Mit dem kommenden ID.2 Polo verspricht Volkswagen eine weitreichendere Rückkehr zu Tasten – doch nicht überall werden physische Bedienelemente wieder Einzug halten. Ralf Brandstätter, der VW-Chef in China, sagte vergangenes Jahr, dass sich Europäer zwar nach den Zeiten analoger Schalter und Knöpfe sehnten, chinesische Käufer jedoch etwas völlig anderes bevorzugen: „AI-first, vernetzte Fahrzeuge, mit nahtloser Sprachsteuerung und smarten Cockpits.“ Mit dem ID. Era 9X bekommen chinesische Kunden genau das. Das neue XL-SUV für den weltweit größten Automarkt hat einen Innenraum, den man - abgesehen vom Markenemblem - nicht zwingend als VW-Innenraum erkennt. Der Sechssitzer-Koloss kommt mit sehr wenigen klassischen Bedienelementen aus. Tasten sind auf ein Minimum reduziert. Stattdessen dominiert ein Dual-Display mit zweimal 15,6 Zoll das Cockpit. Für die Fondpassagiere gibt es obendrein einen 21,4-Zoll-Bildschirm, der wie im BMW 7er aus der Decke nach unten klappt. Die Insassen in den Captain’s Chairs der zweiten Reihe erhalten zudem Türprojektoren, die verschiedene Multimediainhalte anzeigen. Das digitale Instrumentendisplay wurde durch ein Head-up-Display ersetzt – wobei die riesigen Bildschirme daneben wohl die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden. VW hat großflächig Ambientebeleuchtung im Innenraum installiert: insgesamt 12,8 Meter Lichtband, das sich bis in den Dachbereich zieht und ein Panoramaglasdach einrahmt. Der Innenraum setzt auf einen komplett ebenen Boden – schließlich handelt es sich um ein Elektrofahrzeug. Und zwar nicht um irgendeins, sondern um das erste der Marke mit einem Benzinmotor als Range Extender. Passend zu den Innenraumbildern meldet SAIC Volkswagen den Produktionsstart des Range-Extender-Aggregats. Es handelt sich um einen 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo aus der seit Langem verwendeten „EA211“-Familie mit 104 kW (141 PS). VW erklärt, der neue Motor nutze die Lambda-1-Verbrennungsmethode „unter allen Betriebsbedingungen“, wobei λ das Luft-Kraftstoff-Äquivalenzverhältnis beschreibt. Wenn λ = 1, sind Luft und Kraftstoff perfekt ausbalanciert – es steht also genau genug Luft zur Verfügung, um den Kraftstoff vollständig zu verbrennen. Das sorgt für eine effiziente Verbrennung, maximiert die Energieausbeute und reduziert schädliche Emissionen. Mazda will mit dem kommenden Skyactiv-Z-Motor, der nächstes Jahr im CX-5 debütieren soll und ein hauseigenes Hybridsystem erhält, in eine ähnliche Richtung gehen. Auch Porsches T-Hybrid-System ist auf das ideale Luft-Kraftstoff-Verhältnis von 14,7:1 ausgelegt. Den ID. Era 9X gibt es mit Hinterrad- und Allradantrieb – jeweils mit Single- beziehungsweise Dual-Motor-Setup. Das SUV ist ein echter Brocken: 5.207 mm Länge, 1.997 mm Breite und 1.810 mm Höhe. Der großzügige Radstand von 3.070 mm schafft Platz für eine 51,1-kWh-Batterie oder optional ein 65,2-kWh-Paket, das bei der Allradversion serienmäßig verbaut ist. Die größere Batterie soll eine elektrische Reichweite von 400 km ermöglichen – allerdings nach dem in China üblichen, eher großzügigen CLTC-Testzyklus. Wie zu erwarten, zählt das Modell zu den schwersten Fahrzeugen, die VW je entwickelt hat. Die Dual-Motor-Variante kann bis zu 2.700 kg wiegen. Gleichzeitig führt der Era 9X eine neue Designsprache ein, die stärker auf chinesische Vorlieben zugeschnitten ist – inklusive neuer Farben wie Fairy Green und Desert Gold. Der bildschirmdominierte Innenraum soll dabei „deutsche Ästhetik mit östlichem Charme“ verbinden. Volkswagen ID. Era 9X Motor1 meint: Der ID. Era 9X ist kein typischer VW – und genau das ist der Punkt. Ziel ist es, ein wirklich China-zentriertes Produkt auf die Räder zu stellen, statt ein globales Modell zu nehmen und einfach den Radstand zu strecken, wie es seit dem Markteintritt in China vor Jahrzehnten häufig der Fall war. Es ist das erste von mehr als 20 New Energy Vehicles (NEVs), die bis 2027 in den lokalen Markt kommen sollen; NEVs stehen dabei für reine Elektro- und Plug-in-Hybridmodelle. Ob VWs Produktoffensive in China aufgeht, bleibt angesichts des harten Wettbewerbs abzuwarten. Erst gestern berichteten wir über massive Startschwierigkeiten von Audis neuer China-Marke AUDI (ohne vier Ringe), deren erstes Modell E5 Sportback nach kurzer Euphorie wohl kaum Käufer findet.