Volkswagens Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum des Golf GTI laufen weiter auf Hochtouren. Um ein derart wichtiges Jubiläum zu würdigen, kramen die Wolfsburger in diesem Jahr auch allerlei wilde Konzeptfahrzeuge hervor, die sich trauten, von der gewohnten GTI-Formel abzuweichen. Der heckgetriebene W12 von 2007 war dabei der wohl verrückteste, doch auch der Roadster von 2014 war weit von jeder Serienperspektive entfernt. Eine GTI-Studie, die nicht ganz so abgehoben wirkte, zeigte man 2013 – kurz nachdem der Golf 7 GTI auf den Markt gekommen war. Auch dieses Einzelstück hat VW nun wieder aus dem Fundus geholt. Und obwohl dieser Entwurf nicht gar so radikal daherkommt wie die anderen beiden, hat auch er einiges zu bieten. Auf Basis einer inzwischen beim Golf nicht mehr gebauten Dreitürer-Karosserie zeigt der Design Vision GTI ein kompromisslos auf die Rennstrecke ausgelegtes Fahrzeug – nochmal ein gutes Stück extremer als beim exzellenten neuen Edition 50. Die Ingenieure in Wolfsburg machten das Auto flacher, verkürzten die Karosserie und verbreiterten sie um 71 Millimeter gegenüber dem Golf 7 GTI. Um ihn weiter vom straßentauglichen Modell abzugrenzen, entwickelte VW spezielle 20-Zoll-Zentralverschlussräder und verbaute an allen vier Ecken Carbon-Keramik-Bremsen. Auch im Innenraum unterscheidet sich der Design Vision GTI deutlich vom Serienmodell. Nicht nur fielen die Rücksitze der Gewichtsersparnis zum Opfer – auch das Armaturenbrett wurde komplett neu gestaltet. Ob mir die Ähnlichkeiten damals schon aufgefallen sind, weiß ich nicht mehr, aber das Cockpit hat einen Hauch Audi R8-Vibes. Es stammt aus einer Zeit, in der VW-Innenräume klar auf Funktionalität setzten: Selbst dieses trackorientierte, abgespeckte Konzept verfügt über physische Tasten und Drehregler. Hinter den beiden Schalensitzen sitzt eine X-förmige Domstrebe zur Versteifung der Karosserie; zwei am Boden befestigte Helme darunter unterstreichen den Fokus auf den Rundkurs. An anderer Stelle wirken die roten Stoff-Zugschlaufen in den Türen, als kämen sie direkt aus einem Porsche 911 GT3 RS; zudem geizte man nicht mit dem Einsatz von Alcantara und Carbon. Wie das zuvor erwähnte GTI-Roadster-Konzept verabschiedet sich auch der Design Vision GTI vom klassischen Frontantrieb und setzt stattdessen auf Allradantrieb – ähnlich wie beim Golf R. Die Parallelen reichen bis zum Motor: Dieses Einzelstück nutzt einen 3,0-Liter-V6 mit Biturbo, der 503 hp (370 kW) und 560 Nm Drehmoment liefert – identisch zum GTI Roadster. Wie beim offenen Golf GTI leitete auch diese Studie die Kraft über ein Doppelkupplungsgetriebe an beide Achsen. Die Kombination aus V6 und DSG, gepaart mit dem 4Motion-System, ermöglicht laut VW den Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h. Wie beim Roadster und dem abgedrehten W12-Monstrum handelt es sich beim Design Vision GTI um ein vollständig fahrbares Konzeptfahrzeug. VW hatte nie vor, das Auto in Serie zu bauen; sein einziger Zweck war es, beim GTI-Treffen am Wörthersee Publikum anzuziehen. Wie die beiden anderen Konzepte soll er sich allerdings nicht ganz leicht fahren lassen. Obwohl voll funktionsfähig, fehlt ihm die Feinabstimmung, die man von einem Serienmodell erwarten würde. Motor1 meint: Diese drei Konzepte erinnern an eine Zeit, in der VW bereit war, mit seinem wichtigsten Auto zu experimentieren. 2026 ist die Golf-GTI-Palette deutlich weniger vielfältig als früher. Der Dreitürer ist längst Geschichte, und auch das Handschaltgetriebe wurde inzwischen aus dem Programm genommen. Wenn man es positiv sieht: VW hält am Kompaktsportler fest und plant nicht, den Golf GTI in absehbarer Zeit einzustellen. Selbst wenn ein elektrischer Golf in Arbeit ist, dürfte das aktuelle Modell noch eine Weile bleiben und parallel zum Golf 9 erhältlich sein.