Mehr als ein Jahrzehnt ist vergangen, seit der inzwischen verstorbene Sergio Marchionne bei Alfa Romeo den Neustart ausrief. Der wievielte Alfa-Neustart das war, kann kaum noch ermittelt werden und inzwischen kamen wohl noch 2-3 weitere Neustarts dazu, aber Marchionne hatte wirklich große Pläne. Er wollte die traditionsreiche italienische Marke zu einem echten Rivalen für die deutschen Premiummarken machen. FCA investierte eine Milliarde Euro in die Giorgio-Plattform, auf der Giulia und Stelvio entwickelt wurden. Die beiden Modelle sind bis heute im Programm. Sowohl die Limousine als auch das SUV sollen bis 2027 weiterlaufen, doch beide haben die Volumenerwartungen des Unternehmens nicht erfüllt. Immerhin ist Alfa Romeo nicht ausschließlich auf zwei in die Jahre gekommene Mittelklasse-Baureihen angewiesen. Als Teil von Stellantis hat die Marke Zugriff auf eine Vielzahl von Plattformen, um die Entwicklung neuer Fahrzeuge zu beschleunigen. Diese Strategie scheint sich langsam auszuzahlen. Auf noch immer überschaubarem Niveau, aber immerhin. Der Blick auf die heute verkündeten Absatzzahlen 2025 zeigt: Im vergangenen Jahr stieg das Volumen um 20 Prozent auf 73.000 Einheiten. 20 Prozent Wachstum klingen erst einmal nicht verkehrt, dennoch lohnt der Blick auf das große Ganze. BMW verkaufte im letzten Jahr 2.169.761 Fahrzeuge, Mercedes kam auf 1.800.800 Autos. Audi belegte mit 1,6 Millionen Einheiten Platz drei im Premiumrennen, Toyotas Marke Lexus lieferte 882.231 Fahrzeuge aus – und selbst Porsche lag mit 279.449 Auslieferungen 2025 deutlich vor dem Cuore Sportivo. Alfa Romeo Junior Selbst mit 20 Prozent Plus entspricht Alfas Ergebnis im vergangenen Jahr nur einem Bruchteil dessen, was die deutschen und japanischen Wettbewerber erreicht haben. Andererseits wäre ein Kopf-an-Kopf-Rennen angesichts des überschaubaren Portfolios unrealistisch - die vermeintliche Konkurrenz ist nicht zuletzt auch einfach deutlich breiter aufgestellt. Interessant ist auch der Blick in die Vergangenheit. Gefühlt war die Lage vor 25, 30 Jahren mindestens so angespannt wie aktuell. Jedoch verkaufte Alfa Romeo um die Jahrtausendwende im Schnitt gut 200.000 Autos pro Jahr. 2001 waren es sogar 213.000 Neuzulassungen. Damals im Modellprogramm: Der großartige 156, der 147, der 166 sowie Spider und GTV (916). Das bislang beste Jahr war übrigens 1990, als die Auslieferungen bei 223.643 Einheiten ihren Höchststand erreichten. Aktuell steht man wieder vor gewaltigen Herausforderungen. Die Nachfolger von Giulia und Stelvio sollten erst rein elektrisch kommen, dann auch mit Verbrenner, jetzt wurden sie auf unbestimmte Zeit verschoben und man lässt die aktuelle Generation bis mindestens 2027 weiterlaufen. Vermutlich ist es die richtige Entscheidung. Ob wir die neuen Autos dann 2028 sehen, wird sich zeigen. Bis dahin schultert der kompakte Crossover Junior erwartungsgemäß den Löwenanteil der Verkäufe. Alfas günstigstes Modell war im vergangenen Jahr der Bestseller, gefolgt vom größeren Tonale, der kürzlich ein Facelift erhalten hat. Bemerkenswert: Elf Prozent aller Giulias und Stelvios waren Quadrifoglios, also die 520-PS-Performance-Varianten, die mehr als 100.000 Euro kosten. In mehr als zehn Jahren Bauzeit war ihr Anteil nie höher. Genaue Zahlen für die beiden betagten Mittelklasse-Autos nennt Alfa - vermutlich aus guten Gründen - nicht. Alfa Romeo 33 Stradale Der 33 Stradale spielt für das Volumen keine Rolle, da die Produktion auf 33 Fahrzeuge limitiert ist – bislang wurden fünf Exemplare ausgeliefert. Als Imageträger mit Mittelmotor und atemberaubendem Design sorgt er dafür, dass über den Hersteller aus Turin gesprochen wird. Mehr als 80 Prozent der Alfa-Romeo-Fahrzeuge gingen an Käufer in Europa, gefolgt von Nordamerika, dem Nahen Osten und Afrika sowie Asien. 2025 war in den USA ein schwieriges Jahr: Die Nachfrage brach um 36 Prozent auf nur noch 5.652 Autos ein. Wichtig dabei: Der Junior wird in den USA nicht angeboten. Alfa Romeo Tonale 2026 Rückblickend auf die Marchionne-Ära gab es einst das Ziel, bis 2010 jährlich 300.000 Fahrzeuge zu verkaufen – in diese Größenordnung kam das Unternehmen jedoch nie. Der Blick in die Zukunft birgt viele Ungewissheiten. Der Tonale läuft wohl halbwegs ordentlich, der Junior geht richtig gut. Beide sind sicher nicht das, was sich wahre Alfisti für die Marke erträumen. Ob man die Träume mit den Nachfolgern von Stelvio und Giulia erfüllen kann, wird sich zeigen. Pläne, die Modellpalette um große, auf US-Geschmack zugeschnittene Fahrzeuge zu erweitern, wurden ad acta gelegt. Zwischenzeitlich war von einem BMW-X5-Konkurrenten die Rede, der bis 2028 oberhalb des Stelvio positioniert werden sollte – dieses Projekt wird inzwischen nicht weiterverfolgt. Alfa-Romeo-CEO Santo Ficili sagte Ende vergangenen Jahres: „Große Autos sind nicht das Terrain der Marke.“