Wer bei GWM ins Straucheln ob der Zuordnung kommt, kein Problem: Wir nehmen Sie kurz an die Hand. 1984 wird der Autobauer in China gegründet. Der Export beginnt 1997 – nach Europa trauen sich die Chinesen jedoch erst 2022 mit den Produktlinien Wey und Ora. Letztere mit ihren Chihuahua-Augen haben Sie sicher schon einmal gesehen. 2026 schickt Great Wall Motor jetzt auch die SUVs von Haval nach Deutschland. GWM Haval Jolion Pro und H6 machen den Anfang, zwei weitere sollen 2026 noch folgen. Der H6 ist auf der Welt kein Unbekannter. Bereits 2011 wird er auf der Shanghai Auto Show gezeigt. Schon 2015 rollt das millionste Fahrzeug vom Band. Zwischen 2013 und 2021 war der Haval H6 sogar das meistverkaufte SUV in China. Seit 2020 ist die 3. Generation am Start, 2025 wird sie noch einmal überarbeitet. Und genau den fahren wir eine Runde durchs Mainzer Umland. Bildergalerie: GWM Haval H6 (2026) im Test Der Chinese kommt vor allem über den Preis. 4,70 Meter Auto ab 31.990 Euro sind 'ne Ansage. Zumal in der Einstiegsvariante "Premium" schon allerhand Schnickschnack in Sachen Assistenten und Ausstattung mit an Bord ist. Der "Luxury" hat für 34.990 Euro noch einmal mehr Helfer dabei. Zudem kommt er mit Head-up-Display, Panoramadach und getönten Scheiben. Aufpreis kostet in beiden Varianten nur eine abweichende Farbwahl. Standardmäßig wird in Weiß lackiert. Wer in Schwarz, Grau oder Gold unterwegs sein will, zahlt noch einmal 790 Euro. Antriebsseitig kommt der Haval H6 immer mit einem 1,5-Liter-Turbobenziner plus Elektromotor und 1,67-kWh-Batterie (brutto). Beide zusammen leisten 179 kW (243 PS) bei satten 530 Nm Drehmoment. Das System schafft Übersicht ohne Überraschungen. Die Konkurrenz ist bis auf den BYD Seal U DM-i verschachtelter unterwegs. Vorteil GWM! Schnelle Daten GWM Haval H6 (2026) Antrieb - 1,5-Liter-Turbo-Benziner (150 PS) + E-Motor (177 PS) + 1,67-kWh-Batterie - Frontantrieb Getriebe Automatik Systemleistung / Drehmoment 179 kW (243 PS) / 530 Nm 0 - 100 km/h 8,3 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 175 km/h Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission 5,9 l/100 km / 134 g/km Basispreis 31.990 Euro Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit Karosserie/Design Äußerlich zeigt sich der GWM Haval H6 recht gefällig. Einzig auffälliges Merkmal ist der große Wabengrill, der nahezu die komplette Front bestimmt. In Wagenfarbe gestaltet und der Linie des angedeuteten Trapezes folgend, wirkt er dennoch nicht so aufdringlich und forsch wie ein Kia Sorento beispielsweise. In Seitenansicht und am Heck fügt er sich in bekannte Konventionen der Autolandschaft ein, ohne gewollt auf markante Punkte zu lenken. Insgesamt ist beim H6 eher Zurückhaltung als Hascherei nach Aufmerksamkeit angesagt. Immerhin: Den Trend der übertriebenen Lichtspielereien geht der Chinese nicht mit. GWM Haval H6 (2026) im Test GWM Haval H6 (2026) im Test GWM Haval H6 (2026) im Test Bilder von: GWM Er setzt auf ziemlich klassische Frontscheinwerfer und Heckleuchten. Vorne strecken horizontale Tagfahrleuchten die Höhe von 1,73 Meter noch einmal. Bei