Ford stellte 2020 in den USA mit dem Fusion seinen letzten klassischen Pkw ein. Nur wenig länger durfte der eng verwandte Mondeo leben. Der Ford Focus hielt sich in Europa etwas länger und erreichte noch das Modelljahr 2025 – doch auch für ihn und sein Werk in Saarlouis ist Schluss. Obwohl Ford damit weder in den USA noch in Europa aktuell einen klassischen Pkw im Programm hat, betont der Hersteller, dass das Thema "Auto" noch nicht abgehakt ist. Besser ist das wohl. Denn inmitten der TV-Dokus zum 100. Geburtstag von Ford in Deutschland wird deutlich, wie die Werker in Köln mit den Elektromodellen Explorer und Capri hadern. Und dem 2023 eingestellten Fiesta nachtrauern. 2025 lag Ford in Deutschland bei 3,8 Prozent Marktanteil inklusive rund 17.000 Focus, die nun wegfallen. Zeichnet sich am fernen Horizont endlich Ersatz ab? Noch 2019 herrschte Freude in der Endmontage über das 15-millionste Modell, das in Saarlouis vom Band gelaufen ist – ein roter Ford Focus ST Während Fords Q4-2025-Analysten- und Investorenkonferenz sagte CEO Jim Farley, man habe "spannende Pläne für Europa" im Zusammenhang mit Pkw. Wie zuerst von Ford Authority berichtet, deutet Farley an, das Unternehmen werde "sehr sorgfältig in spezifischen Segmenten spielen – dort, wo unsere Stärken liegen" ("will play very carefully in specific segments to our strengths."). Volkswagen ID.3 Pro S Was das konkret bedeutet, ist weiterhin unklar. Im Juli 2025 informierte Ford europäische Händler darüber, dass 2027 eine Handvoll neuer Modelle kommen sollen. Man werde in "mehrere Fahrzeuge" investieren – von Hybriden bis hin zu reinen Elektroautos. Der Hersteller unterhält in Europa bereits strategische Partnerschaften mit mehreren Autobauern, darunter Volkswagen im Bereich Elektrofahrzeuge (und Nutzfahrzeuge). Daraus könnte potenziell ein kleiner elektrischer Kompaktwagen entstehen, basierend auf VWs MQB-Plattform. Volkswagen verkauft den ID.3 bereits europaweit. Ford hat zudem kürzlich eine Vereinbarung mit Renault geschlossen, um zwei Modelle auf den Markt zu bringen, die vom französischen Hersteller entwickelt und gebaut werden. Das erste Fahrzeug aus dieser Kooperation soll 2028 erscheinen und auf Renaults Ampere-EV-Plattform basieren. Also vielleicht ein neuer Fiesta als Derivat des Renault 5/Nissan Micra? Schmerzlich vermisst: Ford Fiesta Die vielleicht spannendste Option ist jedoch eine berichtete Zusammenarbeit mit Geely. Demnach führt Ford Gespräche mit dem chinesischen Autokonzern, um Fahrzeuge im Geely-Werk in Valencia (Spanien) bauen zu lassen – mit dem Ziel, europäische Zölle zu umgehen. Beide Hersteller haben gemeinsame Entwicklungspläne bislang nicht bestätigt. Diese Pkw-Rückkehr ist nicht nur für Europa gedacht. Auch für die USA soll Ford wieder Autos in Planung haben. Ford Fusion Bei einem jüngsten Händlermeeting in Las Vegas sagte Andrew Frick, Präsident von Ford Blue und Model E, das Unternehmen werde bis 2030 eine neue Modellpalette aus "Autos, Pick-ups, SUVs [und] Vans" haben. Diese Modelle sollen Berichten zufolge weniger als 40.000 US-Dollar kosten und "Multi-Energy"-Antriebslösungen bieten – ähnlich wie Ford es auch für Europa in Aussicht stellt. Laut Bericht handelt es sich dabei um komplett neue Fahrzeuge, die keinen derzeit in den USA genutzten Modellnamen aus dem Ford-Programm tragen werden. Einen Mustang als Limousine sollte man also vorerst nicht erwarten. Zu Fords künftigen Pkw für die USA und Europa ist noch vieles offen – weitere Details sollen jedoch im Laufe dieses Jahres folgen. Es ist erfreulich, dass klassische Pkw offenbar wieder eine Rolle spielen sollen. Ohne Limousinen oder kompakte Modelle in den USA oder Europa müssen bisherige Ford-Kunden derzeit anderswo suchen. Wenn Ford überzeugende Autos im Segment von 30.000 Euro und darunter liefern kann, hätte der Hersteller womöglich endlich eine echte Antwort auf seine zunehmend schrumpfende Pkw-Präsenz. Bleibt nur zu hoffen, dass Werke wie das in Köln solange durchhalten.