BMW hat die Kritik daran, Ausstattungen wie beheizte Sitze hinter einer Bezahlschranke zu verstecken, offenbar verstanden und das stark kritisierte Abo-Modell inzwischen wieder eingestellt. Das bedeutet allerdings nicht, dass der Hersteller grundsätzlich davon abrückt, nach dem Fahrzeugkauf zusätzliche Funktionen gegen Aufpreis freizuschalten. Die Idee dahinter: Kunden könnten bei der Bestellung Geld sparen, indem sie bestimmte Optionen zunächst nicht ankreuzen. Ändert der Besitzer später seine Meinung, lässt sich die Funktion gegen Gebühr nachträglich freischalten. In der Theorie ist das eine Win-win-Situation – in der Praxis ist es deutlich komplexer. Denn seien wir ehrlich: Wenn die Hardware bereits verbaut ist, warum wird der Zugriff darauf dann künstlich eingeschränkt? Genau das war beim viel zitierten Sitzheizungsthema der Fall – es handelt sich dabei ja nun wirklich nicht um revolutionäre Technik, zumal deutlich günstigere Volumenmodelle sie oft serienmäßig bieten. BMWs Leiterin Produktkommunikation, Alexandra Landers, sagte dem Magazin Drive, dass das Aktivieren mancher Funktionen – insbesondere solcher rund um Fahrerassistenzsysteme (ADAS) – für BMW laufende Kosten verursacht, sobald sie genutzt werden. Ein weiteres naheliegendes Beispiel sind Echtzeit-Verkehrsinformationen. „Wenn du es nutzt, müssen wir dafür bezahlen. Es ist nicht für jeden Kunden das Allerwichtigste, aber die Technologie ist wichtig – und wir finden, sie sollte grundsätzlich in allen Fahrzeugen verfügbar sein. Und wir glauben weiterhin an die Struktur mit optionalen Angeboten: Man muss sich nicht von Anfang an entscheiden, ob man dieses oder jenes ADAS-(Sicherheits-)System haben möchte. Es gibt viele Hürden bei Leuten, die glauben, dass sie es nie brauchen werden. Aber sie können sich auch später noch entscheiden – zum Beispiel in einem speziellen Fall: Zum ersten Mal stehen sie in einem echten Stau und sagen: ‚Oh, vielleicht hätte ich das vor zwei Jahren schon kaufen sollen.‘ Und dann können sie es online nachträglich hinzufügen.“ Auch wenn sich einzelne Funktionen gegen Gebühr freischalten lassen, betont BMW, dass man Kunden kein zusätzliches Geld für mehr Leistung abnehmen werde. Ebenso erteilt der Hersteller dem Tesla-Ansatz eine Absage, per Over-the-Air-Update die Reichweite eines Elektroautos gegen Aufpreis zu erhöhen. 2026 BMW iX3 Motor1 meint: Wir sind uns wohl alle einig, dass viele In-Car-Abos für Hersteller vor allem ein Weg sind, Kunden schrittweise zur Kasse zu bitten. Gleichzeitig ist es nachvollziehbar, dass Funktionen mit laufenden Kosten – etwa durch Datennutzung – einen Aufpreis haben. Schließlich sind diese Unternehmen keine Wohltätigkeitsorganisationen. Funktionen jedoch, deren Hardware bereits im Auto steckt, sollten ohne zusätzliche Gebühren verfügbar sein. Im ConnectedDrive-Store von BMW wird unter den verfügbaren Abos unter anderem das adaptive M-Fahrwerk aufgeführt. Die Hardware ist offensichtlich vorhanden – und wird dennoch per Software gesperrt. Auch Remote-Motorstart, Fernlichtassistent und das Parkassistenzsystem lassen sich dort per Mikrotransaktion freischalten. Beim neuen iX3 soll laut Drive zudem die 360-Grad-Kamera als Abo angeboten werden. Ein genauerer Blick in den ConnectedDrive-Store zeigt außerdem einige eher überflüssige Posten – etwa eine Lichtinszenierung beim Entriegeln oder künstliche Sounds, die über die Lautsprecher eingespielt werden. Welche Abos verfügbar sind, unterscheidet sich je nach Modell und Markt. Außerdem hängt es von der Serienausstattung und den Optionen ab, die bei der Bestellung ausgewählt wurden.