Das Jahr 2025 markierte einen Wendepunkt in der globalen Automobilindustrie: Chinesische Hersteller konnten ihr Wachstum festigen und machten etablierten Marken aus den USA und Japan zunehmend Konkurrenz. Dass chinesische Produzenten ihre internationale Präsenz rasch ausbauen, ist keine neue Entwicklung. Doch das vergangene Jahr brachte zwei besonders aufsehenerregende Ereignisse. Das erste betrifft BYD: Die Chinesen konnten General Motors bei den weltweiten Verkaufszahlen erstmals überholen. Das schien für den einstigen Giganten aus Detroit vor wenigen Jahren noch undenkbar. Das zweite betrifft Geely: Die Marke mit etlichen Submarken und Auslandbeteiligungen zog an Honda vorbei. Ein weiteres Signal dafür, wie chinesische Marken auch auf Kosten traditionsreicher japanischer Hersteller Plätze gutmachen. Die Branche wird durchgerüttelt und justiert die weltweiten Wettbewerbsverhältnisse neu. Diese Resultate unterstreichen nicht nur das außergewöhnliche Wachstum chinesischer Autobauer, sondern deuten auch auf einen Paradigmenwechsel in der globalen Geografie von Produktion und Automarkt hin. Ein chinesischer Hersteller vor den Amerikanern General Motors war bis zur Finanzkrise 2008/2009 jahrzehntelang der größte Automobilhersteller der Welt. GM war ein weltweiter Gigant mit Aktivitäten rund um den Globus. Zum breiten Markenportfolio gehörten Chevrolet, Buick, Cadillac, GMC, Saturn, Oldsmobile, Pontiac, Holden, Daewoo, Opel, Vauxhall, Saab und Hummer. Ihre Dominanz endete als sie vor mehr als 15 Jahren von Toyota und Volkswagen bei den verkauften Einheiten überholt wurden. In den vergangenen zehn Jahren sind GMs Verkäufe weiter deutlich zurückgegangen, da sich die US-Amerikaner auf Kernregionen konzentrieren und sich aus einigen Märkten zurückgezogen haben. Im vergangenen Jahr wurde GM schließlich auch von einem chinesischen Hersteller überholt. Laut den offizieller Daten verkaufte BYD 2025 4,60 Millionen Fahrzeuge und ist damit zum fünftgrößten Automobilhersteller der Welt aufgestiegen. Vor BYD liegen nur Toyota, Volkswagen, Hyundai Motor Group und Stellantis. Das gemeldete Plus von 7,7 Prozent brachte BYD in der globalen Rangliste um zwei Plätze nach vorn, vorbei an zwei ikonischen US-Herstellern: GM und Ford. Motor1 Numbers: BYD und Geely überholen GM und Honda GM wiederum gab an, 6,18 Millionen Einheiten verkauft zu haben. In dieser Zahl sind allerdings die Volumina des Joint Ventures mit den chinesischen Herstellern SAIC Motor und Wuling Motors enthalten. Zieht man die 1,64 Millionen Einheiten ab, die von SGMW verkauft wurden, kommt der US-Konzern auf rund 4,55 Millionen Fahrzeuge – also etwa 55.000 weniger als BYD. Der Grund für den Verlust ist einfach: GM verliert in China deutlich an Boden und ist zudem nicht mehr auf dem wichtigen Wachstumsmotor Indien vertreten. Außerdem hat sich der Konzern stark auf Nordamerika konzentriert, was seine Produkte auf vielen Weltmärkten weniger wettbewerbsfähig macht (der Rückgang des Marktanteils in Lateinamerika ist eine Folge davon). Direkt hinter GM liegt Ford auf Platz sieben mit 4,40 Millionen Einheiten. Wie der Konkurrent aus Detroit verzeichnet auch Ford deutliche Verluste in China und befindet sich zudem in Europa in einer kritischen Lage. Geely größer als zwei japanische Ikonen Geely und ihr umfangreiches Markenportfolio verkauften 2025 mehr Autos als Honda. Letztere zogen ihrerseits an Suzuki vorbei. Die schafften es damit gerade noch in die Top 10 und drängten Nissan aus der Rangliste. Ein weiteres großes Ereignis, das vorwegnimmt, wie chinesische Hersteller den Status quo der globalen Automobilindustrie verändern. Der Autor des Artikels, Felipe Munoz, ist Analyst mit Schwerpunkt Automobilindustrie und Content Creator von Car Industry Analysis in sozialen Medien.