Nach dem Ende des Ceed schickt die koreanische Marke den Nachfolger K4 ins Rennen um Käufergunst in der Kompaktklasse. Der 4,44 Meter lange Schrägheckler soll zeigen, dass Kia auch in der Kompaktklasse weiterhin ganz vorn mitspielt. Und zwar weiter mit Verbrenner. Darauf weist das Kürzel K4 hin und zeigt zudem wie der EV4 die Klasseneinteilung. Wir haben den K4 mit der Top-Motorisierung rund um Barcelona bewegt und dabei festgestellt, dass hier ein ernstzunehmender Konkurrent für Golf, Astra und Co. herangewachsen ist. Ob der neue Name K4 allerdings eingängiger ist als Ceed, darf bezweifelt werden. Aber vielleicht ist das auch egal, wenn das Auto selbst überzeugt. Der K4 markiert für Kia einen wichtigen Schritt. Während die Marke mit den SUVs EV4, EV5 und dem überarbeiteten Sportage bereits kräftig in der Kompaktklasse mitmischt, war der Golf-Gegner Ceed doch bereits leicht angegraut. Diese Lücke schließt nun der K4, der im mexikanischen Werk Pesquería vom Band läuft und seit Mitte November 2025 in Deutschland bestellbar ist. Ein Kombi ergänzt in den nächsten Monaten das K4-Portfolio. Springen Sie direkt zu: Karosserie | Antrieb | Fahrverhalten | Infotainment/Bedienung | Kosten | Fazit Modell Kia K4 1.6 T-GDI 180 DCT GT-Line Segment Kompaktwagen Leistung 132 kW / 180 PS Antrieb Front, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe Motor 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner Beschleunigung 0–100 km/h 8,4 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 210 km/h Länge / Radstand 4.440 mm / 2.720 mm Kofferraum 438 – 1.217 Liter Grundpreis (GT-Line) 38.290 Euro Preis Testwagen 42.740 Euro Karosserie / Innenraum Das Design des K4 ist typisch Kia: extrovertiert, kantig, extravagant. Wer unauffällig unterwegs sein möchte, greift besser zu einem Golf. Der K4 will auffallen, mit klaren Linien, vielen Sicken und dem charakteristischen Star-Map-Tagfahrlicht, dessen Grafik an Sternbilder erinnert. Besonders von hinten wirkt der Koreaner bullig und breit, die fließende Dachlinie gibt ihm eine coupéhafte Silhouette. Die versteckten Türgriffe in der C-Säule sind ein nettes Detail. Mut muss man Kia attestieren, dieser Wille zur eigenen Designsprache hebt die Marke wohltuend vom Einheitsbrei ab. Ob das Design jedem gefällt, ist Geschmackssache. Aber es hat definitiv Wiedererkennungswert. Bilder von: Motor1.com Deutschland Die GT-Line-Version des Testwagens setzt noch einen drauf: Hochglanzschwarze Designelemente an Front, Heck und Seitenschwellern, schwarze Spiegelkappen sowie optional 18-Zoll-Leichtmetallfelgen in Schwarz-Glanzgedreht betonen den sportlichen Anspruch. Die exklusive Lackierung Sparkling Gelb Metallic für 790 Euro sorgt dafür, dass man den K4 auch auf überfüllten Parkplätzen sofort wiederfindet. Innen präsentiert sich der K4 modern, aufgeräumt und erstaunlich geräumig. Vorn sitzt man auf straffen, gut konturierten Sitzen mit exzellentem Seitenhalt. Die Sitzfläche ist lang genug, lässt sich in der Neigung verstellen, und die perforierten Bezüge in der zweifarbigen Schwarz-Weiß-Kombination machen optisch richtig was her. Verstellbare Seitenwangen fehlen zwar, der Seitenhalt ist dennoch einwandfrei. Sitzheizung und Ventilation vorn gehören im Testwagen zum Sitz-Paket, ebenso die Memory-Funktion für den