Das Kürzel VZ, abgeleitet vom spanischen Wort "veloz" für schnell, verspricht bei Cupra traditionell die sportliche Speerspitze. Wenn dann noch der Zusatz "Extreme" dazukommt, sind die Erwartungen hoch. Bisher war das ein Garant für kompromisslose Performance. Nun ziert diese Buchstabenkombination auch den überarbeiteten Cupra Leon als Plug-in-Hybrid. Ein 272 PS starker Teilzeitstromer mit martialischer Optik und sportlichem Anspruch: Kann dieser Spagat zwischen ökologischem Gewissen und extremer Dynamik gelingen? Die stärkste Plug-in-Hybrid-Variante VZ Extreme e-Hybrid mit 272 PS will sportliche Fahrer ansprechen, die elektrisch pendeln und am Wochenende Dampf ablassen wollen. Ob das gelingt, haben wir bei winterlichen Bedingungen geprüft. Unser erster kurzer Fahrbericht des Kombi-Modells vor einem Jahr offenbarte bereits einige Stärken und Schwächen. Springen Sie direkt zu: Karosserie | Antrieb | Fahrverhalten | Infotainment/Bedienung | Kosten | Fazit Modell Cupra Leon VZ Extreme e-Hybrid Segment Kompaktklasse Leistung 200 kW / 272 PS (Systemleistung) Antrieb Front, 6-Gang-DSG Motor 1,5-Liter-TSI-Benziner + E-Motor Beschleunigung 0–100 km/h 7,1 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 229 km/h Länge / Radstand 4.399 mm / 2.684 mm (geschätzt) Kofferraum 270 Liter Grundpreis (VZ Extreme) 56.265 Euro Preis des Testfahrzeugs 57.680 Euro Karosserie / Innenraum Der Leon wirkt geduckt, breit und angriffslustig. Die Sharknose mit großem Kühlergrill und integriertem Cupra-Logo auf der Motorhaube verleiht ihm eine kämpferische Präsenz. Die dreieckigen Matrix-LED-Scheinwerfer unterstreichen den technischen Anspruch. Das Facelift hat dem Kompakten gutgetan, auch wenn die großflächigen Kühlluftöffnungen vorn mit sichtbarer Technik polarisieren. Am Heck sorgt das durchgehende Leuchtband mit beleuchtetem Cupra-Schriftzug für eine stimmige Signatur, die vor allem nachts Wirkung zeigt. Die 19-Zoll-Leichtmetallräder in Polar Black mit Kupferakzenten passen zum sportlichen Auftritt und betonen die tiefe Lage. Ebenfalls Kupfer tragen die angedeuteten Endrohre. Bilder von: Motor1.com Deutschland Innen schafft Cupra eine hochwertigere Atmosphäre als die Konzerngeschwister. Kupferfarbene Akzente an den Lüftungsdüsen, Ziernähte, Kunstleder und wenig harter Kunststoff vermitteln Wertigkeit. Die Ambientebeleuchtung mit parametrischen 3D-Mustern am Armaturenbrett setzt dezente Akzente. Das digitale Cockpit hinter dem Lenkrad lässt sich gut individualisieren, ein Head-up-Display gibt es allerdings nicht. Die Musikanlage mit zwölf Lautsprechern wurde zusammen mit Sennheiser entwickelt und liefert klare Höhen sowie kräftige Bässe. Die Platzverhältnisse fallen kompakttypisch aus. Vorne sitzt man gut und auch hinten hat man für ein Kompaktmodell erstaunlich viel Platz, starrt aber auf die voluminösen Rückenlehnen der Sportsitze.. Der Kofferraum fasst wegen der 19,7-kWh-Batterie nur 270 Liter, deutlich weniger als im konventionellen Leon. Für den Wocheneinkauf reicht es, Urlaubsgepäck für vier Personen wird zur Tetris-Aufgabe. Viel ärgerlicher ist allerdings das dadurch fehlende Unterflurfach, wodurch die Kabeltaschen im Kofferraum reisen müssen und viel vom ohnehin knappen Platz rauben. Bilder von: Motor1.com Deutschland Besonderes Augenmerk verdienen die "Cupra CUP" genannten Supersport-Schalensitze, die in der VZ Extreme-Ausstattung serienmäßig verbaut sind. Sie sehen mit ihrem Materialmix aus upgecyceltem Seaqual Yarn und Dinamica mit 73 Prozent recyceltem Polyester stylisch aus und wirken extrem sportlich. Die Polsterung ist straff, die Seitenwangen eng