Während viele Autobauer Enddaten für Verbrennungsmotoren ausriefen und nur wenige Jahre später ihre reinen Elektro-Agenden wieder relativierten, ist BMW dem Verbrenner treu geblieben. In München setzt man auf eine breite Palette an Antrieben, weil es nach eigener Einschätzung keine weltweit gültige Einheitslösung gibt. Auch wenn BMW an Benzin- und Dieselmotoren festhält, hat der Konzern über 10 Milliarden Euro in die Neue Klasse investiert. Es ist die größte Investition der Unternehmensgeschichte – wobei nicht das gesamte Budget in Elektroautos floss. Ein Teil wurde für das neue iDrive-Infotainmentsystem reserviert, den Löwenanteil erhielten jedoch die E-Modelle. Wie beim iX3 (Modelljahr 2026) zu sehen, kommen Motoren und Batterien der nächsten Generation hinzu. Ebenso wie ein komplett neues Werk in Debrecen, Ungarn. Gleichzeitig baut BMW seine Infrastruktur für Montagewerke von Hochvoltbatterien aus. Das Ziel? Bis 2030 eine Verkaufsparität zwischen Verbrennern und Elektroautos zu erreichen. Ein ambitioniertes Vorhaben, zumal reine Elektrofahrzeuge im vergangenen Jahr 17,9 Prozent der gesamten Auslieferungen ausmachten. Als "strategisches Ziel" gilt die 50-Prozent-Marke für die drei Automarken der Gruppe: BMW, Mini und Rolls-Royce. Auch wenn der Weg noch weit ist, fällt der bisherige Fortschritt – selbst ohne Neue Klasse – beachtlich aus. 2021 lagen E-Autos bei nur 4,1 Prozent des Gesamtvolumens, stiegen 2022 auf 9 Prozent, 2023 auf 14,7 Prozent, 2024 auf 17,4 Prozent und 2025 auf 17,9 Prozent. Ob BMW tatsächlich bis 2030 die 50 Prozent erreicht, bleibt abzuwarten – das Unternehmen hält das Ziel jedoch für realistisch. Sechs Monate nach Öffnung der Bestellbücher hat der neue iX3 bereits mehr als 50.000 Bestellungen eingesammelt. Das SUV läutet eine Elektro-Offensive ein, die in dieser Woche mit der i3 Limousine weitergeht. Ein iX5 soll später in diesem Jahr folgen, ein größerer iX7 ist für 2027 vorgesehen. BMW hat zugesagt, bis zum Ende des Jahrzehnts mindestens sechs elektrische SUVs in Spartanburg, USA zu bauen. Eines davon könnte ein iX6 sein. Zudem gibt es Berichte über ein robustes SUV als Gegner für die Mercedes G-Klasse; auch dieses Modell könnte elektrifiziert werden. Aus Volumensicht noch wichtiger: BMW könnte günstigere Modelle unterhalb des kompakten Crossover iX1 auf den Markt bringen. Quellen aus dem Umfeld Münchens behaupten, dass ein i1 als Hatchback sowie eine i2 Limousine noch vor Ende des Jahrzehnts kommen sollen. Neben neuen Ergänzungen im Portfolio dürften bestehende E-Modelle ebenfalls die Neue-Klasse-Überarbeitung erhalten. Darunter der erwähnte iX1 und die aktuelle Generation elektrischer Mini-Modelle. BMW iX3 2026 Zusammen mit Toyota verfolgt BMW bislang einen realistischen Ansatz beim Hochlauf der Elektromobilität. Das 2030er Ziel wirkt mit einer Vielzahl neuer Modelle zwar auf den ersten Blick ambitioniert, die Auftragsbücher für den iX3 geben ihnen jedoch schon mal Recht. BMW versieht die Vorgabe zudem mit einem Sternchen und weist darauf hin, dass "die dynamische Natur externer Faktoren zu erheblichen Schwankungen im Antriebs-Mix führen kann". Zumindest in den USA könnte der Weg zur 50 steinig werden. Nach Schätzungen von Kelley Blue Book kamen Elektroautos dort im vergangenen Jahr nur auf einen Marktanteil von 7,8 Prozent an den Gesamtverkäufen. Das ist weit entfernt von Europa, wo Fahrzeuge ohne Verbrennungsmotor laut dem Verband der europäischen Automobilhersteller auf 19,5 Prozent kamen. Das Volumen müsste also auf den anderen Märkten erwirtschaftet werden.