Man würde es nicht erwarten, aber Autos fürs Gelände haben bei Alfa Romeo durchaus eine gewisse Tradition. Nein, wir reden jetzt nicht vom aktuellen Junior Q4. Sondern vom Matta, der zwischen 1952 und 1954 entstand. Und beinahe hätte die Marke um 1988 einen veritablen Konkurrenten für den Suzuki Jimny gebaut. Das zeigt ein Posting der sehenswerten Seite "Car Design Archives" des Franzosen Olivier Guin. Dort zeigt er seit Jahren spannende Designentwürfe der Hersteller, die nie oder anders in Serie gingen. Quasi ein "Was wäre gewesen, wenn?" der Automobilindustrie. In unserem Fall geht es um ein Projekt aus der Zusammenarbeit von Alfa Romeo und Nissan, die 1983 im lange geschmähten Arna mündete. Nur 59.000 Exemplare entstanden in vier Jahren. Was nur wenige wissen: Es waren noch viel mehr Projekte geplant, um das Arna-Werk auszulasten. Karosserie vom Nissan Cherry, Technik vom Alfasud: Der Alfa Romeo Arna, hier als Ti Darunter ein neuer Matta auf Basis des Nissan Patrol. Und das Projekt "AR 148". Hierzu schreibt "Car Design Archives" folgendes: Mit einem für 1987 geplanten Arna der zweiten Generation (auch davon gibt es dort Bilder) schlug Alfa Romeo vor, sein Joint-Venture mit Nissan zu stärken. Ende 1985 schlugen die Italiener vor, ein zweites Modell im selben Werk in Pratola Serra zu produzieren. Unter dem Codenamen AR 148 handelte es sich um einen kleinen SUV, der in Europa mit dem Jimny/Samurai/Santana [und dem späteren ersten Vitara] konkurrieren konnte. Er sollte ab 1988 in einer Stückzahl von 15.000 Einheiten pro Jahr produziert werden, und in dem Memo wurde sogar die Verteilung erwähnt: 5.000 Einheiten mit Alfa-Emblem für den italienischen Markt und die restlichen 10.000 für den Rest Europas unter der Marke Nissan. 1988 Alfa Romeo AR 148 Die Antwort des japanischen Automobilherstellers ließ nicht lange auf sich warten. Nach der Bewertung der Designmodelle und der Testung der Prototypen war Nissan so begeistert, dass man darum bat, dieses Modell so schnell wie möglich in Produktion zu nehmen. Wie schon beim Arna Mk2 bedeutete aber auch hier der Verkauf von Alfa Romeo ein Jahr später das Aus für dieses Projekt. Matteo Licata führt die AR-148-Geschichte in seinem lesenswerten Buch über den Alfa Romeo Arna (auf Englisch erschienen) weiter aus. Am 7. Mai 1986 kündigte Alfa Romeo in einer Pressemitteilung an, dass das nächste Produkt des Joint-Venture mit Nissan ein Geländewagen sein werde. Er solle in Pratola Serra in militärischer und ziviler Version gebaut werden. Ein rustikal anmutender Prototyp der Militärversion steht heute im Werksmuseum in Arese. Der AR 148 zielte auf den beliebten Suzuki Samurai 148 solle das Fahrzeug heißen und nur 3,50 Meter lang sein. Dazu kurze Überhänge und sehr gute Böschungswinkel. Der 148 solle einen Leiterrahmen haben, ein McPherson-Aufhängung vorne und eine Starrachse hinten. Der Allradantrieb und der 1,5-Liter-Boxer mit 84 PS kommen vom Alfa 33 4x4. Auch eine Version mit einem Dreizylinder-Turbodiesel von VM erwähnte man. Laut Licata war der 148 ein komplett bei Alfa Romeo entwickeltes Projekt ohne Nissan-Einfluss. Dennoch sollte Nissan wie schon beim Arna die Karosserie liefern, während Alfa für Chassis und Antriebsstrang zuständig war. Zudem sollte Nissan das fertige Fahrzeug mit Ausnahme von Italien unter seinem Markennamen verkaufen dürfen. Aber wie schon erwähnt, wurde Alfa Romeo zum 1. Januar 1987 ein Teil des Fiat-Konzerns. Entwurf des Nissan Terrano II Nissan Terrano II Dreitürer (1996) Bilder von: Nissan Im Mai 1987 übernahm Fiat die Nissan-Beteiligung am ARNA-Joint-Venture. Schon seit Mitte 1986 hatte Nissan sein Werk im britischen Sunderland in Betrieb genommen, von dort aus konnte man fortan die damalige EG beliefern. Im anderen Nissan-Werk in Spanien lief ab 1993 eine Art indirekter Nachfolger des Alfa 148 vom Band. Der als Dreitürer 4,18 Meter lange Nissan Terrano II entstammte einer Kooperation mit Ford. Ironie am Rande: Ford machte 1986 auch ein Angebot für die Übernahme von Alfa Romeo.