Seit Jaguar im Dezember 2024 überraschend einen radikalen Neustart eingeleitet hat, betonten die führenden Köpfe der Marke immer wieder, der Verbrennungsmotor sei ein Auslaufmodell. Im vergangenen Monat machte die Raubkatze Nägel mit Köpfen und strich den klassischen Antrieb endgültig: Der letzte F-Pace lief im britischen Werk Solihull vom Band und damit war Schluss mit Verebrenner. Alle anderen Modelle mit Benzin- oder Dieselantrieb waren ohnehin längst aus dem Programm verschwunden – damit markiert das Aus des F-Pace das Ende von Jaguars Verbrenner-Historie nach rund 90 Jahren Produktion. Bis der Type 00 später in diesem Jahr in seriennaher Form erscheint, ist Jaguar faktisch ein Hersteller ohne ein einziges Modell in laufender Produktion. In der Zwischenzeit mehren sich Hinweise, dass das Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb möglicherweise zu früh gekommen sein könnte: Einem neuen Bericht zufolge könnte Jaguars kontroverses Neustart-Gefährt nun doch einen Benziner an Bord haben. Wie The Times berichtet, wachsen intern bei Jaguar die Sorgen um die Reichweite des Type 00. Obwohl das Batteriepaket angesichts der stattlichen Abmessungen wohl großzügig ausfallen dürfte, sollen die Ingenieure demnach prüfen, einen Benzinmotor als Generator zu integrieren. Damit würde der viertürige XL-GT zu einem Elektroauto mit Range Extender (EREV) werden. Reichweitenangst mit Benzin-Generator bekämpfen Jaguar nennt für die Type-00-Studie eine elektrische Reichweite von 770 km nach WLTP sowie 692 km nach EPA. Das sind sehr solide Werte – dennoch fürchtet Jaguar laut dem Bericht, dass Käufer, die sich nicht mit Reichweitenangst auseinandersetzen wollen, abgeschreckt werden könnten. Ein Reichweitenverlängerer in Form eines Benzin-Generators würde den serienreifen Type 00 in einen Gran Turismo im wahrsten Sinne verwandeln, der bis zu 1.100 km weit kommen könnte. The Times sagt nicht, auf welchen Messzyklus sich dieser Wert bezieht – naheliegend wäre WLTP, da in Großbritannien das Worldwide Harmonised Light Vehicles Test Procedure genutzt wird. Die in London ansässige Tageszeitung beruft sich auf „mit der Situation vertraute Quellen“, die von einer laufenden „geheimen Initiative“ sprechen, bei der Ingenieure den Auftrag hätten, die Reichweite des Fahrzeugs zu erhöhen. Wie bei anderen EREVs würde der Verbrennungsmotor dabei nicht die Räder antreiben. Er diente ausschließlich als Generator, um die Batterie während der Fahrt nachzuladen. BMW gilt als einer der Pioniere dieser Technik: Schon vor mehr als zehn Jahren brachte man den i3 REx, bei dem ein Motorrad-Motor als Generator fungierte. Jaguar Type 00 Concept Eine Version mit Reichweitenverlängerer kommt wohl nicht zum Start In dem Bericht heißt es zudem, dass eine Variante mit Range Extender voraussichtlich nicht gemeinsam mit der ersten, rein elektrischen Variante des Autos in Serie gehen wird. Alternative Antriebsstränge befänden sich demnach noch in einer frühen Entwicklungsphase – ein Hinweis darauf, dass die Entscheidung, EREVs zu prüfen, erst gefallen sein könnte, als das Modell bereits weit fortgeschritten war. Auf Anfrage der britischen Zeitung wollte der Mutterkonzern Jaguar Land Rover (JLR) den Bericht nicht kommentieren. Dass er ihn nicht ausdrücklich dementierte, lässt Raum für die Annahme, dass an dem Gerücht durchaus etwas dran sein könnte. Allerdings beruft sich Autocar auf eine „hochrangige Quelle“, die den ursprünglichen Bericht als „Unsinn“ bezeichnet und behauptet, der Type 00 werde ausschließlich als reines Elektroauto verkauft. Wie so oft zuletzt bei Jaguar bleibt vieles unübersichtlich. Sollten Ingenieure tatsächlich versuchen, in ein als reines E-Auto geplantes Fahrzeug noch einen Verbrenner zu integrieren, wäre es sehr wahrscheinlich eine kleine Einheit. JLR lässt den Namen Freelander als eigenständige Marke für in China gebaute Modelle wieder aufleben – unter anderem mit Range Extendern. Entwickelt werden diese Fahrzeuge in Partnerschaft mit Chery. Der chinesische Autobauer übernimmt Konstruktion und lokale Fertigung. Ob Jaguar auf eine derartige Range Extender-Lösung zurückgreifen könnte, ist noch offen, lässt sich aber nicht ausschließen. Jaguar Typ 00 Prototypentest Motor1 meint: Offiziell soll der Type 00 auf einer „dedizierten Technologieplattform“ namens Jaguar Electrical Architecture basieren. Allerdings wirkt die auffallend lange Motorhaube seit jeher wie eine Einladung, darunter doch einen Verbrenner unterzubringen. Angesichts der großzügigen Abmessungen dürfte es zudem nicht besonders schwierig sein, einen zusätzlichen kleinen Benziner unterzubringen. Allerdings wäre eine Konstruktionsänderung zur Unterbringung eines Verbrenners teuer und würde Jaguars ohnehin fragile Lage zusätzlich belasten. Falls grünes Licht gegeben wird, dürfte die REEV-/EREV-Variante eher später im Produktzyklus kommen und dann neben dem reinen batterielektrischen Modell angeboten werden.