Ein Overland-Camper für unter 40.000 Euro – auf Basis eines rund 26.000-Euro-SUV? Klingt erstmal nur nach Wunschdenken. Doch mit ARB-Drawer-System, Slide-Küche und Dachzelt lässt sich der Dacia Bigster technisch genau so aufbauen. Eigentlich ist der Bigster ein rationales SUV. Viel Platz, solide Dachlast, keine Abenteuer-Inszenierung. Aber mit 4,60 Meter Länge, bis zu 1.800 Liter Ladevolumen und 80 Kilogramm dynamischer Dachlast bringt er konstruktiv mehr Camper-Substanz mit, als man ihm ansieht. Entscheidend sind hier nicht Motorisierungen oder Ausstattungspakete, sondern Raumangebot und Gewichtsreserven. Und genau da wird es interessant. Bildergalerie: Dacia Bigster (2026) Camper mit ARB-Overland-Paket Als Basis taugt jede Bigster-Variante. Das Leergewicht liegt je nach Ausführung bei knapp 1.500 Kilogramm, das zulässige Gesamtgewicht bei etwa 2.300 Kilogramm. Überschlagen ergibt das rund 750 Kilogramm Zuladung. Für einen kompakten Overland-Umbau ist das eine solide Ausgangslage – vor allem in dieser Fahrzeugklasse. Herzstück des Konzepts ist das ARB-Drawer-System RD1045. Zwei kugelgelagerte Schwerlast-Schubladen, jeweils bis 150 Kilogramm belastbar. 1.045 Millimeter tief, rund 285 Millimeter hoch. Das System selbst wiegt etwa 85 Kilogramm und wird fest im Fahrzeugboden verankert. Kein Camping-Provisorium, sondern ein verschraubter Ausbau mit klar definierten Lastwerten. Darauf lässt sich die ARB Wagon Slide Kitchen montieren. Maße: 1.045 x 500 x 310 Millimeter. Das Modul fährt vollständig aus dem Heck heraus. Integriert sind ein dreiflammiger Kocher mit rund 6 kW Gesamtleistung sowie eine Edelstahl-Spüle mit sieben Litern Volumen. Rund 45 Kilogramm bringt die Einheit auf die Waage. Auf dem Dach sitzt im Szenario das ARB Esperance 2. Das Hartschalen-Dachzelt wiegt rund 57 Kilogramm und bleibt damit unter der zulässigen Dachlast. Die Liegefläche misst etwa 2.000 x 1.400 Millimeter. Integriert sind Matratze, LED-Beleuchtung und USB-Anschlüsse. Kein Luxusloft, aber ein vollwertiger Schlafplatz mit klarer Funktion. Bilder von: ARB Europe Rechnet man Drawer-System, Küche und Dachzelt zusammen, ergibt sich ein Zusatzgewicht von rund 187 Kilogramm. Zwei Erwachsene mit jeweils 75 Kilogramm und ein Kind mit 30 Kilogramm addieren weitere 180 Kilogramm. In Summe stehen damit etwa 367 Kilogramm zusätzlich im Raum. Selbst mit Wasser, Gepäck und Campingausrüstung bleibt rechnerisch eine komfortable Reserve. Das Setup bewegt sich innerhalb der zulässigen Gesamtmasse – vorausgesetzt, die Montage erfolgt fachgerecht. Natürlich kostet der feste Ausbau Stauraum. Statt 667 Litern Kofferraumvolumen bleiben oberhalb der Schubladen grob geschätzt rund 250 Liter übrig. Bilder von: Motor1.com Deutschland Preislich summieren sich Drawer-System, Slide-Kitchen und Esperance 2 auf rund 6.400 bis 7.000 Euro. Hinzu kommen Dachträger, Montage und gegebenenfalls eine Eintragung. Zusammen mit einem Bigster ab rund 26.000 Euro ergibt sich ein realistisches Gesamtbudget zwischen 33.000 und 35.000 Euro. Damit bleibt das Konzept deutlich unterhalb klassischer Offroad-Camper oder ausgebauter Vans. Selbst mit zusätzlichem Zubehör bleibt die 40.000-Euro-Marke erreichbar. Genau hier liegt der Reiz: ein technisch sauber kalkulierter Budget-Overlander auf SUV-Basis. Mit dem Sleep Pack von Dacia selbst lässt sich der Bigster zwar in wenigen Minuten auch zum Mini-Camper umbauen, allerdings ohne feste Küchen- oder Schubladentechnik. Wer es unkompliziert mag, bleibt dort. Der ARB-Ansatz ist gewissermaßen die konsequente Weiterentwicklung: mehr Gewicht, mehr Technik, mehr Autarkie. Bisher ist das Ganze jedoch nur eine sauber durchgerechnete Idee. Die Bilder visualisieren das Konzept, die zugrunde liegenden Zahlen stammen aus realen Herstellerangaben. Wer rund 7.000 Euro in Schubladen, eine Küche und ein Dachzelt investiert, bewegt sich also nicht im Fantasiebereich, sondern im technisch Machbaren. Ob das Fahrzeug eher ein echter Overlander oder ein sehr durchdachter Wochenend-Camper wird, hängt vom Einsatzzweck ab. Rein rechnerisch funktioniert das Konzept jedenfalls erstaunlich gut. Und vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis: Man braucht keinen 70.000-Euro-Van, um ernsthaft über Reisen nachzudenken. Wer es klassischer mag, greift weiterhin zum Van: Ein festes Hochdach, wie es der neueste Clou der Nugget bietet, bringt echte Stehhöhe und Alltagskomfort. Projekte wie der Rhön Camp New Ultimate denken den Kompakt-Camper mit moderner Energie- und Dachlösung konsequent weiter.