Traue keiner Statistik: Im Schnitt 33.150 Euro hätten private Autokäufer in Deutschland im Jahr 2025 für einen Benziner ausgegeben. Eine Menge Holz ist das aber immer noch für viele Interessenten. Kein Wunder, dass Marken wie Dacia oder MG immer beliebter werden. Dort gilt noch der einstige Ford-Slogan: Viel Auto fürs Geld. Natürlich darf man sich vom Kürzel MG nicht blenden lassen. Die Autos dieser Marke kommen längst aus China. Apropos China: Dort befeuert man derzeit eine Rabattschlacht, die an alte Zeiten des Winterschlussverkaufs erinnert. Motto: Wer bietet weniger? BYD drückt seine Autos mit teils fünfstelligem Discount in den Markt, ganz frisch will der GWM Haval Jolion Pro für unter 25.000 Euro punkten. Bildergalerie: MG ZS (2026) im Test Ein Kompakt-SUV für unter 25.000? Haben wir schon längst, dürfte MG müde lächeln. Seit Herbst 2024 gibt es die aktuelle Generation des 4,43 Meter langen ZS bei uns. Vor rund einem Jahr ergänzte ein Benziner das Modellprogramm. Grundpreis: 20.990 Euro. Knapp über 6.000 ZS wurden 2025 in Deutschland neu zugelassen, das ist ungefähr das Niveau eines Nissan Juke. Lange Rede, kurzer Sinn: Lohnt sich das Basismodell? Schnelle Daten MG ZS Benziner (2026) Motor Vierzylinder-Saugbenziner, 1.495 ccm Getriebe Fünfgang-Schaltgetriebe Leistung 85 kW (116 PS) Drehmoment 148 Nm bei 4.500 U/min Kofferraumvolumen 443 - 1.457 Liter Preis ab 20.990 Euro Exterieur Betrachten wir uns zunächst das Äußere des ZS: "Ohne besondere Vorkommnisse" könnte man fast schreiben. Keinerlei Extravaganz stört das Auge, hier ein Hauch Tiguan, dort eine Prise diverser asiatischer SUVs. Noch am markantesten ist der relativ große Grill. MG ZS (2026) im Test Ausgesprochen gut gefällt uns die Gratis-Farbe "Emerald Green", eine zarte Huldigung an die britischen Wurzeln der Marke MG. Die von uns getestete Comfort-Ausstattung bietet serienmäßig 17-Zoll-Leichtmetallfelgen. Und etwas Chrom, der die Optik des ZS klar aufwertet. Abmessungen und Gewichte MG ZS Benziner (2026) Länge 4.430 mm Breite 1.818 mm Höhe 1.635 mm Radstand 2.610 mm Kofferraum 443 - 1.457 Liter Leergewicht 1.260 kg (Comfort) Zuladung 650 kg Stützlast n.b. Anhängelast 500 kg Interieur Hier holt der ZS definitiv die meisten Pluspunkte in unserer Redaktion. Im Gegensatz zu einem Dacia Duster dominieren im Innenraum nicht Hartplastik, sondern unterschäumte Kunststoffe und Kunstlederbezüge auf Armaturenbrett, Lenkrad und Sitzen. Zumindest in der von uns getesteten Comfort-Ausstattung, aber auch "Standard" liefert mit stoffartigen Überzügen ein ansprechendes Bild. Hinzu kommen silber abgesetzte Lüftungsdüsen plus viele Ablagen. All das gut verarbeitet und wertig. Überraschend ist angesichts des niedrigen Preises die elektrische Verstellung des Fahrersitzes. Auch das Platzangebot hat uns positiv überrascht: Vorne wie hinten ist wirklich viel Raum, ins Heck passen sehr ordentliche 443 Liter im Normalzustand. Ein Touchscreen samt CarPlay und Android Auto ist im ZS stets Serie, in der Benziner-Topversion Comfort ist er 12,3 Zoll groß. Für gewisse Funktionen wie etwa die Lautstärke sind große physische Tasten darunter angebracht. Eine Klimaautomatik gibt es nicht, die manuelle Klimaanlage wird per Touch gesteuert. In "Comfort" ist eine 360-Grad-Kamera inklusive, die Linse der Rückfahrkamera ist leider zu tief angebracht. Bilder von: Motor1.com Deutschland Alles prima also? Natürlich gibt es auch Schatten: Die Sitze sind zu weich und geben kaum Seitenhalt. Es gibt zwar ein großes Instrumentendisplay, aber eben nicht für Tacho und Drehzahl, die daneben mit Digitalziffern im Stil der 1980er angezeigt werden. Verschenkter Platz, zumal die Tankanzeige zu kleinteilig dargestellt ist. Das Display ist im Dunkeln viel zu hell, auch auf niedrigster Stufe. Zudem gibt sich die Software bisweilen erratisch. Einmal