Ferrari spannt uns weiter mit der vollständigen Enthüllung seines ersten Elektroautos auf die Folter. Immerhin verkürzt Maranello uns die Wartezeit ein wenig, indem man nach und nach Details preisgibt. Im vergangenen Oktober etwa wurden die ersten technischen Daten veröffentlicht. Anfang dieser Woche dann platzte die große Innenraum-Bombe. Die endgültige Weltpremiere ist für Mai bei einer Veranstaltung in Italien geplant. Der Luce (auch der Name wurde am Montag enthüllt) wird sich nicht nur dadurch abheben, dass es der erste Ferrari ohne Verbrennungsmotor ist. In einem neuen offiziellen Video betont der Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann, das Modell sei wie kein anderes springendes Pferd zuvor – „in jeder erdenklichen Hinsicht komplett anders als alles, was wir je gebaut haben“. Elkann sagte auch, der radikale Bruch mit bisherigen Modellen habe die Namensgebung leicht gemacht: Luce, italienisch für „Licht“. Eine vielleicht noch bemerkenswertere Aussage kommt später im Video von Gianmaria Fulgenzi, Chief Product Development Officer: „Unseres ist kein Elektroauto. Unseres ist ein elektrischer Ferrari. Und das sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.“ In die Entwicklung ist viel Aufwand geflossen – auch, weil Ferrari den Großteil der Arbeit selbst erledigt hat, statt sie an externe Dienstleister auszulagern. Alle wesentlichen Komponenten wurden im eigenen Haus entwickelt, darunter die beiden elektrischen Achsen und das Batteriepaket. Wie bei anderen Hauptkomponenten sollen auch die E-Motoren und die 800-Volt-Batterie intern gefertigt werden. Laut CEO Benedetto Vigna wurden in der Entwicklungsphase mehr als 60 Patente angemeldet; beteiligt gewesen seien bis zu 120 Ingenieure. Welche Karosserieform Luce letztlich haben wird, ist weiterhin offen – doch angesichts jüngster Erlkönig-Sichtungen steht fest: Er bekommt vier Türen. Sicher ist auch, dass Ferrari ihn nicht als SUV bezeichnen wird; schließlich wird auch Ferraris ..naja.. "SUV", der Purosangue, offiziell nicht so genannt. Eine eigens entwickelte Elektro-Plattform dürfte den Luce bei ähnlichen Außenmaßen deutlich geräumiger machen als ein vergleichbares Verbrenner-Modell – und womöglich zum praktischsten Ferrari aller Zeiten. Der Luce steht an der Spitze einer Produktoffensive, in deren Rahmen bis 2030 insgesamt 20 neue Modelle auf den Markt kommen sollen. Das Projekt ist seit Jahren in Vorbereitung: Erste Pläne für ein Elektroauto wurden bereits 2019 kommuniziert. Jetzt sind es nur noch wenige Monate bis zum offiziellen Debüt. Berichte, wonach ein zweites E-Auto wegen erwarteter geringer Nachfrage gestrichen worden sei, weist Ferrari zurück – es sei nie offiziell angekündigt worden. Ferrari Luce Innenraum Motor1 meint: Ob eingefleischte Ferrari-Fans einem Elektroauto offen gegenüberstehen werden, bleibt abzuwarten – Traditionalisten müssen sich aber keine Sorgen machen. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen 40 Prozent des Angebots weiterhin aus reinen Verbrennern bestehen, weitere 40 Prozent aus Hybriden. Nur 20 Prozent der Fahrzeuge sollen komplett ohne V6, V8 oder V12 auskommen. Die Welt ist nicht untergegangen, als der Purosangue 2023 auf den Markt kam – und wir sind sicher, dass auch nicht die Hölle zufriert, wenn Ferrari mit dem Verkauf von E-Autos beginnt. Selbst für alle, die mit Elektroautos wenig anfangen können, hat die Idee eines elektrischen Ferrari etwas Faszinierendes. Der Luce dürfte auch bei den EV-Skeptikern Neugier wecken – vielleicht sogar in größerem Umfang, als es der Rolls-Royce Spectre geschafft hat. Bentley ist eine weitere Ultra-Luxusmarke, die kurz davorsteht, in die Elektro-Ära einzubiegen. Damit bleiben nur noch wenige Hersteller übrig, die noch kein E-Auto im Portfolio haben. Bildergalerie: Ferrari Elettrica Technik-Workshop