In Australien und Südafrika läuft es für den GWM Haval Jolion schon ganz gut. 14.238 und 9.213 Fahrzeuge wurden dort 2024 verkauft. Noch besser rennt der Kompakte derzeit nur in Russland. Im selben Jahr gingen dort 88.823 Einheiten über die Ladentheke. Nun gut, die Konkurrenz ist hier inzwischen auch arg begrenzt. Eigentlich als Haval Chulian in China bekannt, kommt die anglisierte "erste Liebe" jetzt als GWM Haval Jolion Pro (der Pro firmiert in China unter Chitu) nach Europa. Rund fünf Jahre nach Marktstart soll er mit einem Einstiegspreis auf Dacia- und Citroën-Niveau rote Herzchen auf die Augen der Interessierten projizieren. Ob sich die Führungsriegen der genannten Marken bereits hektisch den Sorgenschweiß von der Stirn wischen? Bildergalerie: GWM Haval Jolion Pro (2026) im Test Nun, beim Blick auf den rohen Datenzettel könnte das passieren. Da gibt es zum Beispiel den 1,5-Liter-Turbobenziner mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und 177 PS, der Souveränität suggeriert. Einige Assistenten, 17-Zoll-Leichtmetallräder, Panorama-Schiebedach und 360-Grad-Umgebungskamera sind in der Basis mit an Bord. Bei einem Einstiegspreis von unter 25.000 Euro liest sich das natürlich erst einmal wie die Speisekarte Ihres Lieblings-Cafés. Doch wir wissen alle, dass Fahrzeuge nicht nur mit Daten um sich werfen, sondern auf der Straße abliefern müssen. Und genau dorthin, wo sich Dacia und Citroën schon bewiesen haben, folgen wir dem GWM Haval Jolion Pro jetzt. Schnelle Daten GWM Haval Jolion Pro (2026) Antrieb - 1,5-Liter-Turbobenziner - Frontantrieb Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe Systemleistung / Drehmoment 130 kW (177 PS) / 270 Nm 0 - 100 km/h 7,9 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 190 km/h Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission 7,4 Liter/100 km / 167 g/km Basispreis 24.990 Euro Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit Karosserie/Design Beim Design hat GWM ein bisschen zu sehr auf den alten Audi Q3 gelinst (siehe Vergleich unten). Wenn Sie in die Mitte des Kühlergrills Ringe pappen, würde das Rebadging kaum auffallen. Scheinwerfer, Grill und Rundungen sind bis auf Details nahezu identisch gestaltet wie beim 2019er-Modell. Das hört auch in der Seitenlinie nicht auf, in der der Haval Jolion Pro einen ähnlichen Hüftknick aufweist. Der Ingolstädter kommt jedoch immer noch mit mehr Designkniffen – Proportionen wirken stimmiger. Immerhin am Heck findet der Chinese ein wenig eigene Sprache zwischen Katzenbuckel und Dachspoiler. Das durchgehende Leuchtband ist dann moderner Standard. Insgesamt sieht das auf 4,47 Metern durchaus gefällig aus. Etwas mehr Mut würde dem Chinesen dennoch sicher stehen. GWM Haval Jolion Pro (2026) im Test GWM Haval Jolion Pro (2026) ... ... und Audi Q3 (2020) im Vergleich. Fast unproportional wirkt hingegen die Rad-Reifen-Kombination im Zusammenspiel mit den weit ausgehöhlten Radläufen. Gerade weil die Räder weit in der Karosserie stehen, wirken sie nicht nur zu klein, sondern gar verloren. Innenraum Bei der Gestaltung des Innenraums wurde im Haval Jolion Pro auf eine ansprechende Optik geachtet. Klar, wenn man hier und da drauf herumklopft, entpuppen sich in diesem Preissegment natürlich etliche Hartplastikteile mit geringer Dichte – gerade in Bezug auf Blenden und Applikationen. Auch die Klavierlackoptik ist maximal fingerabdruckanfällig. Aber im Sichtbereich wirkt all das nett aufgepolstert und durchaus auf höherem Niveau als seine europäischen Budget-Brüder es beispielsweise bieten können. Hinzu gesellen sich einige physische Knöpfe. Die der Klimatisierung zwingen jedoch den Infotainment-Bildschirm immer in die Klimamenüansicht. So verschwindet