Kombis sind in Deutschland beliebt, aber das Angebot schrumpft. Während VW, Skoda und Co. ihre Plug-in-Hybrid-Kombis immer teurer machen oder streichen, kommt BYD mit einer Alternative: Der Seal 6 DM-i Touring verbindet klassische Kombi-Tugenden mit Hybrid-Technologie aus China. Wir haben die Comfort-Variante zwei Wochen lang bei winterlichen Bedingungen getestet. Der BYD Seal 6 DM-i Touring tritt in einem überschaubaren Segment an. Der Skoda Octavia Combi iV rangiert bei rund 40.000 bis 48.000 Euro, der Cupra Leon Sportstourer eHybrid kostet zwischen 39.000 und 50.000 Euro, der VW Golf GTE liegt bei etwa 54.790 Euro. Der BYD Seal 6 DM-i Touring Comfort kostet 49.990 Euro, die Comfort Lite-Version 48.990 Euro, die Basisversion Boost 42.990 Euro. Springen Sie direkt zu: Karosserie | Antrieb | Fahrverhalten | Infotainment/Bedienung | Kosten | Fazit Modell BYD Seal 6 DM-i Touring Comfort Segment Mittelklasse-Kombi Systemleistung 156 kW / 212 PS Antrieb Front, Automatik (E-CVT) Motor 1,5-Liter-Vierzylinder-Sauger + Elektromotor Batterie 19 kWh LFP (Blade-Batterie) Elektrische Reichweite WLTP 101 km (kombiniert), 133 km (Stadt) Beschleunigung 0–100 km/h 8,5 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 180 km/h Länge / Radstand 4.840 mm / 2.790 mm Kofferraum 675 – 1.535 Liter Grundpreis (Boost) 42.990 Euro Preis Testwagen (Comfort) 49.990 Euro Karosserie / Innenraum Das Design des Seal 6 DM-i Touring folgt BYDs Ocean X-Designsprache. Das Ergebnis ist ein gefälliges, organisch geformtes Erscheinungsbild, das weder expressiv noch polarisierend auftritt. Die klassische Kombilinie wirkt fast schon selten in Zeiten von SUV-Dominanz. Mit 4,84 Meter Länge, 1,88 Meter Breite und einem Radstand von 2,79 Meter bewegt sich der Chinese in der oberen Mittelklasse. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,284 verspricht gute Effizienz. Bilder von: Motor1.com Deutschland Innen präsentiert sich der BYD erstaunlich hochwertig. Unser Testwagen in der Black & Grey-Ausstattung wirkt mit dem hellen Kunstleder und den Stoffbezügen auf den ersten Blick premiös. Das geschwungene Armaturenbrett ist mit weichem Kunstleder bezogen, feine Ziernähte setzen Akzente. Besonders gelungen ist das große, mit Stoff bezogene Paneel, in dem die Lüftungsdüsen integriert sind und das fast schon skandinavisch edel wirkt. Die mehrfarbige Ambientebeleuchtung sorgt abends für eine heimelige Stimmung. Allerdings kommt im untersten Bereich Hartplastik zum Einsatz. Die unverkleideten Türtaschen und das große Fach in der Mittelkonsole lassen sämtliches dort gelagertes Zeug ordentlich klappern. Die Sitze sind mit perforiertem Kunstleder bezogen, elektrisch verstellbar, beheizt und belüftet. Die (zu) kurze Sitzfläche lässt sich allerdings nicht in der Neigung verstellen, größere Fahrer hängen mit den Oberschenkeln etwas in der Luft. Eine verstellbare Lordosenstütze fehlt, auf längeren Fahrten wird das anstrengend. Der zu hoch montierte Beifahrersitz lässt sich nicht in der Höhe verstellen. Bisschen gespart wird eben auch bei BYD. Bilder von: Motor1.com Deutschland Das Platzangebot vorne ist großzügig, die breite Mittelkonsole bietet zwei Handyablagen, eine davon lädt induktiv und ist belüftet. Hinten ist das Platzangebot klassenüblich gut. Das große Panorama-Schiebedach lässt sich öffnen, allerdings schließt sich die Jalousie bei jedem Abschließen automatisch. Die Touchtasten an der Dachkonsole reagieren oft erst beim vierten oder fünften Versuch, im fahrenden Auto ist das potenziell höchst gefährlich. Der Kofferraum bietet zwischen 675 und 1.535 Liter Volumen. Ein Unterbodenfach fehlt, zwei riesengroße Ladekabeltaschen schränken den nutzbaren Raum deutlich ein. Abmessungen und Kofferraum BYD Seal 6 DM-i Touring Comfort Länge 4.840 mm Breite (ohne Spiegel) 1.875 mm Breite (mit Spiegeln) 2.102 mm Höhe 1.505 mm Radstand 2.790 mm Spurweite vorne / hinten 1.620 / 1.620 mm Kofferraum 675 – 1.535 Liter Leergewicht 1.805 kg Zul. Gesamtgewicht 2.240 kg Max. Dachlast 75 kg Antrieb Der BYD Seal 6 DM-i Touring nutzt die Super-Hybrid-Technologie mit DM-System. Ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Sauger mit 72 kW arbeitet hauptsächlich als Stromgenerator, ein 145 kW starker Elektromotor mit 300 Nm sorgt für den Vortrieb. Die Systemleistung beträgt 156 kW oder 212 PS. Die LFP-Blade-Batterie mit 19 kWh verspricht laut WLTP 101 Kilometer elektrische Reichweite, in der Stadt 133 Kilometer. In der Praxis funktioniert das System gut. Wir nutzten zumeist den Hybridmodus mit der Funktion, den Ladestand zu halten, fuhren den Seal also quasi als Vollhybrid. Trotz tiefstwinterlicher Temperaturen und Stadtverkehr lag der Durchschnittsverbrauch unter 8 Liter. Rein elektrisch sind bis zu 90 Kilometer realistisch, der elektrische Verbrauch liegt zwischen 20 und 22 kWh auf 100 Kilometer. Der starke Elektroantrieb sorgt für enormen Punch von der Ampel weg. Im Stadtverkehr kommt man mühelos vorwärts, im unteren Geschwindigkeitsbereich macht das Fahren Spaß. Der Vierzylinder-Saugmotor ist laufruhig und verursacht weder Vibrationen noch unangenehme Geräusche. Auf der Autobahn lässt der Vortrieb schnell nach, bei Vollgas dreht der Benziner hoch und klingt angestrengt, ohne aber zu laut zu werden. Die 180 km/h Höchstgeschwindigkeit haben wir locker erreicht. Bei höheren Geschwindigkeiten dröhnt der Motor im Hintergrund, wenn er Strom erzeugt. Der Verbrauch liegt bei zügiger Fahrt mit 150 km/h bei 9 bis 10 Litern, langsamer gefahren sind 7 bis 8,5 Liter möglich. Motor und Antrieb BYD Seal 6 DM-i Touring Comfort Benzinmotor 1,5-Liter-Vierzylinder-Sauger Leistung Benzinmotor 72 kW / 98 PS Drehmoment Benzinmotor 122 Nm (4.000–4.500 U/min) Elektromotor Permanentmagnet-Synchronmotor Leistung Elektromotor 145 kW / 197 PS Drehmoment Elektromotor 300 Nm Systemleistung 156 kW / 212 PS Getriebe Automatik (E-CVT) Antrieb Frontantrieb Batterie 19 kWh LFP (Blade-Batterie) Elektrische Reichweite (WLTP kombiniert) 101 km Elektrische Reichweite (WLTP Stadt) 133 km Gesamtreichweite 1.350 km Beschleunigung 0–100 km/h 8,5 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 180 km/h Verbrauch WLTP (gewichtet kombiniert) 1,7 l/100 km + 11,2 kWh/100 km CO₂-Emissionen 38 g/km Tankinhalt 65 Liter Max. AC-Ladeleistung 6,6 kW Max. DC-Ladeleistung 26 kW Fahrverhalten Das Fahrwerk kommt ohne adaptive Dämpfer aus und ist eher straff abgestimmt. Unebenheiten spürt man deutlich, dafür schwingt das Fahrzeug kaum nach. Bei langsamer Fahrt gibt das Fahrwerk Unebenheiten ungefiltert weiter, auf der Autobahn wird es komfortabler, allerdings neigt die Vorderachse dann bei Bodenwellen doch zum Nachschwingen. Die Kurvenlage ist ordentlich, der Seal 6 liegt satt auf der Straße. Positiv fällt auf, dass das Auto selbst bei hohem Tempo sehr sicher liegt. Die Lenkung wird bei Geschwindigkeiten jenseits der 160 km/h etwas indifferent, vermittelt aber nie ein unsicheres Gefühl. Allerdings muss man anmerken, dass wir bei kalten Witterungsbedingungen und mit Winterreifen unterwegs waren. Infotainment/Bedienung Die Bedienung ist fast ausschließlich touchbasiert. Physische Bedienelemente gibt es nur als Schalterleiste auf der Mittelkonsole sowie zwei wirklich schöne Drehregler für Lautstärke und Fahrmodi. Der Fahrwahlhebel sitzt an der Lenksäule, wodurch die Wischerbedienung auf den überfrachteten Blinkerhebel ausweichen muss.. Die Lichtbedienung erfolgt ausschließlich über den Touchscreen und das ist auch nicht wirklich sinnvoll. Die Instrumententafel ist klein, voll digital und zeigt viele Informationen in leider zu kleiner Schrift. Der zentrale 15,6-Zoll-Touchscreen löst fein auf und bietet wirklich gut gemachte Google-Navigation sowie Android Auto und Apple CarPlay. Allerdings läuft CarPlay instabil, es verbindet sich nur etwa jedes zehnte Mal automatisch. Bilder von: Motor1.com Deutschland Die Bedienung ist nach Eingewöhnung eingängig, eine Favoritenleiste ermöglicht