geschnitten. Wer schlank gebaut ist, findet guten Seitenhalt. Alle anderen empfinden die Sitze auf Dauer als unbequem, weil sie sehr hart ausfallen und wenig Komfort bieten. Für ein kompromissloses Sportmodell wie den reinen Benziner VZ mit 300 PS wären sie angebracht. Im Plug-in-Hybrid wirken sie fehl am Platz. Hier würde man sich weichere Polster wünschen, die den Komfortanspruch eines Teilzeitstromers besser bedienen. Abmessungen und Kofferraum Cupra Leon VZ Extreme e-Hybrid Länge 4.399 mm Breite (ohne Spiegel) 1.799 mm Höhe 1.467 mm Radstand 2.684 mm Kofferraum 270 Liter Leergewicht 1.708 kg Zul. Gesamtgewicht 2.140 kg Antrieb Auf dem Datenblatt klingt der Antrieb vielversprechend: Ein 1,5-Liter-TSI mit 150 PS kombiniert mit einem Elektromotor ergibt 272 PS Systemleistung. Die 19,7-kWh-Batterie verspricht über 120 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP, Schnellladen mit bis zu 50 kW soll unterwegs möglich sein. In der Praxis zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Rein elektrisch fährt der Leon angenehm und ausreichend spritzig. Bei winterlichen Temperaturen lagen realistisch 60 bis 70 Kilometer drin. Der Verbrauch im Stadtbetrieb pendelte sich bei 24,5 kWh pro 100 Kilometer ein. Das ist ordentlich, aber keine Bestleistung. Wer täglich kurze Strecken pendelt und regelmäßig lädt, kann weitgehend elektrisch unterwegs sein. Sobald der Benziner zuschaltet, wird es unrund. Beim Anfahren startet der Leon elektrisch, schaltet dann verzögert den Verbrenner zu, was zu spürbaren Pausen und gelegentlich durchdrehenden Rädern führt. Der Benziner wird ständig ein und ausgeschaltet, selbst im sportlichen Cupra-Modus. Das sorgt für Rucke, Verzögerungen und eine unangenehme Geräuschkulisse. Unter Last klingt der 1,5-Liter-Vierzylinder angestrengt, der Soundaktuator verstärkt das eher unharmonisch. Sportlich gefahren macht der spürbare Elektroboost durchaus Spaß, die Gesamtabstimmung bleibt aber unausgewogen. Mit leerem Akku als Vollhybrid steigt der Verbrauch in der Stadt auf knapp zehn Liter, trotz Hybridisierung. Das können andere besser. Über Land bei sparsamer Fahrweise lagen 6,2 Liter an. Auf der Autobahn bei konstant 170 km/h oder mehr waren es rund 9,5 Liter. Angemessen für die Leistung, aber weit entfernt von den WLTP-Normwerten. Negativ fällt der kleine Tank auf. Selbst unter optimalen Bedingungen liegt die Gesamtreichweite deutlich unter 500 Kilometern. Die Batterie-Haltefunktion arbeitet zudem nur eingeschränkt, weil der Ladestand schleichend sinkt. Motor und Antrieb Cupra Leon VZ Extreme e-Hybrid Motor 1,5-Liter-R4-Benziner + E-Motor Systemleistung 200 kW / 272 PS Systemdrehmoment Nicht spezifiziert Getriebe 6-Gang-DSG Antrieb Frontantrieb Beschleunigung 0–100 km/h 7,1 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 229 km/h Verbrauch ECE (kombiniert) 1,4 - 1,5 l/100 km Fahrverhalten Das Fahrwerk ist grundsätzlich sehr steif ausgelegt, was bei einer Sportmarke wie Cupra Sinn ergibt. Mit dem adaptiven DCC-Fahrwerk lässt sich im Individualmodus stufenlos von weich bis hart verstellen. Im Komfortmodus wirkt das Setup allerdings unausgewogen: Die Federn sind sehr straff, die Dämpfer zu weich. Das Auto wippt nach und wirkt an der Vorderachse unruhig. In Sport oder Cupra beziehungsweise mit harter Dämpfereinstellung wird es stimmig, aber sehr straff bis hart. Für ein kompromissloses Sportmodell wäre das passend, hier im Plug-in-Hybrid ist es insgesamt zu hart. Die Bremsen sind hingegen hervorragend. Knackiger Druckpunkt, sehr starke Verzögerung, sehr vertrauenserweckend. Auch das Überblenden von Rekuperation zur