Porsche stellt den GT4-Kundensport neu auf. Nach dem Cayman übernimmt künftig der 911 diese Rolle. Ein Erlkönig des neuen 911 GT4 zeigt jetzt, wie der Wechsel aussehen dürfte und wohin sich die GT4-Klasse aus Zuffenhausen entwickelt. Gemeinsam mit Manthey Racing testete Porsche den 911 GT4 Challenge in der vergangenen Woche auf mehreren Rennstrecken. Der Prototyp fuhr in Spa-Francorchamps und beim Manthey Trackday am Nürburgring. Dort absolvierte das Auto mit drei Werksfahrern ausgedehnte Runs auf der Nordschleife in Kombination mit der Kurzanbindung des GP-Kurses. Der Fokus lag klar auf Standfestigkeit und Abstimmung im Langstreckenbetrieb. Bildergalerie: Porsche 911 GT4 (2026) Erlkönig Optisch wirkt der Erlkönig auf den ersten Blick wie ein 911 GT3. Erst im Detail offenbart sich der eigentliche Charakter. Die schwarze Tarnfolie, fehlende Embleme, Schnellverschlüsse an den Rädern und abgeklebte Scheinwerfer verraten das Testfahrzeug. Wichtiger ist aber die Radbefestigung. Statt Zentralverschluss wie beim GT3 setzt der GT4-Prototyp auf fünf Radmuttern pro Rad. Das unterscheidet ihn klar vom bekannten GT3 und passt zur GT4-Philosophie mit stärker seriennaher Technik. Am Heck fällt ein modifizierter Flügel mit neuen seitlichen Flaps auf. Die Bremsanlage und das Fahrwerk wirken angepasst, ebenso liegt die Abgasanlage etwas tiefer als beim GT3. Unter der Fronthaube befindet sich nun das Tanksystem, der sichtbare Tankdeckel am Kotflügel bleibt funktionslos. Typisch Rennfahrzeug: ein Regenlicht über den Rückleuchten, wie man es aus dem GT-Sport kennt. Insgesamt präsentiert sich der Erlkönig als abgespeckte, klar auf Kundensport ausgerichtete Version des GT3. Besonders interessant ist der Klang. Statt nach 911 GT3 hört sich der Prototyp wie der bekannte Cayman GT4 CS an. Beide nutzen einen Sechszylinder-Boxer, unterscheiden sich aber beim Hubraum. Während GT3 und GT3 Cup mit vier Litern und 3.996 Kubikzentimetern antreten, kommt der bisherige Cayman GT4 mit 3,8 Litern aus. Der neue 911 GT4 dürfte dieses Triebwerk oder eine entsprechend angepasste Variante übernehmen. Damit positioniert Porsche den 911 GT4 unterhalb des GT3, bleibt aber klar im GT4-Reglement. Hintergrund des Wechsels: Der aktuelle Cayman mit Verbrennungsmotor lief 2025 aus. Der nächste Cayman wird vollelektrisch. Damit verliert Porsche sein bisher einziges GT4-Modell mit Verbrennerbasis. Der Cayman GT4 war sowohl auf der Straße als auch im Motorsport stark gefragt und prägte Serien wie die Porsche Endurance Trophy Nürburgring. Dort starteten bislang der Cayman GT4 CS und der 911 GT3 Cup (992) nebeneinander. Die GT4-Klasse war ursprünglich als kostengünstigere, seriennahe Alternative zur GT3-Kategorie gedacht und zieht viele Amateure und Einsteiger an. Porsche zählte mit dem Cayman zu den frühen Anbietern. Inzwischen tummeln sich dort auch BMW M4 GT4, Audi R8 LMS GT4, Aston Martin Vantage GT4, McLaren 570S GT4, Toyota Supra GT4 und der GT4 von Mercedes-AMG. Für Porsche ist diese Klasse damit ein wichtiger Baustein im Kundensportprogramm. Mit dem Wechsel vom Cayman auf den 911 bleibt Porsche in dieser Kategorie präsent und nutzt gleichzeitig den letzten verbleibenden Sportwagen mit Verbrennungsmotor als Basis. Der kommende 911 GT4 soll als Rennfahrzeug und straßenzugelassenes Homologationsmodell erscheinen. Der gesichtete Erlkönig zeigt, wie Porsche den Übergang in die nächste GT4-Generation vorbereitet und den Kundensport auf eine neue Plattform stellt.