Der ADAC, Deutschlands größter Automobilclub, steht im Zentrum einer heftigen Kontroverse. Auslöser sind Aussagen von Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand, der höhere Spritpreise als Mittel zum Klimaschutz befürwortete. Die Reaktionen folgten prompt und unerbittlich: Eine Welle der Empörung in den sozialen Medien und eine signifikante Zahl an Kündigungen erschüttern den Club und stellen seine Glaubwürdigkeit als Interessenvertreter der Autofahrer infrage. Kurz vor Weihnachten sorgte ein Interview Hillebrands in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" für den Eklat. Darin bezeichnete er die CO2-Bepreisung für Benzin und Diesel als ein "richtiges Instrument", um die Klimaschutzziele zu erreichen. Laut Hillebrand bräuchten die Menschen einen Anreiz, um auf klimaschonendere Alternativen umzusteigen. Im Klartext: Erst wenn Sprit unbezahlbar oder zumindest empfindlich teurer als Strom ist, treibt dies die Menschen in die Elektromobilität. Diese Worte fielen in eine Zeit, in der die Spritpreise zum Jahreswechsel durch die Erhöhung des CO2-Preises ohnehin schon spürbar anzogen, was die Wut vieler Autofahrer zusätzlich anfachte. Man hätte an Hillebrands Stelle auch einfach billigeren Ladestrom fordern können, um dieses Ziel zu erreichen ... ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand Die Reaktion der Mitglieder ließ nicht lange auf sich warten. In sozialen Netzwerken wie X und Facebook entlud sich ein Sturm der Entrüstung. Zahlreiche Nutzer warfen dem ADAC vor, "autofahrer-feindlich" zu agieren und die Interessen seiner Basis zu verraten. Viele posteten öffentlich ihre Kündigungsschreiben oder Bilder von zerschnittenen Mitgliedskarten. Der Club bestätigte daraufhin, dass die Austritte eine "mittlere vierstellige Zahl" erreicht hätten. Und das wird sicher nicht das Ende sein. Ein herber Schlag für den Verein mit über 22 Millionen Mitgliedern, von denen rund 90 Prozent einen Verbrenner fahren. Angesichts des massiven Vertrauensverlustes sah sich der ADAC zu einer Reaktion gezwungen. Der Club erklärte gegenüber verschiedenen Medien, die Aussagen Hillebrands seien in den Schlagzeilen verkürzt und somit nicht korrekt wiedergegeben worden. Man sei selbstverständlich gegen eine höhere Belastung der Autofahrer. Ein höherer CO2-Preis sei aus Sicht des ADAC nur dann akzeptabel, wenn die Politik gleichzeitig für ausreichende Entlastungen und bezahlbare Alternativen sorge. Man kämpfe weiterhin für bezahlbare Mobilität, streue den Menschen aber "keinen Sand in die Augen" bezüglich der kommenden Kosten. Die Debatte trifft den ADAC an einem empfindlichen Nerv. Sie wirft die grundsätzliche Frage auf, wie der Club den Spagat zwischen der traditionellen Rolle als Anwalt der Autofahrer und den unumgänglichen Anforderungen des Klimaschutzes meistern will. Der Vorfall hat tiefe Gräben zwischen der Führung und einem erheblichen Teil der Mitglieder offengelegt. Offenbar ist man in der Führungsetage mittlerweile meilenweit von den Belangen der Mitglieder entfernt. Ob die beschwichtigenden Worte des Clubs ausreichen, um das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen, wird sich zeigen müssen.