all der Hot-Wheeligen Aufrüsterei wirken die 19-Zoll-Felgen des Haval fast nach gewolltem Understatement. Ob all das jetzt rückständig oder bewusst entgegen aktueller Trends wirkt, mag jeder für sich selbst entscheiden. Innenraum Der Innenraum wirkt insgesamt modern und klar strukturiert. Einige physische Knöpfe ergänzen direkten Zugang, das 14,6-Zoll-Infotainment sammelt Einstellungen und Infos. Auf einem weiteren 10,25-Zoll großen Kombiinstrument werden die wichtigsten Informationen für den Fahrenden angezeigt. Das System ist generell zügig unterwegs, viel Zeit, uns mit der Bedienung vertraut zu machen, hatten wir leider nicht. Materialmix und Verarbeitung wirken durchaus ansprechend. Der geringe Einstiegspreis ist hier kaum erfahrbar. Viele Flächen im Sichtfeld wurden noch einmal aufgepolstert, silberfarbene Zierleisten und Applikationen schaffen Abwechslung. Die Mittelkonsole zieht sich hoch und breit mit massig Stauraum durch den Innenraum. Das sieht bei Budget-Marken und auch zum Teil bei der Konkurrenz durchaus dürftiger aus. GWM Haval H6 (2026) im Test GWM Haval H6 (2026) im Test GWM Haval H6 (2026) im Test Bilder von: GWM Jedoch entwickelte dieser Materialmix auch eine aufdringliche Geruchsnote, die sich innerhalb der gut eineinhalbstündigen Fahrt mit Kopfschmerzen auswirkte. Zudem stellte sich nie eine zufriedenstellende Sitzposition ein. Zwar ist der Fahrersitz in viele Richtungen verstellbar, geringer Seitenhalt und eine zu hohe Sitzposition benötigen jedoch Kompromissbereitschaft. Auf der Beifahrerseite ist der Sitz gar nicht in der Höhe verstellbar. Mitfahrende thronen geradezu über der Inneneinrichtung. Immerhin, für Kopf- und Beinfreiheit ist dennoch vorne und hinten gesorgt. Das Gepäckabteil nutzt zwischen 560 und 1.445 Liter. Tayron und Kodiaq bieten mit um die 700 Liter mehr. Mit umgelegter Rückbank erreichen die Konkurrenten gar um die 2.000 Liter. Abmessungen GWM Haval H6 (2026) Länge x Breite x Höhe 4.703 x 1.886 x 1.730 mm Radstand 2.738 mm Kofferraumvolumen 560 - 1.445 Liter Leergewicht 1.765–1.795 kg (je nach Ausstattung) Zuladung 345 - 375 kg (je nach Ausstattung) Max. Anhängelast 1.500 kg Max. Stützlast 150 kg Antrieb/Fahreindrücke Das alles würde eigentlich ganz gut klingen, wenn da nicht unser Fahreindruck wäre. Denn hier zeigt sich der GWM Haval H6 leider als sehr spezieller Kandidat. In der Stadt rollt er elektrisch säuselnd zwar recht souverän, sobald jedoch etwas mehr Beschleunigung vonnöten ist, meldet sich das Verbrenner-Aggregat lauthals zu Wort. Hier könnte das Duo noch Abstimmungsarbeit vertragen. Die Lenkung ist so teilnahmslos wie ich bei einer weiteren Meisterschaft des FC Bayern. Widerstände oder Rückmeldung von den Gegebenheiten auf der Straße sucht man hier vergebens. Der H6 ist damit beschäftigt, möglichst wenig "Last" an den Fahrenden weiterzureichen. Hinzu kommt die Fahrdynamik: Bei 4,70 Metern Auto ist die Ausrichtung in Richtung Komfort sicher nicht verkehrt. Der Chinese sackt jedoch schon bei kleinsten Straßenunebenheiten ein. Die Folge ist ein immerwährendes Nachwippen selbst bei Geradeausfahrt. In