Futuristische Linien, überdimensionierte Räder, "Turbo"- und "4x4"-Aufkleber, die Leistungen versprechen, die nie Realität wurden: Der AMC AM Van Concept zählt zu den ikonischsten US-Prototypen der späten 1970er-Jahre. Ein Einzelstück ohne Motor, das lediglich als Designstudie diente, wurde kürzlich bei RM Sotheby's für rund 72.000 US-Dollar (etwa 60.000 Euro) versteigert. Das Sammlerinteresse scheint auch ohne Antrieb groß und zeigt, das dieses Projekt fest im Gedächtnis vieler Fans verankert ist. Die große Mehrheit aber hat ihn längst vergessen. Ein ungewöhnliches Projekt Das AM Van Concept entstand 1977 im Rahmen des Programms "Concept 80". Eine Promotion-Tour, auf der die American Motors Corporation (AMC) ihr Image wieder aufpolieren wollte. Zu einer Zeit, in der die Energiekrise und tiefgreifenden Marktveränderungen die Dynamiken der Autobranche beherrschten. AMC AM Van Concept (1977) Unter der Designleitung von Richard Teague, dem Gestalter von Modellen wie AMX und Javelin, entwickelte das Styling-Team sechs Prototypen. Diese wurden in sieben nordamerikanischen Städten gezeigt. Zwischen kompakten Studien, einem kleinen Elektroauto im Science-Fiction-Look und einem verkleinerten Jeep-Prototypen erhielt ausgerechnet der AM Van in Publikumsbefragungen die größte Zustimmung. Technisch betrachtet handelt es sich um einen reinen "Styling Buck": ein Holzrahmen, eine Karosserie aus GFK, kein Antriebsstrang und nicht funktionsfähige Türen. Die auffälligen seitlichen Auspuffattrappen sind reine Dekoration. Der nur teilweise fertiggestellte Innenraum sieht drei nebeneinander angeordnete Sitzplätze und großzügige Glasflächen vor. Allrad und Turbo – zumindest auf dem Papier AMC AM Van Concept (1977) Das AMC-Design mischt Anleihen aus der Muscle-Car-Welt mit Minivan-Proportionen: verbreiterte Kotflügel, eine stark geneigte Front und sehr üppig dimensionierte Räder. Die "Turbo"- und "4x4"-Badges deuten auf die Idee eines kleinen Turbomotors in Kombination mit Allradantrieb hin. Eine Lösung, die AMC tatsächlich erst 1980 mit dem Eagle einführte. Auch wenn der AM Van nie in Serie ging, nahm er die spätere Verbreitung kompakter Vans in den USA und auf der ganzen Welt vorweg. Kollegen von Dodge und vor allem Van-Ikonen wie der Renault Espace folgten ihm. Auch der Allradantrieb ist im Massenmarkt inzwischen weit verbreitet. Und natürlich trägt er die schrulligen Eigenheiten von Pacer und Gremlin. 35 Jahre lang wurde dieses Einzelstück in einer spezialisierten Sammlung aufbewahrt und im Originalzustand von 1977 erhalten. Heute gilt er als seltenes historisches Dokument der US-Autoindustrie – ganz ohne Antrieb, passendes Fahrgestell, Blech oder überhaupt einsteigen zu können.