funktioniert der "Dark Mode", dann wieder nicht. Zitat eines Kollegen: "Wenn ich auf "Bildschirm aus" gehe, dann soll das auch so bleiben, bis ich wieder aufs Display tippe. Stattdessen springt der Bildschirm schon bei einer Lautstärke-Änderung oder "nächster Titel" wieder an. Was soll das? Ultranerviger Software-Bug." Auch die Kopplung eines Smartphones per Bluetooth konnte sich der ZS nicht bis zum nächsten Tag merken. In diesem Bereich sollte MG deutlich nachbessern. MG ZS (2026) im Test Und noch ein Minuspunkt: Der ZS macht denselben Fehler wie der MG3, obwohl er das größere Auto ist. Daher muss das Absicht sein: der Abstand zwischen den Pedalen im Fußraum ist viel zu eng. Mit Winterstiefeln nochmal krasser. Erneut der Kollege: "Ich bilde mir das nicht ein, mein Skoda Octavia hat seine Pedale viel weiter auseinander. Ich muss mich echt konzentrieren, die Bremse zielsicher zu treffen." Antrieb/Fahreindrücke Unter dem Blech ist der MG ZS Benziner (es gibt auch noch einen Vollhybrid mit Automatik) in der heutigen Neuwagen-Landschaft fast schon ein Einhorn. Denn er setzt wie auch der MG3 auf einen 1,5-Liter-Vierzylinder ohne Turbo und ein Fünfgang-Schaltgetriebe. Ergo muss man nach alter Väter Sitte fahren: Ordentlich Drehzahl geben, erst bei 4.500 U/min stehen die maximalen 148 Nm Drehmoment bereits. Fahrleistungen und Verbrauch MG ZS Benziner (2026) 0 - 100 km/h 12,5 Sek. Höchstgeschwindigkeit 179 km/h Verbrauch 6,5 Liter/100 km (WLTP) CO2-Emissionen 145 g CO2/km (WLTP) Damit wir uns nicht nicht falsch verstehen: Einen Ziegelstein auf dem Gaspedal braucht es nicht, der ZS hängt gut am Gas. Aber ein entspanntes Naturell, das mit 12,5 Sekunden auf Tempo 100 leben kann, ist sicher von Vorteil. Spätestens dann plärrt einen die Maschine an, es fehlt der sechste Gang im knöchern einrastenden Getriebe. Bei 130 km/h jagen 3.600 Touren in die Gehörgänge. Der Sauger ist allemal ausreichend, um zwischen Stadt, Vorstadt und Land zu pendeln. Auf der Autobahn fehlt die Spritzigkeit. Ein weiteres kleines Manko: der Tempomat ist erst ab 40 km/h verfügbar. MG ZS (2026) im Test Und: Auch ein Kurvenkünstler ist der MG ZS definitiv nicht, dazu passt die im Normal-Modus rückmeldungsarme und wenig präzise Lenkung. Erst in "Sport" wird es etwas präziser. Manierlich ist hingegen der Federungskomfort. Ein kommodes Dahingondeln im besten Sinne. Verbrauch/Preis In diesem Kapitel schlägt die große Stunde des MG ZS. An der Tankstelle macht er sich besser als erwartet. 6,8 Liter auf 100 Kilometer sind angesichts der oft hohen Drehzahlen in Ordnung, MG selbst gibt 6,5 Liter an. Zumal die Preisgestaltung beim ZS noch Spielraum lässt für die ein oder andere Spritrechnung. In der bereits erwähnten Topausstattung "Comfort" ist viel enthalten, so ein Navi oder die Sitzheizung vorne, LED-Scheinwerfer und schlüsselloser Zugang. Und das ab 23.990 Euro. Extras abseits der Farben sieht MG nicht vor. Prima: Sieben Jahre oder 150.000 Kilometer Garantie. Ist der ZS also unangefochtener Discount-König? Nicht ganz. Der Dacia Duster fährt mit neuem 120-PS-Turbobenziner, der auch noch einen LPG-Tank hat, in der ordentlichen Expression-Ausstattung ab 20.890 Euro vom Hof. Sechs Gänge inklusive. Schon ab 18.990 Euro beginnt der KGM Tivoli Essential mit 163-PS-Turbobenziner, ebenso der Citroën C3 Aircross mit 100-PS-Turbo. Und aus China kommt ganz frisch der GWM Haval Jolion Pro mit 177 Turbo-PS und Automatik ab 24.990 Euro. Oder man sucht nach Jahreswagen etablierter Marken wie VW, Skoda oder Opel. Fazit: 6/10 Wie der MG3 überzeugt auch der ZS als Brot-und-Butter-Auto zum fairen Preis, der definitiv seine Zielgruppe hat. Insbesondere jene Kunden, die ihren neuen Verbrenner ganz klassisch mögen: Als Sauger mit Schaltgetriebe. Wir würden aber sagen: Wenn ZS, dann den Vollhybrid, der bei 25.990 Euro beginnt.