Die Behauptung, Porsche stecke derzeit in einer schwierigen Phase, wäre eine ziemliche Untertreibung. Der Absatz fiel im vergangenen Jahr um 10 Prozent auf 279.449 Fahrzeuge, der Gewinn schrumpfte gar um schwer verdauliche 98 Prozent auf nur noch gut 90 Millionen Euro. Die Gründe sind vielfältig: Absatzschwierigkeiten in China, Zölle in den USA und horrende Kosten für das Hin und Her bei der missglückten E-Transformation. Mit Blick nach vorn hat Porsche dennoch Gründe für Optimismus. Der Hersteller entwickelt einen Nachfolger des Macan mit Verbrennungsmotor und arbeitet an einem Flaggschiff-SUV mit drei Sitzreihen und Verbrennungsmotoren, das oberhalb des Cayenne positioniert werden soll. Der 718, der Ende vergangenen Jahres weltweit eingestellt wurde, soll mit Benzinantrieb zurückkehren – ergänzt durch rein elektrische Varianten. Ja, die kommen weiterhin. Porsche-Teaserbild Porsche Mission X Konzept Fotos von: Porsche Nun zeichnet sich ab, dass noch ein weiteres Auto folgen könnte – eines, das, sofern es grünes Licht bekommt, wohl das spannendste Projekt von allen wäre. Auf der jährlichen Pressekonferenz des Unternehmens deutete CEO Michael Leiters heute an, dass ein Performance-Modell oberhalb des 911 möglich ist. Ziel ist es, dass Porsche profitablere Modelle bringt, um die aktuell stark belasteten Kassen in Zuffenhausen zu stabilisieren: „Wir prüfen eine Erweiterung unseres Produktportfolios, um in margenstärkeren Segmenten zu wachsen. Dabei betrachten wir Modelle und Derivate sowohl oberhalb unserer aktuellen zweisitzigen Sportwagen als auch oberhalb des Cayenne.“ Unabhängig davon ist uns die schemenhafte Silhouette eines Autos aufgefallen, das eindeutig kein 911 ist. Kombiniert man diese Hinweise, konkretisiert das Leiters Andeutungen. Die Form erinnert verdächtig stark an die Studie Mission X von 2023. Sicher sagen lässt sich jedoch nicht, ob es sich um dasselbe Konzept handelt, das vor knapp drei Jahren gezeigt wurde – auch wenn es gewisse Ähnlichkeiten gibt. Eine Serienversion des Mission X würde in der Sportwagen-Hierarchie definitiv oberhalb des 911 rangieren. Allerdings wirkt ein elektrisches Supercar – oder gar ein elektrisches Hypercar – im Jahr 2026 ehrlich gesagt nicht wie die allerschlaueste Idee. Mate Rimac sagte vor ein paar Jahren bekanntlich, dass Käufer in diesem Segment Verbrennungsmotoren bevorzugen. Zudem räumte er ein, dass die Verkäufe des Nevera nicht dort seien, wo man sie sich erhofft hatte. Zur Einordnung: Porsche hält 45 Prozent am Joint Venture Bugatti Rimac – die Verantwortlichen in Stuttgart wissen also sehr genau, wie der Markt für elektrische Supercars derzeit aussieht. Lamborghini kennt das ebenfalls und setzt beim Temerario und Revuelto weiterhin auf Verbrennungsmotoren. Sollte ein neuer Sportwagen oberhalb des 911 tatsächlich grünes Licht bekommen, liegt die Vermutung nahe, dass er einen Verbrennungsmotor erhalten wird. Porsches CEO sagt selbst, man „verlängere die Lebensdauer unserer Verbrenner- und Hybridangebote“. Das längere Festhalten am Verbrenner werde laut Leiters „Kundenwünsche“ erfüllen. Bis dahin macht Porsche mit seiner Agenda für 2026 neugierig und plant „emotionale neue Derivate“. Gut möglich, dass eines davon der 911 GT2 RS sein wird. Porsche Mission X Concept Motor1 meint: Seit dem Produktionsende des 918 Spyder ist inzwischen über ein Jahrzehnt vergangen – ein neues Porsche-Flaggschiff kann also eigentlich nicht früh genug kommen. Allerdings dürfte es noch einige Jahre dauern, denn das Unternehmen prüft bislang lediglich ein neues Modell oberhalb des 911. Selbst bei einer Produktionsfreigabe ist kaum damit zu rechnen, dass wir es in den nächsten drei bis vier Jahren zu sehen bekommen. Möglicherweise ließe sich die Entwicklungszeit verkürzen, wenn der Mission X als Basis dient – wobei das Konzept dann für die Aufnahme eines Verbrennungsmotors grundlegend überarbeitet werden müsste. So oder so ist es interessant zu hören, dass Porsche darüber nachdenkt, es mit Ferrari F80 und McLaren W1 aufzunehmen – und damit die „Heilige Dreifaltigkeit“ wiederzubeleben.