während der Fahrt beispielsweise die Navigation. Eine kleine Pop-up-Box würde hier reichen. Maximal nervend ist seine Panik vor Kollisionen während der Mainzer Rush-Hour. Im dichten Verkehr meldet er sich immer wieder wild piepend vor einem kommenden Crash warnend. Dabei rolle ich nur Meter um Meter hinter dem vorherfahrenden Fahrzeug hinterher. Ein eventuelles Symptom für dieses Verhalten lesen Sie in den Fahreindrücken. Ein immer wiederkehrendes, kaum zu lokalisierendes Rauschen trägt zur Unruhe während der Fahrt bei. GWM Haval Jolion Pro (2026) im Test GWM Haval Jolion Pro (2026) im Test GWM Haval Jolion Pro (2026) im Test Bilder von: GWM Manches Menü im Kombiinstrument hinterm Lenkrad ist hingegen etwas umständlich hervorzubringen. Das Betriebssystem läuft jedoch flüssig und direkt. Für eine tiefere Beschäftigung fehlte leider die Zeit. Eine aufdringliche Geruchsnote und die nicht zufriedenstellende Sitzposition teilt sich der Jolion Pro mit seinem großen Bruder H6. Auch hier ist auf der Beifahrerseite keine Sitzhöhenverstellung vorhanden. Das Platzangebot zeigt sich in beiden Reihen noch dem Segment entsprechend okay. Das kann vom Ladevolumen leider nicht behauptet werden. Mit 381 Litern liegt der Kompakte etwa einen Kasten Wasser über VW Polo und Seat Ibiza. Bei umgeklappter Rücksitzbank kommt er mit 952 Litern hingegen nicht mal auf Suzuki-Swift-Niveau (980 Liter). Und man kratzt sich hier ein wenig am Kopf und fragt sich, wo die gut 60 Zentimeter mehr Auto geblieben sind? Zum Vergleich: Der neun Zentimeter kürzere Citroën C3 Aircross kommt auf 460 bis 1.600 Liter, der zehn Zentimeter längere Dacia Bigster auf 667 bis 1.937 Liter (4x2). Selbst der von den Ausmaßen nahezu identische Audi Q3 F3 (4,48 Meter) kam auf 530 bis 1.525 Liter. Bieten sich im Cockpit noch praktische Ablagen und Fächer an, wurde der Laderaum einfach nicht effektiv genug genutzt. Abmessungen GWM Haval Jolion Pro (2026) Länge x Breite x Höhe 4.470 x 1.898 x 1.625 mm Radstand 2.700 mm Kofferraumvolumen 381 - 952 Liter Leergewicht 1.595 kg Zuladung 330 kg Max. Anhängelast 1.500 kg Max. Stützlast 60 kg Antrieb/Fahreindrücke Ein Lastenesel wird der kompakte Haval also schon mal nicht, ein berechenbarer Zeitgenosse aber ebenfalls nicht. Beim Losfahren mag er von meiner Eingabe am rechten Fuß erst einmal nichts wissen und bewegt sich nur stoisch wie ein genervter Esel. 'Gut', denke ich, 'mehr Gas'! Etwa ein bis zwei weitere Sekunden passiert kaum etwas, bevor der Motor dann plötzlich aufheult und der Jolion sich wie eine Kuh beim Almauftrieb nach vorne bewegt – inklusive quietschender Reifen. Ein anderes Mal ist er zu unmittelbar am Gas und will unvermittelt losstürmen. Hier fehlt im Zusammenspiel aus Getriebe, Eingabe und Motormanagement komplett die Balance. Dieses Fahrverhalten ist selbst mit einem Turboloch nicht zu erklären. Es geht entweder gar nix und einige Zeit später viel zu viel oder unmittelbar zu viel. Ein solcher Vortrieb lässt sich leider überhaupt nicht einschätzen. Mehr noch: Im dichten Verkehr oder beim Anfahren auf Kreuzungen ist dieses Verhalten verkehrsgefährdend. In über 25 Jahren Autofahren habe ich so etwas eigentlich nur bei defekten Autos im Testbetrieb erlebt. Zum undurchsichtigen Fahrverhalten trägt die unbeteiligte Lenkung bei, die Feedback eher für eine lose Empfehlung, denn als Hilfe bei diversen Fahrsituationen hält. Ich gucke meinen Journalistenkollegen ungläubig an, er guckt verdutzt zurück. Wir beide wissen nicht, was hier gerade passiert! Das Fahrwerk erinnert dann zuweilen an Klagen von Max Verstappen über seinen unausgegorenen Red Bull. Es ist zwar dermaßen straff, dass es wie ein hyperaktiver Fuchs im Schnee bei unebenen Straßen