein fürs Sportwagen-Segment.