Nicht wenige waren erstaunt über diesen Schritt: Da bringt Dacia ein großes SUV, aber ohne Diesel. Was soll das? Insbesondere Anhänger-Fans hätten gerne einen Selbstzünder unter der Haube gesehen. Doch womöglich bestätigt sich die alte Regel "Wer zuletzt lacht, lacht am besten". Aktueller Preis für einen Liter Diesel im Vorort von München: 2,20 Euro. Uff. Jetzt könnte Dacia wie Nelson Muntz bei den "Simpsons" mit ausgestrecktem Zeigefinger "HAHA!" rufen. Aber Gehässigkeit ist eine schlechte Tugend und würde auch nicht zur bescheidenen Budget-Marke aus Rumänien passen. Trotzdem: Den Bigster und seinen kleineren Bruder Duster gibt es seit kurzem mit einer interessanten Antriebsoption. Autogas/LPG/Flüssiggas (suchen Sie sich eine Bezeichnung aus) plus Benzin plus Hybrid plus Allrad plus Automatik. Dieser "Hybrid-G 150 4x4" ersetzt den bisherigen 130-PS-Mildhybrid mit Allrad. Bildergalerie: Dacia Bigster Journey Hybrid-G 150 4x4 (2026) Die eierlegende Wollmilchsau also? An der Tankstelle wird LPG interessant, es ist dort auch nicht so selten. Das Preisniveau liegt in unserer Umgebung zwischen 1,05 und 1,18 Euro pro Liter. was auch an der niedrigeren Besteuerung liegt. Wir haben uns den Bigster Hybrid-G 150 4x4 im Rahmen einer kurzen Ausfahrt zu Gemüte geführt. Schnelle Daten Dacia Bigster Hybrid-G 150 4x4 (2026) Motor Dreizylinder-Turbobenziner, 1.199 ccm plus Elektromotor Getriebe 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe Leistung Verbrenner: 103 kW (140 PS), Elektro: 23 kW (31 PS), Systemleistung: 113 kW (154 PS) Drehmoment Verbrenner: 230 Nm bei 1.900 - 4.000 U/min, Elektro: 87 Nm Kofferraumvolumen 444 - 1.712 Liter Preis ab 30.690 Euro Karosserie/Design Im Rahmen von zwei ausführlicheren Tests haben wir den Dacia Bigster bereits eingehend beleuchtet. Sie finden diese am Ende dieses Textes. Äußerlich lässt sich sagen: Typisch Dacia, etwas kantig und robust, aber durchaus gefällig. Mit 4,57 Meter ist der Bigster ungefähr 20 Zentimeter länger als der Duster. Im unmittelbaren Vergleich zeigt sich, wo die Extra-Zentimeter landen: am Heck. Dacia Bigster, dahinter der Duster Unzweifelhaft der große Bruder des Duster, von diesem übermimmt er auch die unpraktischen Klappgriffe in den hinteren Türen. Wer es mag, kann mittels optionalem "Sleep Pack" sogar im Bigster übernachten. Gegen Ende des Jahres 2026 rollt eine Art Kombi-Bruder des Bigster zu den Händlern. Dieser wird Striker heißen. Innenraum Auch hier müssen wir keine Eulen nach Athen tragen. Das Platzangebot ist enorm, allerdings ist der Hybrid-G 150 4x4 konzeptbedingt der Bigster mit dem kleinsten Kofferraum. 444 bis 1.712 Liter sollten aber trotzdem für den Familienurlaub reichen. Die maximale Anhängelast beträgt übrigens 1.500 Kilogramm, die Stützlast 75 kg und die Dachlast 80 kg. Nur, falls Ihr Mountainbike mit ins Gelände soll. Dacia Bigster Extreme Hybrid-G 150 4x4 (2026) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Bei der Möblierung regiert die Schlichtheit: Einfache, eher weichere Polsterung. Zudem Hartplastik, wohin das Auge reicht. Immerhin, es ist optisch nett angerichtet und passt zum erdigen Charakter des Wagens. Hier können Kinder und Haustiere rumsauen, es ist kein Drama. Auch gut: Das Cockpit ist zwar digital, übertreibt es aber nicht. Zudem gibt es noch ausreichend echte Schalter und Knöpfe. Negativ: Das Navi braucht lange, um hochzufahren. Hier empfiehlt sich eher die Kopplung