Während wir darauf warten, dass Maranello sein erstes Elektroauto auf den Markt bringt, soll ausgerechnet das bislang umstrittenste Modell der Marke eine Performance-Variante erhalten. Ferrari will Berichten zufolge noch in diesem Jahr seinen "nenn ihn nicht SUV" Purosangue fahrdynamisch aufbrezeln. Der frei saugende V12 soll bleiben – ob es auch mehr Leistung gibt, ist allerdings unklar. In der aktuellen Ausbaustufe leistet der 6,5-Liter-Motor 725 PS. Aus anderen Modellen mit dem springenden Pferd wissen wir jedoch, dass der Zwölfzylinder durchaus in der Lage ist, deutlich mehr „Cavalli“ freizusetzen. Der 12Cilindri etwa kommt auf 830 PS. Die derzeitige Spitze in Sachen Ferrari-V12 markiert der extrem exklusive Daytona SP3 mit 840 PS. Laut Bloomberg soll der schärfere Purosangue in der zweiten Jahreshälfte in Produktion gehen. Damit würde das SUV zu einem von fünf neuen Modellen zählen, die Ferrari für dieses Jahr bereits bestätigt hat. Wir waren bislang davon ausgegangen, dass es sich um eine Plug-in-Hybrid-Variante mit kleinerem Verbrenner handeln könnte – nun sieht es eher so aus, als würde Ferrari seinem traditionsreichen V12 ein Upgrade verpassen. Weitere Details sind ziemliche Mangelware, doch unternehmensnahe Quellen, die von der Nachrichtenagentur zitiert werden, gehen davon aus, dass der große Motor bleibt. Ferrari soll den Purosangue außerdem fahrdynamisch nachschärfen. Wie zu erwarten, wollte die Marke gegenüber Bloomberg keine Aussagen zu künftigen Modellen machen und kommentierte mögliche Upgrades nicht. Sollte der V12 unangetastet bleiben, könnte Ferrari ein optionales Assetto-Fiorano-Paket entwickeln, wie man es von den zweitürigen Supercars aus Maranello kennt. Solche Kits sorgen für etwas Gewichtsersparnis, etwa durch den umfangreicheren Einsatz von Carbon. Benannt nach der firmeneigenen Teststrecke in Italien, umfasst das Paket in der Regel zudem ein überarbeitetes Fahrwerk sowie aerodynamische Änderungen. Auch wenn Ferrari die Purosangue-Palette erweitern will, hält man an der Zusage fest, die Stückzahlen zu begrenzen, um den Markt nicht mit SUVs zu fluten. Seit dem Start des Modells vor fast vier Jahren ist die Produktion auf 20 Prozent des jährlichen Gesamtvolumens begrenzt. Der heimische Rivale Lamborghini geht einen anderen Weg und baut vom Urus so viele Exemplare wie möglich – ohne große Sorge vor einer Verwässerung der Marke. Andere Ultra-Luxus-SUV wie Aston Martin DBX, Rolls-Royce Cullinan und Bentley Bentayga unterliegen ebenfalls keinen künstlichen Produktionslimits. Zumindest beim Aston läuft man derzeit auch kaum Gefahr, solche überhaupt annähernd zu erreichen. Eine neue Version des V12-SUV ist keine völlige Überraschung. Ferrari geht davon aus, dass bis 2030 noch 40 Prozent der Modelle reine Verbrenner (ICE) sein werden. Plug-in-Hybride sollen bis zum Ende des Jahrzehnts einen identischen Anteil erreichen, für Elektroautos bleiben entsprechend 20 Prozent. In nur vier Jahren will das Unternehmen insgesamt 20 neue Modelle auf den Markt bringen. Puristen dürfte freuen, dass der Zwölfzylinder weiterlebt – Ferrari hat nach eigenen Angaben einen Weg gefunden, ihn Euro-7-konform zu machen. Vergangenes Jahr deutete der Chief Research & Development Officer Ernesto Lasalandra weitere Entwicklungen am V12 sowie an den kleineren V6- und V8-Motoren an: „Wir entwickeln unsere V6-, V8- und V12-Motoren weiter mit dem Ziel, ihre Leistung und Effizienz kontinuierlich zu steigern und gleichzeitig die neuen weltweiten Vorschriften einzuhalten. Verbrennungsmotoren werden weiterhin Teil unseres Produktportfolios sein, und wir werden Innovationen bei den Antrieben vorantreiben, indem wir die spezifische Leistung weiter erhöhen.“ Motor1 meint: Ferrari muss den Purosangue eigentlich nicht künstlich „würzen“. Die Auftragsbücher für 2026 sind längst über die gesamte Modellpalette hinweg geschlossen, und auch die Produktion für 2027 ist bereits nahezu ausverkauft. Dennoch werden sich Käufer mit entsprechendem Kontostand, die ein praktisches Auto suchen, sehr wahrscheinlich für eine heißere und noch teurere Version anstellen – und den Aufpreis dafür bereitwillig zahlen. Marge ist Trumpf - fragen Sie mal bei Porsche nach, da hätte man solche Probleme aktuell auch gern. Der „Basis“-Purosangue liegt bereits bei gut 390.000 Euro. Eine neue Variante könnte mit einigen Optionen schnell die Marke von 500.000 Euro überschreiten. Ferrari würde mit seiner Cashcow ohne gewaltige Investitionen noch mehr verdienen – eine Performance-Version wäre damit aus wirtschaftlicher Sicht naheliegend.