Kia schickt mit dem EV5 einen weiteren Baustein seiner BEV-Offensive auf die Straße. Das Format passt exakt ins Herz des Markts. Kompakt-SUV, klare Kante, viel Nutzwert. Auf dem Media Drive rund um Barcelona zeigte der Fünfsitzer, wie ernst es Kia mit Alltagstauglichkeit, Effizienz und Raumangebot meint. Der EV5 positioniert sich als elektrische Alternative zum Sportage und als Bindeglied zwischen EV9 und EV3. Der Auftritt wirkt selbstbewusst. Markante Flächen, scharf gezeichnete Kanten, das Kia typische Star-Map-Licht vorn und hinten. In Weiß mit schwarzen GT-Line-Akzenten steht der Wagen breit und satt auf der Straße. Der EV5 wirkt optisch größer als er ist, ohne aufdringlich zu werden. Das trifft einen Nerv in einem Segment, das von weichgespülten Formen dominiert wird. Kia EV5 (2026) im Test Platz und Komfort Im Innenraum trumpft der Kia so richtig auf. Vorn sitzt man sehr bequem, hoch und mit viel Seitenhalt. Eine klassische Mittelkonsole gibt es nicht. Stattdessen viel luftiger Raum, ein großes offenes Fach am Boden und eine schwebende Konsole mit massig Ablagen. Materialien und Verarbeitung hinterlassen einen hochwertigen Eindruck. Die Ambientebeleuchtung zieht sich dezent durch den Innenraum. Hinten geht es fast noch großzügiger zu. Das Beinangebot fällt enorm aus, die Sitzfläche ist angenehm, der Boden liegt für ein BEV erfreulich niedrig. Dadurch stimmt der Kniewinkel. Die Rückenlehnen lassen sich neigen. Das ergibt eine entspannte Fast-Schlaf-Position auf langen Etappen. Dazu kommt ein großer Pluspunkt. Das optionale Panoramaglasdach kann (elektrountypisch) geöffnet werden. In einem Elektro-SUV ist das selten. Es bringt Licht und Luft, ohne den Geräuschkomfort spürbar zu verschlechtern. Kia EV5 (2026) im Test Der Kofferraum ist alltagstauglich dimensioniert. 566 Liter stehen bei aufgestellter Rückbank bereit. Bei umgelegten Lehnen entsteht eine ebene Ladefläche mit bis zu 1.650 Litern. Vorn sitzt zusätzlich ein 44,4 Liter Frunk für Kabel und Kleinkram. Praktisch gedacht, solide umgesetzt. Ab Earth gibt es eine 220 Volt Steckdose im Gepäckraum und V2L-Funktionen. Das erweitert den Einsatzbereich im Alltag und beim Camping. Infotainment und Bedienung Beim Infotainment fährt der EV5 mit einem dreiteiligen Panoramadisplay vor. Fahrerinfo links, Infotainment rechts, dazwischen ein separates Klimadisplay. Die Grafik ist scharf, das Head-up-Display liefert klare Hinweise. Zwei Punkte stören. Das Klimapanel liegt teilweise hinter dem Lenkradkranz. Und unter dem Hauptscreen sitzen berührungsempfindliche Schnellwahltasten. Wer die Hand beim Tippen abstützt, trifft diese Flächen oft ungewollt. Sehr positiv fällt die Reihe echter Klimaschalter in der Konsole auf. Die Bedienung gelingt damit blind und schnell. Kia EV5 (2026) im Test Die Assistenzabteilung wirkt vertraut. Tempowarnung und Spurhalter lassen sich mit einem langen Tastendruck schnell ausschalten. Der kamerabasierte Aufmerksamkeitsassistent steckt tiefer im Menü. Trotz reduzierter Helfer meldet sich das System immer wieder mit Piepsern, ohne dass die Ursache sofort erkennbar ist. Das kostet Nerven, ändert aber nichts an der souveränen Langstreckentauglichkeit. Antrieb und Fahrverhalten Unterm Blech arbeitet die 400-Volt-Variante der Konzernplattform. In Deutschland startet der EV5 mit Frontantrieb, 160 kW Leistung und 295 Nm Drehmoment. Die 81,4-kWh-Batterie ermöglicht in der GT Line laut WLTP bis zu 505 Kilometer. 0 bis 100 km h in 8,4 Sekunden, Spitze 165 km h. Geladen wird mit 11 kW AC und bis zu 150 kW DC. Der Sprung von 10 auf 80 Prozent dauert laut Datenblatt etwa 30 Minuten. Auf der Straße zeigt der Kia ein klares Profil. Die Beschleunigung wirkt ausreichend, aber nicht brachial. Im Sportmodus spricht der Antrieb spontaner an, die reine Kraftentfaltung bleibt dennoch gelassen. Der Fokus liegt auf Effizienz. Auf anspruchsvollen Bergstraßen rund um Barcelona stand am Ende ein Testverbrauch von 16,2 kWh auf 100 Kilometer. Das ist beachtlich. Die Rekuperation lässt sich über Wippen am Lenkrad feinjustieren. Bis hin zu einem One-Pedal-ähnlichen Fahrgefühl. Kia EV5 (2026) im Test Das Fahrwerk arbeitet eher straff, filtert kurze Stöße sauber und hält die Karosserie in Kurven ordentlich im Griff. Bei Nässe ringen die Vorderräder beim Herausbeschleunigen aus engen Kehren um Traktion. Die Regelsysteme greifen früh ein und nehmen spürbar Leistung weg, bis das Lenkrad wieder gerade steht. Die Lenkung überzeugt. Im Normalmodus leichtgängig und präzise. Im Sportmodus mit angenehmem Handmoment und guter Rückmeldung. Dazu passt der feine Geräuschkomfort. Bis 120 km/ h bleibt es im Innenraum sehr leise. Preise und Ausstattung Bei den Preisen ordnet sich der EV5 im oberen Mittelfeld ein. Air startet bei 45.990 Euro. Earth kostet 48.990 Euro. Die GT Line steht mit 51.990 Euro in der Liste. Der getestete Wagen mit DriveWise-Paket, Panorama-Schiebedach und Sonderlack lag bei 56.070 Euro. Ab Earth sind Wärmepumpe, V2X Vorbereitung und mehr Komfort an Bord. In der GT Line kommen unter anderem Projektor-LED Scheinwerfer, veredelte Optik und auf Wunsch das große Assistenzpaket mit 360-Grad-Kamera und Head up hinzu. Unterm Strich liefert der Kia EV5 genau das, was viele Käufer in diesem Segment suchen. Viel Platz, entspannte Fahrleistungen, geringer Verbrauch, leiser Auftritt. Die Bedienung punktet mit echten Tasten, hat aber mit dem Klimapanel und den Schnellwahltasten zwei Schwachstellen. Die Traktion bei Nässe limitiert den Vortrieb aus engen Kurven. Der Rest der Fahrdynamik passt. Wer ein praktisches BEV für Familie und Reise sucht, sollte den EV5 ernsthaft in Betracht ziehen. Noch mehr Eindrücke, alle Messwerte, eine große Fotogalerie und die vollständigen Tabellen finden Sie im ausführlichen Fahrbericht auf InsideEVs.de. Hier geht es zum kompletten Test mit allen Details.