Fahrersitz. Bilder von: Kia Das Platzangebot ist für ein 4,44 Meter langes Auto beeindruckend. Auch im Fond sitzt man auch mit 1,87 m komfortabel, mit sehr viel Knieraum und gutem Kopfraum trotz der abfallenden Dachlinie. Der Kofferraum fasst solide 438 Liter, bei umgeklappten Rücksitzen sind es bis zu 1.217 Liter. Das reicht für den Alltag locker aus. Kritik verdient allerdings die Materialanmutung am Armaturenbrett. Zwar sind die Kunststoffe im oberen Bereich weich unterschäumt, durch ihre sehr glatte Struktur wirken sie aber billig. Eine schöne Narbung hätte hier Wunder gewirkt. Dafür stimmt der Materialmix aus Glanzleisten und verschiedenen Zierelementen insgesamt, die Verarbeitung ist auf gutem Niveau. Da staunt der Redakteur: Ein echter, mechanischer Wählhebel! Highlights sind der oldschool-mäßig aus der Mittelkonsole ragende Automatikwählhebel in T-Form (heute schon fast demonstrativ skulptural) sowie die physischen Tasten für Klima und wichtige Funktionen. Das macht die Bedienung im Alltag deutlich angenehmer als die Touch-Orgien mancher Konkurrenten. Abmessungen und Kofferraum Kia K4 1.6 T-GDI 180 DCT GT-Line Länge 4.440 mm Breite (ohne Spiegel) 1.850 mm Breite (mit Spiegeln) 2.083 mm Höhe 1.435 mm Radstand 2.720 mm Bodenfreiheit 140 mm Kofferraum 438 – 1.217 Liter Leergewicht 1.500 kg Zul. Gesamtgewicht 1.940 kg Anhängelast gebremst 1.410 kg Antrieb Für den K4 stehen vier Motorisierungen zur Wahl, von einem 115-PS-Dreizylinder mit Handschaltung bis zum hier getesteten 1.6 T-GDI mit 180 PS. Das klingt auf dem Papier ordentlich, und in der Praxis zeigt sich der Motor von seiner besten Seite, sobald man ihn lässt. Das Problem ist das serienmäßige 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Im Normalmodus agiert es lethargisch, braucht teilweise ziemlich lange für Schaltvorgänge und bremst den Motor regelrecht ein. Im Sportmodus wird es hektisch, hält hohe Drehzahlen, schaltet wild hin und her und wirkt unentschlossen. Das ist schade, denn der Antrieb kann deutlich mehr. Der Beweis: Im manuellen Modus mit Schaltwippen am Lenkrad verwandelt sich das Antriebspaket schlagartig. Der Motor hängt gut am Gas, zieht sauber durch und klingt sogar angenehm sportlich, ohne laut zu werden. Ein minimales Turboloch ist spürbar, danach geht es aber flott voran. Die Schaltvorgänge sind kurz und knackig, typisch Doppelkupplung. Die Ganganschlüsse passen perfekt. So macht das richtig Spaß. Wer den K4 sportlich bewegen will, sollte unbedingt die Schaltwippen nutzen. Beim Verbrauch zeigt sich der Koreaner vernünftig. Bei sehr vorsichtiger Fahrweise sind rund fünf Liter möglich, realistisch sind im Alltag sechs bis sieben Liter. Wer in den Bergen mal richtig Gas gibt, kommt auch auf neun oder zehn Liter, was aber immer noch akzeptabel ist. Insgesamt ein guter Kompromiss aus Fahrspaß und Effizienz. Motor und Antrieb Kia K4 1.6 T-GDI 180 DCT GT-Line Motor 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner Leistung 132 kW / 180 PS Drehmoment 265 Nm (1.500–4.500 U/min) Getriebe 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe (DCT7) Antrieb Frontantrieb Beschleunigung 0–100 km/h 8,4 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 210 km/h Verbrauch WLTP 6,9 l/100 km CO₂-Emissionen 155 g/km Tankinhalt 47 Liter Fahrverhalten