Kurven neigt sich der Haval H6 dann deutlich zur Seite, was zum undurchsichtigen Fahrverhalten beiträgt. Das Fahrwerk bleibt zwar auch in schnell gefahrenen Kurven zumindest stabil, das Verhalten fühlt sich jedoch maximal unangenehm an. GWM Haval H6 (2026) im Test GWM Haval H6 (2026) im Test Bilder von: GWM Auch die Bremse stimmt in dieses durchwachsene Konzert ein. Sie benötigt ungewöhnlich viel Druck für ein modernes Fahrzeug, lässt aber dennoch eine akzeptable Rückmeldung vermissen. Stichwort: matschig. Im Geradeauslauf auf glatter Autobahn fühlt sich das knapp 1,8-Tonnen-Gefährt dann auch am wohlsten. Das mag auf breit und frisch ausgebauten Straßen in China gut funktionieren, für Europas Streckennetz ist all das leider zu unausgegoren und viel zu weich. Verbrauch/Preis Auf unserer Testrunde lagen wir bei sieben Litern im Schnitt – also etwa 1,1 Liter über der Angabe im kombinierten Verbrauch. Bei Forderung geht deutlich mehr Benzin durch die Spritleitungen. Allerdings hatten wir im Test nach wenigen Kilometern beim beschriebenen Fahrwerk absolut keine Lust, die recht weiche Fahrdynamik noch weiter auszureizen, sodass viele Kilometer wirklich ökonomisch und gleichförmig zurückgelegt wurden. Wie eingangs bereits erwähnt, kostet der GWM Haval H6 31.990 Euro in der Premium-Version und 34.990 Euro in der Luxury-Variante. Die Farben Schwarz, Grau und Gold kosten 790 Euro Aufpreis. Maximal kann ein H6 also nur 35.780 Euro kosten. Derzeit macht GWM das D-Segment-SUV jedoch noch mit einem Einführungsangebot schmackhaft. Bis zum 30. Juni ist der Chinese bereits ab 28.990 Euro zu haben, 31.690 Euro werden für den Luxury fällig. Ein kurzer Blick auf die Voll- oder Plug-in-Hybrid Konkurrenz: Nissan X-Trail (42.850 Euro), Honda CR-V (46.900 Euro), Mitsubishi Outlander (44.490 Euro), Renault Espace (44.000 Euro), Mazda CX-60 (50.950 Euro), Skoda Kodiaq (49.920 Euro) und VW Tayron (54.975 Euro) liegen alle längenmäßig im Rahmen des Haval H6. Nur der BYD Seal U (regulär ab 39.990 Euro) kann derzeit (mit BYD-Bonus 29.490 Euro) annähernd preislich mithalten. Fazit: 4/10 Der GWM Haval H6 macht in Sachen Preis- und Ausstattungsgestaltung einiges richtig. Auch der ansprechend gestaltete und gut strukturierte Innenraum mit Fokus auf den Komfort ist weit über dem, was der Einstiegspreis suggeriert. Eine Finanzierungsrate ab 189 Euro, fünf Jahre Fahrzeuggarantie (ohne Kilometerlimit) und acht Jahre auf die Batterie (bis 160.000 Kilometer) geben Sicherheit. Allerdings ist die Fahrdynamik des Chinesen derzeit noch weit weg von europäischen Standards. Und auch der Materialmix drückt dem Innenraum einen penetranten Geruchsstempel auf. Hinzu kommt ein real recht hoher und ungewöhnlicher Verbrauch für einen Vollhybriden. Damit macht der H6 zwar insgesamt immer noch vieles richtig, disqualifiziert sich für den hiesigen Normalgebrauch jedoch nahezu komplett. Es sei denn, Sie fahren ausschließlich frisch asphaltierte Autobahn. Denn leider ist der GWM immer noch ein Fahrzeug und keine Chill-Lounge. Pro Preis Ausstattung Raumangebot Kontra Fahrdynamik Bremse Lenkung