umherspringt, aber zumindest bekomme ich hier noch eine Art Feedback. Wenn auch keines, das ich gebrauchen kann. Denn gleichzeitig neigt der Kompakte beim Anbremsen auf Kurven zum massiven äußeren Eintauchen, während er bei kleinsten Brückenfugen den Schlag einfach ungefiltert durchreicht und hoppelt. Eine solch paradoxe Geometrie in der Abstimmung hinzubekommen, ist gar nicht mal so einfach, weshalb auch ein Verstappen in seinem Rennboliden kaum noch Worte findet. GWM Haval Jolion Pro (2026) im Test GWM Haval Jolion Pro (2026) im Test Bilder von: GWM Verstehen Sie mich nicht falsch: Auf der angesprochenen kurvigen Strecke hält der Chinese tatsächlich stabil die Spur, jedoch gibt er so gar keine Rückmeldung, was er denn eigentlich vorhat. Das schafft einfach Misstrauen. Es könnte hier in alle Richtungen ausgehen, weil das Fahrzeug einfach nicht mit mir kommunizieren will. Zumal auch das Doppelkupplungsgetriebe eher als Faultier daherkommt und erst nach etlichen Gedenksekunden beim Tritt aufs Gas einen Gang runterschaltet. Die Bremse stimmt dann bedauerlicherweise ebenfalls in dieses unbeteiligte Orchester mit ein. Der Jolion Pro lässt sich damit während der Fahrt leider kaum einordnen oder für Otto-Normal-Verbraucher sicher beherrschen. Verbrauch/Preis Eklatant zeigt sich auch der Verbrauch auf unserer Testrunde. Abseits einer ambitioniert gefahrenen kurvigen Passage bergab und bergauf, unternahmen wir, auch aus oben genannten Gründen, eine eher gemächliche, vorausschauende Fahrt. Am Ende standen im Stadt-Land-Autobahn-Mix nicht die schon auf dem Papier üppigen 7,4 Liter auf dem Bordcomputer, sondern 9,8 Liter. Das übertrifft selbst den vermerkten Autobahnwert von 7,7 Liter um 2,1. Damit ist der Jolion Pro in Europa in seinem Segment nicht konkurrenzfähig. Preislich startet der Kompakte in der Basis als Premium bei 24.990 Euro. Mehr Assistenten und Sicherheitseinrichtungen, ein 12,3-Zoll-Infotainment, 18-Zoll-Leichtmetallräder und Fahrersitzbelüftung gibt es im Premium ab 27.690 Euro. Lediglich die Farbe ist in beiden Paketen aufpreispflichtig (750 Euro). Bis zum 30. Juni gibt es den Jolion Pro zum Einführungspreis von 22.790 Euro. Ganz ehrlich, nehmen Sie Abstand. Schauen Sie sich mit diesem Budget eher Dacia Bigster und Citroën C3 Aircross an. Der Bigster startet bei 23.990 Euro, der C3 Aircross sogar nur bei 19.190 Euro. Mit Automatik legt der Rumäne zwar noch einmal ordentlich zu (28.890 Euro) und auch der Aircross kostet mit Automatikgetriebe mindestens 25.690 Euro, aber das ist es Wert. Wer mehr Budget zur Verfügung hat, wird sich sowieso in Richtung VW Tiguan, Nissan Qashqai oder Kia Sportage orientieren. Mit keinem Modell kann sich der Jolion Pro aktuell messen – selbst besser ausgestattet nicht. Fazit: 3/10 Der GWM Haval Jolion Pro will über den Preis und seine inkludierten Ausstattungsmerkmale punkten, hat aber leider vergessen, jegliche Hausaufgaben in Sachen Antrieb, Fahrdynamik und Verbrauch zu erledigen. Damit ist er zwar einer der günstigsten am Markt, aber leider auch der schlechteste. Da greift auch keine Preis-Leistungs-Empfehlung, wenn für den aufgerufenen Preis nicht viel Leistung übrig bleibt. Für eine "erste Liebe" wäre der Jolion Pro auch als solider Vertreter zu spät. Mehr noch schreckt er mit etlichen Red Flags im Fahrzeugbau-Einmaleins komplett ab. Selbst die Budget-Vertreter sind meilenweit entfernt, müssen um ihren Platz im Markt also absolut nichts befürchten. Ein europäischer Markteintritt wäre wohl erst mit einer massiv überarbeiteten zweiten Generation empfehlenswert gewesen. Pro Übersichtliche Ausstattungsprogramme Physische Bedieneinheiten Innenausstattung Kontra Verbrauch Antrieb Fahrdynamik und Lenkung