Sollte man sich selbst treu bleiben? Oder sich ständig neu erfinden? Man denke etwa an Peter Maffay: Vom schnulzigen Schlagerbarden zum veritablen Rock-Pop-Sänger. In letzter Zeit erfinden sich auch immer mehr Autos neu. Hintergrund ist die baldige Einführung der Euro-7-Abgasnorm für komplette Neuentwicklungen. Um diesen nicht unerheblichen Kostenfaktor zu umgehen, kleiden viele Hersteller ihre Brot-und-Butter-Modelle neu ein. Doch die Basis bleibt gleich, samt Euro-6e-Aggregaten. Beispiele gefällig? BMW 1er-Reihe oder Mini Drei- und Fünftürer mit Verbrenner. Und der Kia Stonic. Seit 2017 ist er auf dem Markt, immerhin 3.445 Neuzulassungen konnte das kleine SUV im vergangenen Jahr in Deutschland verbuchen. Bildergalerie: Kia Stonic (2026) im Test Schnelle Daten Kia Stonic 1.0 T-GDI 48V GT-Line DCT7 Antrieb Dreizylinder-Turbobenziner, 998 ccm plus 48V-Technik Getriebe Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe Leistung 85 kW (115 PS) bei 6.000 U/min Drehmoment 200 Nm bei 2.000 - 3.000 U/min Kofferraumvolumen 352 - 1.155 Liter Preis ab 31.290 Euro Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit Karosserie/Design Tatsächlich denkt man im ersten Moment: Der muss doch neu sein. So radikal anders ist die Formensprache nun. Ecken und Kanten im aktuellen "Star Map"-Design von Kia zitieren den größeren Sportage, sollen aber insbesondere eine Parallele zu den Elektroautos der Marke schaffen. Im Fall des Stonic eine frontale Ähnlichkeit zum kürzeren EV2. Ein positiver Effekt des Designs: Die Blinker sind schön groß. Parkt man zufällig direkt neben dem bisherigen Stonic, fallen einem die Parallelen dann doch auf. Die Fensterlinie zeigt es, ebenso (und das ist gut!) die stabilen Bügeltürgriffe. Kia Stonic (2026) im Test Kia Stonic (2020) Wir testeten die GT-Line mit 17-Zoll-Felgen. Sie zeichnet sich durch eine Art "Nüstern" in den Stoßfängern aus. Damit ist sie einen Zentimeter länger als die anderen Stonic-Modelle: 4,17 Meter Gesamtlänge sind ungefähr das Format von Opel Mokka und VW T-Cross. Generell gilt: Das neue Design des Stonic muss man mögen, neutral oder sogar langweilig ist die Optik nicht. Kia Stonic (2026) im Test Kia Stonic (2026) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Abmessungen Kia Stonic 1.0 T-GDI 48V GT-Line DCT7 Länge 4.175 mm Breite 1.760 mm Höhe 1.520 mm Radstand 2.580 mm Kofferraumvolumen 352 - 1.155 Liter Leergewicht 1.270 - 1.363 kg Zuladung max. 440 kg Anhängelast 900 kg Stützlast 75 kg Innenraum Auch innen geht der Staun-Faktor weiter, doch der Reihe nach. 352 bis 1.155 Liter Kofferraumvolumen sind guter Klassenstandard, überzeugend fällt auch der Fußraum im Fond aus. Zu viert im Stonic? Kein Problem. Einen Hauch kuscheliger wird es auf den vorderen Plätzen, in Richtung Tür spürt man dann doch den Kleinwagen. Unter dem Strich gefällt das Platzangebot. Negativ: Selbst in der Topausstattung GT-Line bieten die Vordersitze zu wenig Seitenhalt. Die Cockpitlandschaft wurde zum Facelift sehr digital, in unserem Fall 12,3-Zoll-Instrumente plus das gleiche Format daneben als Touchscreen. Neu ist dort unter dem Bildschirm die vom Sportage umschaltbare Touch-Leiste für Klimatisierung respektive für den Zugriff auf die wichtigsten Funktionen des Infotainments. Immerhin gibt es hier noch zwei kleine