schnellen Zugriff auf wichtige Funktionen. Die Klimabedienung erfolgt ausschließlich über den Touchscreen, einen Schnellzugriff auf die Sitzheizung gibt es nicht. Am Lenkrad finden sich physische Tasten, darunter zwei frei belegbare Favoritentasten. Besonders hilfreich ist die Taste für die Rundumkameras. Die Navigation ist sehr gut, orientiert sich an Google und arbeitet mit Google-Daten. Ärgerlich ist, dass man bei aktiver Routenführung nur noch den Verkehr auf der eigenen Route sieht und somit eventuelle Ausweichrouten nicht einschätzen kann. BYD verbessert das gesamte System laufend über Over-the-Air-Updates. Unser Testwagen verlangte direkt eine Aktualisierung, die einige Fehler behob. Extrem nerven wie bei vielen asiatischen Autos die übereifrigen Warnhinweise. Ständig piept hier irgendwas, oft so kurz, dass man nicht erkennt, was gemeint ist. Positiv überrascht hingegen der Spurhalter, der bei guten Sichtbedingungen das Fahrzeug exakt in der Spur hält. Auch der adaptive Abstandsautomat regelt fein. Allerdings ist der Spurhalter bei Dunkelheit überfordert und ab 140 km/h überhaupt nicht mehr aktiv. Das Lenkrad verfügt über kapazitive Handerkennung, locker auflegen reicht. Kosten Der BYD Seal 6 DM-i Touring startet in Deutschland bei 42.990 Euro für die Basisversion Boost mit der kleineren 10-kWh-Batterie und 54 Kilometern elektrischer Reichweite. Die Comfort Lite-Version mit der größeren 19-kWh-Batterie kostet 48.990 Euro. Unser Testwagen in der Top-Ausstattung Comfort schlägt mit 49.990 Euro zu Buche. Die Konkurrenz im Segment der Plug-in-Hybrid-Kombis ist überschaubar geworden. Der Skoda Octavia Combi iV rangiert je nach Ausstattung zwischen 40.000 und 48.000 Euro und bietet damit ein ähnliches Preisniveau bei allerdings deutlich weniger Serienausstattung. Der Cupra Leon Sportstourer eHybrid startet in der Basisversion bei rund 39.000 Euro und unterbietet den BYD damit deutlich, die sportliche VZ-Variante kostet jedoch ungefähr 49.750 Euro und liegt damit auf Augenhöhe mit dem BYD Comfort. Der VW Golf GTE mit Plug-in-Hybrid kommt auf etwa 54.790 Euro und ist damit spürbar teurer. Der neue VW Passat Variant eHybrid der Generation B9 spielt preislich in einer ganz anderen Liga und kostet deutlich über 60.000 Euro. Im direkten Vergleich bietet der BYD in der Comfort-Version eine sehr umfangreiche Serienausstattung. Panorama-Schiebedach, 15,6-Zoll-Touchscreen, beheizte und belüftete Sitze, 360-Grad-Kamera und ein umfangreiches Assistenzpaket sind ab Werk dabei. Bei den tschechischen und spanischen Konkurrenten muss man für vergleichbare Ausstattung oft Tausende Euro mehr investieren. Allerdings positioniert sich BYD preislich mittlerweile deutlich selbstbewusster als noch vor einem Jahr. Interessant ist das derzeitige Leasinganbegot ab 229 Euro pro Monat. Fazit Der BYD Seal 6 DM-i Touring ist eine interessante Alternative in einem schrumpfenden Segment. Die Super-Hybrid-Technologie funktioniert im Alltag erstaunlich gut, die Verarbeitung ist für chinesische Verhältnisse auf hohem Niveau und die Serienausstattung lässt kaum Wünsche offen. Besonders im Stadt- und Überlandverkehr spielt der Chinese seine Stärken aus, wo der starke Elektromotor für spritzigen Vortrieb sorgt und der Verbrauch erstaunlich niedrig bleibt. Allerdings gibt es auch Schwächen. Das Fahrwerk ist unausgewogen abgestimmt, die Bedienung manchmal umständlich und einige Details wie die klapperigen Ablagen oder die nervige Panoramadach-Automatik stören im Alltag. Die übereifrigen Warnhinweise nerven massiv, und Apple CarPlay läuft nicht stabil. Wer damit leben kann und einen gut ausgestatteten Plug-in-Hybrid-Kombi sucht, sollte sich den BYD Seal 6 DM-i Touring durchaus näher ansehen. Allerdings hat BYD die Preise kräftig angezogen. Für knapp 50.000 Euro in der Comfort-Version konkurriert der Chinese direkt mit etablierten Marken wie Cupra oder Skoda, die bereits eine gefestigte Händlerstruktur und höheres Markenprestige bieten.