So schnell sie auf der Strecke auch sind, McLaren Racing-CEO Zak Brown hat erkannt, dass Formel 1-Teams an anderer Stelle noch ziemlich langsam agieren und zwar, wenn es darum geht, außerhalb der eigenen Blase Tritt zu fassen. In der Ära der Netflix-Hit-Show Drive to Survive erkennt Brown, dass Teams ihre Türen auf mehr als eine Weise öffnen müssen. Brown kommt vom Marketing und beherrscht dieses Spiel perfekt. Deshalb werden Sie das McLaren-Hauptquartier in Woking immer wieder mal auf der ganz großen Leinwand entdecken. Das gilt für Science-Fiction-Epen ebenso wie für den eigenen Formel-1-Spielfilm. All das geschieht ganz bewusst. Windkanal des McLaren Technology Centre Die Formel 1 lebt von starken Bildern. McLaren treibt diesen Gedanken besonders konsequent voran und positioniert sich gezielt vor einem breiten Publikum, nicht nur vor klassischen F1-Fans. Die Marke bewegt sich wie selbstverständlich in der Popkultur, schafft es dabei aber, die Glaubwürdigkeit eines Konstrukteursweltmeisters aufrecht zu erhalten. „Sport ist Unterhaltung“, sagte Brown, als die Netflix-Doku über die Formel 1 im Jahr 2021 enorm an Popularität gewann. „Diese Leute haben uns eine neue Perspektive eröffnet. Sie haben eine zusätzliche Dimension geschaffen. Das Feedback der Fans ist überwältigend.“ Es wäre unklug, diesen Weg nicht weiterzugehen. Deshalb taucht das McLaren Technology Centre, kurz MTC, in mehreren großen Filmproduktionen auf. Der vom Architekten Norman Foster entworfene Komplex folgt einem Yin-Yang-Prinzip. Er verfügt über einen weitläufigen See mit rund 30 Millionen Litern Wasser sowie über einen speziell entwickelten Windkanal. Damit eignet sich das Gebäude hervorragend als Kulisse für Science-Fiction-Filme. In einer weit, weit entfernten Galaxie Die aufmerksamen Beobachter unter Ihnen erkannten das MTC in der Serie Andor aus dem Star-Wars-Universum. Die futuristischen Glasbrücken, die minimalistischen Flure und die massiven Säulen wurden mit etwas digitaler Nachbearbeitung und Kulissenbau an die Welt von Star Wars angepasst. Für Lucasfilm bot das MTC eine echte, funktionierende Hightech-Anlage, die bereits so wirkte, als gehöre sie in dieses Universum. Für McLaren war es die Gelegenheit, Teil einer der bekanntesten Marken der Welt zu werden. Das Ergebnis wirkte selbstverständlich und organisch, nicht wie platte Werbung. Schnell & Bösartig Im Fast-and-Furious-Ableger Hobbs & Shaw diente das MTC als futuristisches Hauptquartier der Figur Brixton Lore, gespielt von Idris Elba. Der Film selbst blieb umstritten, doch das McLaren-Gebäude funktionierte erneut als kühles, technologiegeladenes Zentrum des bösen Gegenspielers. Mehrere McLaren-Modelle kamen ebenfalls zum Einsatz. Unter anderem fährt Jason Statham einen 720S durch die Straßen von London. Ein Blockbuster aus Woking Auch der neue Formel-1-Spielfilm, der schlicht F1 heißt, band die Königsklasse eng in die Produktion ein. Mercedes-Benz, wo man ja bekanntermaßen auch sehr gerne mal in die Popkultur eintaucht, stellte die Fahrzeuge für das fiktive Team APXGP. McLaren stellte seine Zentrale zur Verfügung. Innen- und Außenbereiche des MTC dienten als Drehorte und verliehen dem Film zusätzliche Authentizität. Um die Verbindung weiter zu vertiefen, erlaubte McLaren Racing dem Hauptdarsteller Brad Pitt eine Fahrt im Rennwagen der Saison 2023 auf dem Circuit of The Americas in Austin. Laut offizieller Mitteilung ging diese Einladung persönlich auf Brown zurück. Sie ergänzte das Sitzanpassen und die Simulatorarbeit, die McLaren für die Produktion leistete. Warum das MTC immer wieder besetzt wird Das McLaren Technology Centre ist ein Gebäude, das Filmemacher anzieht. Es ist ein Paradies für Technikbegeisterte und bietet gleichzeitig viel Raum für tolle Bilder, unter anderem aufgrund der Natur außen rum. Es funktioniert als Raumhafen ebenso wie als Hauptquartier eines Bösewichts. Da die Formel 1 immer stärker Teil der Popkultur wird und der jüngste Film weltweit Einnahmen von umgerechnet mehr als einer halben Milliarde Euro erzielte, dürfte es nicht überraschen, wenn das MTC bald wieder auf der Leinwand erscheint.