Drehregler, welche die Bedienung vereinfachen. Apropos echte Tasten: Diese gibt es auch im Lenkrad, was uns ebenso erfreut wie der massive Automatik-Wählhebel in T-Form. Kia Stonic (2026) im Test Bilder von: Motor1.com Deutschland Kritikwürdig ist die Qualität der verbauten Kunststoffe: Optisch sind sie zwar adrett angerichtet, bei näherer Betrachtung doch arg schlicht. Gewiss, man sitzt nicht in einem Mercedes, das ist klar. Angesichts der gar nicht so günstigen Preisgestaltung (dazu kommen wir noch) wäre ein Schuss mehr Wertigkeit schön. Antrieb/Fahreindrücke Stonic-Kunden des Jahres 2026 haben keine Qual der Wahl: Es gibt nur den Dreizylinder-Turbobenziner mit 1,0 Liter Hubraum. Dazu serienmäßig eine manuelle Sechsgang-Schaltung oder für 1.800 Euro extra ein 7-Stufen-DKG. Leistung: 100 PS respektive 115 PS. Wir sind den stärkeren Motor gefahren, er kommt zudem mit 48V-Technik alias Mildhybrid. Das Aggregat ist gut gedämmt, das Doppelkupplungsgetriebe erledigt seine Arbeit unauffällig. Beim Ampelstart mit Start-Stopp benötigt der Antrieb aber eine Gedenksekunde, um sich zu sortieren. Sobald das Thema Beschleunigung akut wird, zeigt sich, dass es weniger als die 115 PS nicht sein sollten. Kia Stonic (2026) im Test Denn bereits hier werden keine Bäume ausgerissen. 200 Nm maximales Drehmoment gibt es in der Automatikvariante, aber erst zwischen 2.000 und 3.000 Umdrehungen. Der Stonic klingt dann angestrengter als nötig. Interessantes Detail: Die 100-PS-Maschine ist in der Höchstgeschwindigkeit kaum langsamer. Dafür bietet der 48V-Motor eine Segelfunktion im Eco-Modus. Der Abrollkomfort steht etwas zwischen den Stühlen, die Aufzeichnungen reichen von "gut" bis "teils herb". Montiert waren bei uns Conti Eco Contact 6 auf 17-Zoll-Felgen. Fahrleistungen Kia Stonic 1.0 T-GDI 48V GT-Line DCT7 0 - 100 km/h 10,8 Sek. Höchstgeschwindigkeit 182 km/h Verbrauch 5,6 Liter/100 km (WLTP) CO2-Emissionen 126 g/km (WLTP) Verbrauch/Preis Wie lautet die Quittung für den Stonic an der Tankstelle? Kia nennt 5,6 Liter auf 100 Kilometer als Werksangabe, wir kamen auf 6,4 Liter mit gut der Hälfte Autobahnanteil. Um sechs Liter sollten also im Mischbetrieb erzielbar sein. Preislich beginnt der Stonic in der Basisausstattung "Core" mit 100 PS bei 23.790 Euro. Unser Testwagen rangierte am anderen Ende der Skala: 31.290 Euro werden für die GT-Line mit Automatik fällig. Nur hier gibt es ein Glasschiebedach (990 Euro) als Extra, Farben außer Uni-Weiß kosten 690 Euro. Wir würden sagen: "Spirit" für 29.890 Euro genügt, zwingenden Mehrwert bietet die GT-Line nicht. Zudem ist bei "Spirit" ein Assistenzpaket für die DCT-Version nur optional. So kann man sich gewisse Bevormundung im wahrsten Wortsinne sparen. Trotz sieben Jahren Garantie ist der Stonic kein absolutes Schnäppchen mehr. Immerhin: Ein vergleichbar motorisierter VW T-Cross kostet als R-Line fast 35.000 Euro, ein Opel Mokka Ultimate ähnlich, aber mit 145 PS. Fazit: 7/10 Optisch vermag der neue Stonic zu überzeugen. Knackpunkte sind aber die nur mäßigen Motorisierungen und ein im Maßstab dazu recht hoher Preis. Hier gilt es abzuwägen: Möchte man modisch den letzten Schrei haben oder genügt auch das technisch ähnliche "alte" Modell? Pro Raumangebot Bedienung Komfort Kontra mäßige Motorisierung Materialauswahl Preisgestaltung