Das Fahrwerk des K4 ist eine echte Überraschung. Kia hat die Abstimmung speziell auf europäische Fahrer zugeschnitten, umfangreiche Tests fanden im Entwicklungszentrum Rüsselsheim und auf europäischen Teststrecken statt. Das merkt man. Der K4 bietet eine außergewöhnlich gute Kurvenlage, einen extrem hohen Grenzbereich und praktisch keine Lastwechselreaktionen. Untersteuern gibt es erst, wenn man es wirklich übertreibt. Das ist sehr gut abgestimmt und macht richtig Laune. Einen großen Anteil daran haben auch die Conti-Sportreifen unseres GT-Line, die mit viel Grip überzeugen. Die Lenkung ist präzise und bietet im Sportmodus schön viel Rückmeldung, ist mir persönlich aber etwas zu indirekt. Die Fahrwerksabstimmung ist straff, aber nicht unbequem. Kleine Unebenheiten spürt man, harte Schläge werden aber gut gefiltert. Für ein sportlich orientiertes Kompaktmodell ist das genau richtig. Auch ohne Doppelverglasung ist der K4 recht leise. Leichte Windgeräusche kommen erst ab etwa 110 bis 120 km/h auf, die Abrollgeräusche sind exzellent gedämmt. Auch der Motor bleibt kultiviert. Die Bremsen sind standfest, bissig und gut dosierbar. Im Alltag gibt es nichts zu bemängeln. Infotainment/Bedienung Kia setzt im K4 das neue ccNC-Infotainmentsystem (Connected Car Navigation Cockpit) ein. Das System ist klar gegliedert und intuitiv bedienbar. Zentrale Benutzerschnittstelle ist ein 12,3-Zoll-Touchscreen, links daneben sitzt das ebenfalls 12,3 Zoll große digitale Kombiinstrument. Dazwischen findet sich ein 5,3-Zoll-Touchscreen zur Klimasteuerung, der allerdings fast komplett vom Lenkradkranz verdeckt wird. Man muss sich ständig nach links oder rechts werfen, um daran vorbeizugucken. Gut für die Beweglichkeit in der Hüfte, aber im Alltag nervig. Dafür gibt es unterhalb des Hauptbildschirms eine physische Tastenleiste für wichtige Funktionen wie Home, Karte, Suche oder Einstellungen. Das geht schnell und einfach. Auch die physischen Klimatasten sind ein Segen, hier kann man Temperatur und Gebläse blind einstellen. Danke, Kia. Die Instrumentierung gefällt mir gut. Neben den typischen kantigen Kia-Layouts kann man hier auch auf klassische Rundinstrumente umschalten, in drei verschiedenen Varianten. Die sind klar gezeichnet, wirken hochwertig und erfüllen offenbar einen Kundenwunsch aus dem Markt. Die mon ochromen Icon des Infotainments sind etwas dröge, wer es bunter mag, kann sich aus dem Kia-Backend aber diverse Comic-Icons wie die Avengers oder Donald Duck herunterladen. Geschmackssache, aber nett. Das Infotainment beinhaltet serienmäßig Navigation mit Google Points of Interest, Online-Dienste Kia Connect (sieben Jahre kostenfrei), kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie einen KI-Assistenten (ein Jahr kostenlos). Musikstreaming über Amazon Music oder SoundCloud ist möglich, ebenso Videostreaming über Netflix, YouTube oder Disney+ (im geparkten Fahrzeug). Ein WiFi-Hotspot für bis zu fünf Geräte ist optional verfügbar. Karten- und Software-Updates lassen sich bequem Over-the-Air (OTA) einspielen, das erste Jahr mit zwei Updates kostenfrei. Sehr praktisch ist die Kamerataste auf der Mittelkonsole. Mit einem Tastendruck hat man sofort die Rundumsichtkamera und die Seitenkameras auf dem Display, wenn es mal eng wird. Am Lenkrad wäre die