Die Feierlichkeiten zum 50. Geburtstag des Golf GTI gehen weiter. Aus diesem Anlass entstaubt Volkswagen einige der auffälligsten Fahrzeuge, die jemals das Grand-Tourer-Injection-Emblem getragen haben. Zwar bekamen auch kleinere Modelle wie der Polo, der Lupo oder der up! die GTI-Kur, doch die drei berühmten Buchstaben sind vor allem mit dem Golf verknüpft. Am Rande: In Wolfsburg gab es zeitweise auch einen Scirocco GTI, zudem entstand sogar ein Passat-GTI-Prototyp. Nach dem Blick auf das entstaubte (und äußerst grandiose) W12-Einzelstück rückt nun ein weniger bekannter GTI zurück ins Rampenlicht. Ursprünglich im Jahr 2014 als virtuelles Konzept für Gran Turismo 6 erdacht, hat man nun auch den Golf GTI Roadster für die großen Feierlichkeiten schick gemacht. Viele von Ihnen werden sich noch an den dachlosen Zweisitzer in Rot oder Weiß erinnern – für 2026 hat VW ihm jedoch ein sehr grünes Makeover verpasst. Sicher eine Anspielung auf den exklusiven Lack Dark Moss Green Metallic des Golf GTI Edition 50. Während VW beim Design des Golf GTI seit seinem Debüt 1976 in der Regel eher konservativ blieb, ist das hier ganz offensichtlich nicht der Fall. Auf Basis des Golf 7 erhielt der Roadster eine komplett neue Karosserie. Dach und Rückbank sucht man hier vergebens. Die C-Säulen wurden als Überrollbügel neu interpretiert, und die Türen schwenken wie bei einem Supercar nach oben. All zu viel Golf-DNA ist im Design nicht mehr übrig. Von den Entlüftungsöffnungen in der Haube bis zum riesigen Heckflügel zeigt das Konzept etwas deutlich Radikaleres als einen GTI – ganz unabhängig von der Generation. Da eine Serienfertigung nie geplant war, konnte VW groß denken, ohne Rücksicht auf Homologation und Vorschriften. Der Roadster wirkt deutlich extremer als der BlueSport von 2009, ein Mittelmotor-Projekt, das am Ende leider in der Schublade verschwand. Der GTI, den es nie gab, behält zwar das Frontmotor-Layout und ein 7-Gang-DSG bei – doch damit enden die Gemeinsamkeiten mit dem straßentauglichen Kompaktsportler. Obwohl alle GTI bislang ausnahmslos mit Frontantrieb ausgestattet wurden, setzt der Roadster auf einen Allradantrieb nach Art des Topmodells Golf R. Auch das zuvor erwähnte W12-Unikat bricht mit der Tradition und fährt mit Hinterradantrieb vor. Unter den Lamellen der Haube sitzt ein 3,0-Liter-V6-Biturbo mit 503 hp (370 kW) und 560 Nm Drehmoment. Übertragen wird die Kraft auf alle vier 20-Zoll-Zentralverschlussräder. Der Golf GTI Roadster soll die 0–100 km/h in 3,6 Sekunden schaffen und eine Spitze von 309 km/h erreichen. Dank 4Motion ist er beim Sprint auf 100 km/h sogar eine Zehntel schneller als das W12-Monster mit Hinterradantrieb – allerdings läuft der Bentley-befeuerte Über-Golf theoretisch schneller: Er soll 325 km/h Spitze erreichen. Man könnte meinen, ohne Dach müsste das Leergewicht niedrig ausfallen – doch mit Allrad und dem größeren V6 ist das Konzept alles andere als leicht. Es bringt 1.421 Kilogramm auf die Waage und ist damit etwas schwerer als der dreitürige Golf 7 GTI, übrigens die letzte Generation, die es auch ohne hintere Türen gibt. Größere Bremsen an beiden Achsen sowie die üppige Bereifung (235/35 ZR20 vorn und 275/30 ZR20 hinten) tragen ebenfalls zum höheren Gewicht bei. Motor1 meint: Machen wir uns nichts vor: VW wird einen derart ausgefallenen Golf nie bauen. Dennoch würden wir uns mehr Konzepte dieser Art wünschen. Es ist faszinierend zu sehen, wie sich ein alltäglicher Kompaktsportler in etwas deutlich Aufregenderes verwandeln lässt – selbst wenn es beim Einzelstück bleibt. Auch wenn der GTI Roadster eine Zukunft skizzierte, die nie Realität wurde, gibt es den regulären Hot Hatch immerhin noch. Als das Konzept vor 12 Jahren enthüllt wurde, nannte VW ihn den „spektakulärsten GTI aller Zeiten“. Mit Blick auf 2026 gilt das weiterhin – und es ist schwer vorstellbar, wie Wolfsburg das noch übertreffen sollte. Wir würden uns freuen, wenn der Golf GTI sein Schaltgetriebe zurückbekäme – aber das ist eine ganz andere Geschichte.