Die Geschichte des Skoda 782 und der gesamten Favorit-Familie ist ein Lehrstück über automobilen Überlebenswillen im Ostblock. Nachdem mehrere Versuche einer gemeinsamen Fahrzeugentwicklung zwischen der DDR und der CSSR gescheitert waren – zuletzt im November 1979 das ambitionierte Projekt 760 –, entschieden die Verantwortlichen in Mladá Boleslav, die Arbeit im Alleingang fortzusetzen. Während die DDR-Staatsführung aus Geldmangel und mangelnder Weitsicht ihre Planungen beerdigte, entstand bei Skoda bereits 1981 der Prototyp 781 SV 1. Mit Frontantrieb, 3,99 Metern Länge und einem 55 PS starken Vierzylinder entsprach dieser Wagen optisch dem damaligen Golf-Niveau und erinnerte an zeitgenössische Modelle wie den Opel Kadett D. Bildergalerie: Skoda 782/Favorit Stufenheck (1986) Im Laufe des Jahres 1981 experimentierte Skoda intensiv weiter. Fahrfähige Prototypen wurden gebaut, wobei man teilweise auf pragmatische Lösungen wie Scheinwerfer vom Lada 2105 zurückgriff. Das Ziel war jedoch klar definiert: Bis auf die Gleichlauf-Gelenkwellen sollten alle Zulieferkomponenten aus der DDR ersetzt werden. 1982 verschärfte eine Sonderkommission der tschechoslowakischen KP die Vorgaben. Das Leergewicht durfte 780 Kilogramm nicht überschreiten, und die Entwicklung musste bis Juni 1985 abgeschlossen sein. Da man das neue Auto als wichtigen Devisenbringer ansah, forderte die Parteiführung ausdrücklich ein Design im "italienischen Stil". Bares für Wahres von Bertone Chefentwickler Petr Hrdlička fackelte nicht lange und reiste zum Genfer Autosalon 1983. Da Pininfarina bereits vergeben war, klopfte er bei Bertone an. Ein Glücksgriff für Skoda: Für 28 Millionen Kronen lieferte Stile Bertone insgesamt 19 Prototypen in vier Varianten – Fließheck, die Stufenheck-Limousine 782, einen Kombi und ein schickes Coupé. Skoda Favorit Fünftürer Unter der Ägide von Chefdesigner Marc Deschamps entstand ein kantiger Look, der für die heimischen Zulieferer zwar etwas "versachlicht" werden musste, aber dennoch Weltniveau besaß. Im August 1984 stand der erste Entwurf in Originalgröße, und bis März 1985 entstanden sechs "S 781 B"-Prototypen. Einer davon ging zur Kur nach Weissach zu Porsche, wo die Ingenieure dem Fahrwerk und der Motorlagerung den letzten Schliff verpassten. Am 16. September 1987 war es schließlich so weit: Auf der Maschinenbaumesse in Brünn debütierte der Serienwagen als Skoda Favorit – eine Reminiszenz an ein Vorkriegsmodell und der Abschied von den spröden Ziffernkombinationen. Hrdlička betonte später stolz, dass die Eigenentwicklung mit ausländischer Hilfe nur 210 Millionen Kronen gekostet habe – eine westliche Lizenz hätte das Fünffache verschlungen. Der Skoda 782 war Teil einer groß angelegten Modelloffensive. Neben dem bekannten Schrägheck (781) und der Limousine (782) entstanden Prototypen für den Kombi 785 (der später als Forman tatsächlich in Serie ging), ein dreitüriges Coupé namens 783. Dazu der Pick-up 787 und eine Art Hochdachkombi mit verlängertem Radstand ("Sanitka"/Ambulanz) unter der Nummer 788. Skoda 782/Favorit Stufenheck (1986) Skoda 782/Favorit Stufenheck (1986) Unter der Haube des Favorit werkelte ein 1,3-Liter-Vierzylinder mit 54 bis 68 PS, der den Wagen auf 150 km/h trieb. Ab 1989 war er auch in Westdeutschland erhältlich, in der DDR startete er erst nach der Währungsunion im Juli 1990 durch. Doch während der Favorit zum Retter der Marke wurde, fielen die von Bertone erdachten Varianten dem Rotstift zum Opfer. Nur der Kombi namens Forman schaffte es in Serie – und das auch nur unter Verwendung der Heckklappe des Fünftürers. VW stoppte das Stufenheck Die Serienproduktion des Stufenhecks war fest für das Jahr 1990 eingeplant. Auch weil die bisherigen Heckmotor-Skoda auf die Limousinen-Form setzten. Doch die politische Wende 1989 und die wirtschaftlichen Umbrüche in der damaligen Tschechoslowakei änderten die Prioritäten. Die knappen finanziellen Mittel wurden zunächst in die Qualitätsverbesserung des Schräghecks und die Vorbereitung des Kombis gesteckt. Skoda 782/Favorit Stufenheck (1986) Nach dem Einstieg von Volkswagen im Jahr 1991 wurde das Projekt 782 endgültig gestoppt. Die Wolfsburger sahen in einer Stufenheck-Limousine auf Favorit-Basis eine zu große Konkurrenz zum VW Jetta und dem ganz frischen Seat Toledo. Erst fast ein Jahrzehnt später schloss Skoda diese Lücke im Programm mit dem ersten Fabia Sedan. Heute existiert der 782 nur noch als seltenes Exponat im Skoda-Museum in Mlada Boleslav – ein Zeuge dafür, wie nah die Marke bereits Mitte der 80er-Jahre an einem vollumfänglichen, modernen Modellprogramm westlichen Standards war.