Touchscreens im Auto sind seit Jahren ein Reizthema. Gewiss gab es Gründe, diese einzuführen, um eine Knopfflut zu vermeiden. Doch alle Funktionen in immer größere Bildschirme auszulagern, übertreibt den Grundgedanken. Extrembeispiele sind die Modelle von Tesla, auch Mercedes lobt seine bis zu einen Meter breiten "Hyperscreens" wie ganz frisch im GLC EQ. Aber die fortschreitende Digitalisierung im Automobil stellt Autofahrer zunehmend vor Herausforderungen. Während moderne Fahrzeuge technisch immer leistungsfähiger werden, leidet aus Sicht des ADAC die intuitive Bedienbarkeit. Funktionen, die früher über klar definierte Tasten erreichbar waren, sind heute häufig tief in Menüs von Infotainmentsystemen verborgen. Das hat Folgen für Aufmerksamkeit und Sicherheit im Straßenverkehr. Tesla Model Y Facelift Juniper (2025) im Test Der ADAC untersucht im Rahmen seiner Autotests seit Jahren auch die Bedienfreundlichkeit von Fahrzeugen. Eine Auswertung der Ergebnisse aus den vergangenen sieben Jahren zeigt eine deutliche Verschlechterung. Im Jahr 2019 lag die Durchschnittsnote im Kapitel Bedienung noch bei 2,3. Kein getestetes Fahrzeug schnitt schlechter als mit der Note 3,2 ab. Sechs Jahre später ergibt sich ein anderes Bild: 2025 erreichen die Fahrzeuge im Schnitt nur noch eine 2,7. Einzelne Modelle fallen sogar mit einer glatten 4,0 durch. Diese Entwicklung ist laut ADAC kein Zufall. Sie fällt zeitlich mit dem verstärkten Einsatz softwarebasierter Bedienkonzepte zusammen. Touchscreens ersetzen physische Bedienelemente, Menüs werden komplexer, Schaltflächen kleiner und haptisches Feedback entfällt. Die Untersuchungen zeigen, dass sich dadurch die Bedienzeiten verlängern. Fahrer müssen den Blick häufiger und länger von der Straße abwenden, um Funktionen zu finden oder Fehlbedienungen zu vermeiden. Die Konzentration steigt, die Ablenkung ebenfalls – und damit das Unfallrisiko. Cockpit des VW ID. Polo mit Retro-Anzeigen ... und vielen Tasten Als Reaktion auf diese Entwicklung fließen die Erkenntnisse des ADAC auch in die Arbeit von Euro NCAP ein. Im europäischen Sicherheitsbewertungsprogramm gelten künftig strengere Anforderungen an die Fahrzeugbedienung. Die volle Punktzahl wird nur noch vergeben, wenn sicherheitsrelevante Funktionen über einen sogenannten "Direct Physical Input" verfügen. Dazu zählen unter anderem Blinker, Warnblinker, Hupe, Scheibenwischer und das eCall-System. Diese müssen über klar erkennbare, physische Bedienelemente mit direktem Feedback steuerbar sein. Weitere Funktionen dürfen maximal ein oder zwei Bedienschritte im Untermenü erfordern. Autofahrern empfiehlt der ADAC, sich vor der ersten Fahrt oder nach Software-Updates mit der Menüstruktur ihres Fahrzeugs vertraut zu machen. Das gilt besonders für sicherheitsrelevante Funktionen wie die Lüftung der Frontscheibe. Wo verfügbar, kann auch die Sprachsteuerung helfen, sofern sie zuverlässig arbeitet und die gewünschte Funktion unterstützt. Gleichzeitig sieht der ADAC die Hersteller in der Verantwortung. Die derzeitige Entwicklung hin zu rein touchscreenbasierter Bedienung sollte kritisch hinterfragt werden. Nicht jede Funktion benötigt ein eigenes Bedienelement, doch viele klassische Knöpfe und Schalter haben sich bewährt. Rückmeldungen von ADAC-Mitgliedern zeigen, dass diese Form der Bedienung nicht nur als sicherer empfunden wird, sondern auch den Erwartungen vieler Verbraucher entspricht. Audi Concept C (2025) Ähnlich äußerte sich kürzlich der neue Chefdesigner von Audi: Im Gespräch mit dem Magazin Top Gear formulierte Massimo Frascella, was viele denken: "Große Bildschirme sind nicht das beste Erlebnis. Das ist Technologie um der Technologie willen." Das Concept C gibt nicht nur einen Vorgeschmack auf einen elektrischen Sportwagen, sondern auch auf eine Rückbesinnung auf klassische Audi-Werte im Interieur. Ein zentraler Bildschirm ist weiterhin vorhanden, er fällt mit 10,4 Zoll jedoch kleiner aus. Und er kann in das Armaturenbrett eingeklappt werden, wie es bei vielen Modellen des vergangenen Jahrzehnts der Fall ist.