mechanischen Bremse funktioniert nahtlos. Die Lenkung überzeugt durchweg. Große Spreizung zwischen leichtgängiger Komforteinstellung und straffer, rückmeldefreudiger Abstimmung im Cupra-Modus. Sport ist ein guter Mittelweg. Sie ist präzise und gibt gutes Feedback, selbst auf Winterreifen. In Kurven liegt der Leon satt und vermittelt Sicherheit. Die Vierlenkerachse sorgt für gute Traktion, die elektronische Differenzialsperre XDS unterstützt bei dynamischer Fahrweise. Infotainment/Bedienung Das Infotainmentsystem wurde deutlich überarbeitet und ist jetzt übersichtlicher. Der serienmäßige 12,9-Zoll-Touchscreen bietet Shortcuts, beleuchtete Schieberegler für Lautstärke und Klimasteuerung sowie mehrere Bedienwege über Touch, Lenkrad oder Sprache. Die Klimasteuerung ist nahtlos ins Hauptgerät integriert, sodass alle Fahrzeugfunktionen mit wenigen Klicks erreichbar sind. Bilder von: Motor1.com Deutschland Wireless Full Link mit Apple CarPlay und Android Auto funktioniert problemlos, kabelloses Schnellladen mit bis zu 15 Watt samt Kühltechnologie ist möglich. Das digitale Cockpit hinter dem Lenkrad lässt sich gut individualisieren und liefert alle wichtigen Informationen übersichtlich. Die My Cupra App bietet bei den e-Hybrid-Versionen zusätzliche Funktionen wie Fernsteuerung der Klimatisierung, Verwaltung des Ladevorgangs und Fahrzeugverriegelung aus der Ferne. Kosten Mit einem Basispreis von 56.265 Euro für den VZ Extreme e-Hybrid ist der Cupra Leon wahrlich kein Schnäppchen. Das Testfahrzeug kam mit Außenfarbe Dark Void Metallic (1.160 Euro) und Ladekabel Mode 3 (255 Euro) auf 57.680 Euro. Dafür gibt es serienmäßig 19-Zoll-Leichtmetallräder, Matrix-LED-Scheinwerfer, DCC-Fahrwerk, 12,9-Zoll-Infotainment, Virtual Cockpit, elektrische Sitze mit Memory, Travel Assist und eine Drei-Zonen-Climatronic. Der direkte Konzernbruder VW Golf GTE startet aktuell bei rund 48.490 Euro, bietet allerdings deutlich weniger Leistung (245 PS) und eine kleinere Batterie. Ein gleich starker Audi A3 Sportback TFSI e 200 kostet ab 48.880. Beide Konzernverwandte sind etwas günstiger, aber auch zurückhaltender abgestimmt. Sportlichere Alternativen ohne Stecker sind dagegen rar geworden. Wie wäre es mit dem 325 PS starken Verbrenner-Bruder Leon VZ ab 50.585 Euro? Ein anderer Kandidat wäre der BMW 135i xDrive mit 300 PS, der ab 57.900 Euro zu haben ist. Staatliche Förderung gibt es allerdings nur für die Hybriden: Bis zu 4.500 Euro vom Bund plus 1.500 Euro Cupra e-Hybrid-Prämie (bis 31. März 2026) reduzieren den Preis auf effektiv unter 52.000 Euro. Trotzdem bleibt der Leon VZ Extreme e-Hybrid ein vergleichsweise teures Vergnügen. Fazit 7,5/10 Der Cupra Leon VZ Extreme e-Hybrid ist ein Auto mit zwei Gesichtern. Rein elektrisch fährt er angenehm und alltagstauglich, sportlich gefordert zeigt er mit kräftigem Elektroboost, präziser Lenkung und starken Bremsen durchaus Potenzial. Die Probleme liegen in der Abstimmung: Der ständig ein und ausschaltende Benziner stört mit Rucken und unangenehmer Akustik, das zu straffe Fahrwerk passt nicht zur Komfortorientierung eines Plug-in-Hybrids, die sehr harten Schalensitze wirken fehl am Platz. Wer den Leon hauptsächlich elektrisch nutzt und gelegentlich sportlich fahren will, kann mit dem Auto leben. Wer jedoch einen harmonisch abgestimmten Plug-in-Hybrid oder ein konsequentes Sportgerät sucht, wird woanders glücklicher. Der Golf GTE ist komfortabler, der Honda Civic Type R kompromissloser. Der Cupra Leon VZ Extreme e-Hybrid bleibt ein interessanter Versuch, beide Welten zu verbinden, scheitert aber an seiner unausgewogenen Abstimmung.