Es ist ja immer so: Erfolg zieht zahlreiche Nachahmer an. Doch irgendwann ist jeder Trend ausgelutscht. Oder erinnern Sie sich noch an das Labubu? Ähnlich war es auch vor gut 30 Jahren: Mercedes SLK und Peugeot 206 CC waren die Pioniere des modernen Klappdach-Cabrios für jedermann. Beide verkauften sich in höheren sechsstelligen Ziffern. Das rief unzählige Nachahmer auf den Plan. In den 2000ern explodierte die Zahl der Klappdach-Cabrios förmlich, auch und gerade im Segment der Kleinwagen. Doch wo ein halbwegs großer VW Eos seine aufwendige Blechmütze noch einigermaßen elegant ins Heck packte, geriet dieser Punkt bei unter vier Meter Länge meist unansehnlich. Und resultierte in hohen Kofferräumen respektive, nun ja, "dicken Hintern". Bildergalerie: Nissan Micra C+C (2005–2009) Mitsubishi Colt CZC, Renault Wind oder Opel Tigra TwinTop stehen hierfür stellvertretend. Oder der Nissan Micra C+C, der uns kürzlich als Gebrauchtwagen über den Weg lief. Kann so etwas jemals zum akzeptierten Mitglied der Young- und Oldtimerszene werden? Blicken wir gut zwanzig Jahre zurück: Nissan präsentierte nach Jahrzehnten wieder einen offenen Micra. Am 15. Juni 2005 stellte man im britischen Sunderland den neuen Micra C+C vor. In die Entwicklung des 2+2-sitzigen Coupé-Cabrios hatte der Hersteller rund 150 Millionen Euro investiert. Die Produktion sollte im September beginnen, die Markteinführung war für November vorgesehen. Die Serienversion basierte auf einer Studie, die erstmals 2002 auf dem Pariser Autosalon gezeigt worden war. Charakteristisches Merkmal war das weitgehend verglaste Panoramadach, das auch bei geschlossenem Fahrzeug für einen hellen Innenraum sorgen sollte. Per elektrohydraulischem Mechanismus ließ sich das Dach auf Knopfdruck innerhalb von 22 Sekunden vollständig öffnen. Nissan Micra C+C (2005–2009) Die Entwicklung und Fertigung des Hardtops übernahm der deutsche Cabrio-Spezialist Karmann. Das Unternehmen hatte dafür eine eigene Produktionsanlage auf dem Werksgelände in Sunderland errichtet. Von dort wurden die Dächer im Just-in-time-Verfahren an die gemeinsam mit der Micra-Limousine genutzte Montagelinie geliefert. Der Micra C+C wurde auf demselben Band hergestellt wie der normale Micra. Alle Metall-Elemente des Dachrahmens wurden zunächst mit der kompletten Rohkarosserie lackiert, bevor das Dachmodul getrennt vom Fahrzeug in die Weiterverarbeitung zu Karmann ging. Komplett ausgebaut und mit den beiden Glasscheiben versehen, kam das fertige Hardtop wieder an die Produktionslinie von Nissan zurück. Dr. Christian Rennert, verantwortlicher Manager bei Karmann für die internationalen Märkte erklärte damals: "Aus Gründen der Qualitätssicherung und der Schnelligkeit der Fertigung haben wir eine spezialisierte Dachfertigung direkt an die Nissan Produktionslinie angebunden. In zwei Schichten beschäftigt Karmann hier bis zu 50 Mitarbeiter." Nissan Micra C+C (2005–2009) Gegenüber der Limousine fiel der Micra C+C länger und flacher aus. Die stärker geneigte und weiter nach hinten versetzte Windschutzscheibe senkte die Dachlinie um 110 Millimeter. Gleichzeitig wuchs die Karosserie um 90 Millimeter in der Länge auf 3,82 Meter, um Platz für das versenkbare Dachsystem zu schaffen. Radstand? 2,43 Meter. Eine manuelle Entriegelung am Dachrahmen war nicht erforderlich. Das Dach öffnete und schloss vollständig automatisch und legte sich Z-förmig im Kofferraum ab. Während des Vorgangs richtete sich der Kofferraumdeckel nach hinten auf; dank doppelter Aufhängung schwenkte er beim Beladen nach vorn. Die nahezu umlaufende Verglasung verbesserte zudem die Sicht nach hinten gegenüber klassischen Coupés und Cabrios. Genau hier liegt aber auch die Achillesferse für heutige Interessenten: Die komplexe Kinematik reagiert äußerst empfindlich auf Hecktreffer, die bei günstigen Gebrauchtwagen gerne mal kosmetisch kaschiert werden. Wer sich hier keinen finanziellen Totalschaden in die Garage holen will, sollte das Vorleben des Kandidaten genau durchleuchten. Ein detaillierter Report unseres Partners carVertical (hier ein Beispiel) deckt nicht nur Tachomanipulationen und versteckte Unfallschäden auf. Archivierte Fotos des Autos entlarven oft den wahren Zustand der Vergangenheit, während Daten zur Ausstattung und eine objektive Einschätzung des tatsächlichen Marktwerts bei der Preisverhandlung helfen. SPONSORED LINK: Für Motor1-Leser ist der Check sogar 20 Prozent günstiger. Auch die Alltagstauglichkeit stand im Fokus der Entwicklung. Bei geöffnetem Dach standen 221 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung, mit geschlossenem Dach wuchs der Stauraum auf 426 Liter. Ergänzt wurde das Konzept durch mehrere verschließbare Ablagefächer im Innenraum, sodass sich das Fahrzeug auch offen abstellen ließ. Bilder von: Nissan Angeboten wurde der gut 1,2 Tonnen schwere Micra C+C mit zwei Benzinmotoren. Einstiegsversion war ein 1,4-Liter-Aggregat mit 65 kW/88 PS. Darüber rangierte ein neu entwickelter 1,6-Liter-DOHC-Motor aus dem Micra 160 SR mit 81 kW/110 PS. Nach Angaben von Nissan prägte vor allem das Panoramadach den Charakter des Fahrzeugs, da es auch bei geschlossener Fahrt ein offenes Raumgefühl vermitteln sollte. Gleichzeitig hob der Hersteller den vergleichsweise großen Kofferraum als zentralen Vorteil des Coupé-Cabrio-Konzepts hervor. Nissan erwartete, jährlich 20.000 Einheiten vom Micra C+C in Europa verkaufen zu können. 21.890 Euro betrug der Grundpreis Ende 2007. Exakt 1.500 C+C gelangten übrigens nach Japan. Ein allzu langes Leben war dem offenen Micra nicht beschieden: Im März 2009 endete die Produktion mangels Nachfrage, zudem folgte 2010 bereits eine neue Micra-Generation. Gänzlich ohne Cabrio. Transparenzhinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links unseres Partners carVertical, über die Dienstleistungen käuflich erworben werden können. 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