des Smartphones. Gut hingegen: Die beheizbare Windschutzscheibe des optionalen Winter-Pakets (540 Euro) Antrieb/Fahreindrücke Der neue LPG-Flexfuel-Hybrid mit Allradantrieb kombiniert einen 1,2-Liter-48-V-Mildhybrid-Verbrenner (103 kW/140 PS) an der Vorderachse mit einem 23-kW-Elektromotor hinten zu einer Systemleistung von 113 kW (154 PS). Der Verbrenner arbeitet mit einem 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe samt Schaltwippen, während der Elektromotor über ein Zweiganggetriebe die Hinterachse bedarfsgerecht zuschaltet: hoher Drehmomentaufbau bei niedrigen Geschwindigkeiten, reduzierte Leistungsanforderung bei höherem Tempo und Entkopplung im 2WD-Betrieb zur Minimierung von Reibungsverlusten. Die beim Bremsen rekuperierende 48-V-Batterie ermöglicht im Stadtverkehr elektrische Fahranteile von bis zu 60 Prozent. Der Antrieb bietet zudem bis 140 km/h stabile Traktion, reagiert sofort auf Traktionsverluste und verbessert die Fahrbarkeit on- wie offroad. Sechs Fahrmodi decken unterschiedliche Einsatzszenarien ab. Dank LPG-Betrieb lassen sich die Kosten gegenüber dem Mild Hybrid 130 4x4 um bis zu 30 Prozent senken, bei gleichzeitig geringeren CO₂-Emissionen; zwei 50-Liter-Tanks ermöglichen Reichweiten von bis zu 1.500 Kilometern. Dacia Bigster Extreme Hybrid-G 150 4x4 (2026) Soweit die Kurzfassung. Wie fährt sich das? Nicht übertrieben spritzig, aber ausreichend und gemütlich. Schließlich wiegt die ganze Chose auch über 1,6 Tonnen. Zudem ist der Bigster kein Meisterwerk der Aerodynamik. 10,5 Sekunden braucht der Hybrid-G 150 4x4 auf 100 km/h. Trotz der Elektrifizierung ist eine Gedenksekunde beim Anfahren spürbar. Gleiches gilt bisweilen für Lastwechsel, die zudem ans Ohr dringen. Hier fehlt markentypisch der letzte Feinschliff. Störend ist das nicht, Lenkung, Fahrwerk und das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe geben sich unauffällig. Ebenso die Geräuschkulisse: Das dezente Brummen im Hintergrund überlagert aber bei Tempo 150 (180 schafft der Bigster maximal) markante Windgeräusche. Verbrauch/Preis Inwiefern der Allradantrieb den Hybrid-Vorteil auffrisst, kann erst ein ausführlicher Verbrauchstest zeigen. Dacia selbst nennt 7,2 Liter LPG respektive 5,9 Liter Benzin auf 100 km. Den Bigster mit G-140 Mildhybrid und LPG-Mischbetrieb bewegte unser sparsam orientierter italienischer Kollege kürzlich im Verbrauchstest mit 6,2 Liter Autogas im Schnitt. Um die sieben Liter LPG erscheinen daher für den 150 4x4 Hybrid realistisch zu sein, der 130 Kilogramm schwerer ist. Wie erwartet punktet der Dacia beim Preis. Manch einer mag aber erstaunt sein, dass die 30.000-Euro-Marke geknackt wird. Los geht es beim 4x4 bei 30.690 Euro, eine ordentliche Ausstattung und Allwetterreifen bereits inklusive. Die von uns getestete Topversion "Extreme" mit großen Panorama-Glasschiebedach kostet mindestens 32.790 Euro. Vollausgestattet samt elektrisch betätigter Heckklappe stehen rund 35.000 Euro auf dem Zettel. Aber: Da fängt ein VW Tiguan noch nicht einmal an, von einem Toyota RAV4 ganz zu schweigen ... Fazit: Wer einen günstiges Allrad-SUV mit viel Platz sucht, sollte sich den Bigster Hybrid-G 150 4x4 einmal näher anschauen. Es gilt aber allzu hohe Ansprüche an Kunststoffe und Sitze hintenan zu stellen. Wer ohne Allrad und Automatik zufrieden ist, kann den Mildhybrid-G 140 wählen. Auch er tankt LPG und startet schon bei 23.990 Euro. Viel Auto fürs Geld.