Taste allerdings noch besser platziert. Die Assistenzsysteme arbeiten zuverlässig. Der Autobahnassistent 2.0 hält auch bei Gegenlicht sicher die Spur, korrigiert sanft und wird nicht hektisch. Allerdings funktioniert die Fahrererkennung erstaunlicherweise nicht kapazitiv am Lenkrad, sondern über Bewegungsimpulse. Man muss also immer wieder am Lenkrad ruckeln, statt die Hand einfach dort zu lassen. Das ist überraschend, weil das im gesamten Hyundai-Kia-Genesis-Kosmos mittlerweile anders gelöst ist. Schade. Bilder von: Kia Ein riesiges Sicherheitsfeature ist der Totwinkelassistent mit Kameraeinblendung im Kombiinstrument. Bei jedem Spurwechsel sieht man perfekt, was neben und hinter einem passiert. Das kann man gar nicht hoch genug loben, hier kann eigentlich nichts mehr passieren. Kosten Gemessen am Ceed haben die Preise gut zugelegt. Der Kia K4 startet bei 29.990 Euro für den 1.0 T-GDI mit 115 PS und Handschaltung. Die hier getestete Version 1.6 T-GDI 180 DCT kostet in der GT-Line-Basis 38.290 Euro. Mit allen verfügbaren Paketen (Design-Paket mit 18-Zoll-Rädern für 490 Euro, DriveWise-Park-Pro-Paket mit Head-up-Display, Rundumsichtkamera und Totwinkelassistent mit Monitor für 1.290 Euro, Sitz-Paket mit Kunstleder, Ventilation und Memory für 1.190 Euro, Sound-Paket mit Harman/Kardon und Ambientebeleuchtung für 690 Euro) sowie der exklusiven Lackierung Sparkling Gelb Metallic (790 Euro) kommt der Testwagen auf 42.740 Euro. Das ist nicht günstig, aber üppig ausgestattet. Die Konkurrenz ist breit gefächert und nicht wirklich preiswerter. Ein VW Golf 1.5 eTSI mit 150 PS kostet ab 35.155 Euro, liegt also deutlich unter dem Kia. Allerdings ist der Golf in der Basis deutlich schlechter ausgestattet. Ein vergleichbar konfigurierter Golf R-Line mit DSG kommt auch schnell auf über 40.000 Euro. Der Opel Astra 1.2 Turbo mit 130 PS startet bei 28.590 Euro, auch hier gilt: In vergleichbarer Ausstattung wird es teurer. Der Hyundai i30 Fastback 1.6 T-GDI mit 160 PS kostet ab 31.950 Euro, ist technisch eng verwandt und ebenfalls gut ausgestattet. Kias großer Vorteil: Sieben Jahre Herstellergarantie bis 150.000 Kilometer, sieben Jahre Navigationskarten-Updates und sieben Jahre kostenfreie Online-Dienste Kia Connect. Das bietet in dieser Form kein Konkurrent. Auch die Anhängelast von bis zu 1.410 Kilogramm (gebremst) beim 1.6 T-GDI ist ein Argument, wenn man gelegentlich einen Anhänger ziehen möchte. Fazit: 8/10 Der Kia K4 ist ein rundum gut gemachtes Auto, das sehr viel richtig macht. Das Platzangebot ist exzellent, die Fahrwerksabstimmung auf europäische Verhältnisse ist gelungen, die Assistenzsysteme arbeiten zuverlässig und das Infotainment ist modern sowie einfach zu bedienen. Der 1.6 T-GDI mit 180 PS bietet im manuellen Modus richtig Fahrspaß, der Geräuschkomfort ist beeindruckend und die Ausstattung lässt kaum Wünsche offen. Nur das lethargische Getriebe stört das Bild. Für ab 30.000 Euro bekommt man ein geräumiges, gut verarbeitetes und modern ausgestattetes Kompaktmodell, das den Vergleich mit Golf und Astra nicht zu scheuen braucht. Ob der neue Name K4 eingängiger ist als der alte Ceed, sei dahingestellt. Vielleicht hätte dieses gute Auto einen interessanteren Namen verdient. Aber am Ende zählt, was das Auto leistet. Und da liefert der K4 ab.