Es ist ein ziemliches Hin und Her in Sant’Agata Bolognese. Wir erinnern uns: 2022 brachte Lamborghini den Urus Performante auf den Markt. Als leichtere, aerodynamisch optimierte und extremere Speerspitze der Baureihe – der "Teufel" mit 666 PS, der dann obendrein den Pikes Peak Rekord für SUVs holte. Doch recht zeitig war dann Schluss mit dem klassischen 4,0-Liter-Biturbo-V8 ohne elektrische Unterstützung. Selbst Lamborghini kann sich den Emissionsregularien nicht entziehen, wenn es zukunftsfähig bleiben will. 2024 brachte man folglich den Urus SE. Einen Plug-in-Hybrid mit 800 PS, der laut Lamborghini-Führung so gut sei, dass er sowohl den Urus S als auch den radikalen Performante ersetzen könne. Die Produktion der reinen Verbrenner lief aus, die Auftragsbücher wurden geschlossen. Nun aber haben unsere Erlkönig-Fotografen ein Auto vor die Linse bekommen, das diese Strategie in Frage stellt. Am Polarkreis wurde ein Urus-Prototyp gesichtet, der die Rückkehr des Performante-Logos einläuten könnte. Allerdings unter ganz neuen Vorzeichen. Erlkönig Lamborghini Urus SE Performante 2027 Erlkönig Lamborghini Urus SE Performante 2027 Der getarnte Prototyp zeigt deutliche Unterschiede zum aktuellen Urus SE. Zwar übernimmt er die Tagfahrlicht-Signatur des Hybriden, doch die Frontschürze wirkt eigenständig. Auffällig ist die diagonale Strebe, die die seitlichen von den mittleren Lufteinlässen trennt. Sie verläuft nun bis in die Ecken der Scheinwerfer und steht in einem steileren Winkel als beim SE. Auch der untere Lufteinlass wirkt höher und schmaler – wobei hier die Tarnfolie noch das Auge täuschen könnte. Zudem sehen wir überarbeitete Seitenschweller und ein modifiziertes Heck. Insgesamt wirkt dieser Prototyp aggressiver. Doch was nutzt die aggressivste und dynamischste Optik, wenn der vermeintliche Performante schwer ist wie Blei? Es hilft ja alles nix - einen Urus ohne PHEV wird es wohl nicht mehr geben, Performante hin oder her. Und das klingt natürlich ziemlich paradox. Der Name "Performante" stand bei Lamborghini (siehe Huracán oder Urus von 2022) traditionell für Leichtbau, Carbon und Purismus. Ein Hybridsystem inklusive schwerer Batterie in ein Auto zu packen, das eigentlich das "leichte" Modell der Baureihe sein soll, widerspricht dem ursprünglichen Geist des Logos komplett. Ein Hoffnungsschimmer käme eventuell von der Insel. Im letzten Jahr brachte Bentley einen neuen Bentayga Speed als performantes Spitzenmodell. Mit nicht elektrifiziertem V8 und 650 PS. Sie erkennen recht zügig, wo das Problem ist, nehmen wir an. Wie soll Lamborghini ein Performance-Modell rechtfertigen, das 150 PS weniger hat als das Standard-Auto. Bildergalerie: Lamborghini Urus Performante PHEV 2027 Erlkönig Zumal in diesem Segment das letzte Kilogramm Gewicht eine eher untergeordnete Rolle spielt, solange die Leistung stimmt. Und die dürfte gewaltig sein. Wenn der "normale" Urus SE bereits 800 PS leistet, muss ein Performante Hybrid noch eine Schippe drauflegen. Sehen wir hier vielleicht 850 oder gar 900 PS? Dass Lamborghini an der Preisschraube und der Modellvielfalt dreht, ist logisch. Der Urus ist seit seiner Einführung 2018 die absolute "Cash Cow" der Marke. Es dauerte nur zwei Jahre bis zu den ersten 10.000 Einheiten, zwei weitere bis zur 20.000er-Marke. Aktuell ist die Situation kurios: Auf der Website wird der alte Performante noch gelistet (wohl, um die letzten Kundenbestellungen abzuarbeiten), obwohl der Konfigurator bereits offline ist. Gleichzeitig ist der Urus laut aktuellen Berichten bis ins Jahr 2027 ausverkauft. Das zeigt: Die Kunden vertrauen der Marke blind. Ob der neue Performante nun schwerer ist als der Vorgänger von 2022, dürfte die Käuferschicht kaum stören, solange er schneller ist und aggressiver aussieht. Wann der "Super-Hybrid-Urus" offiziell enthüllt wird, ist noch unklar. Angesichts des Erlkönig-Status und der langen Wartezeiten für den SE rechnen wir nicht vor Ende 2026 mit einer Premiere.