Man hört noch immer Leute klagen, Lamborghini habe nach der Übernahme durch den Volkswagen-Konzern Ende der 1990er-Jahre seine Seele verloren. Das mag teilweise stimmen – aber würden wir 2026 überhaupt noch über die Marke aus Sant’Agata Bolognese sprechen, wenn Wolfsburg (bzw. Ingolstadt) nicht übernommen hätte? Lamborghini hat eine turbulente Vergangenheit mit mehreren Vorbesitzern, bevor Audi ab 1998 für Stabilität sorgte. Spulen wir vor ins Jahr 2026: Das Geschäft läuft auf Hochtouren. Das vergangene Jahr war das bisher beste der Firmengeschichte hinsichtlich Umsatz und Auslieferungen. Lamborghini erzielte 3,2 Milliarden Euro und lieferte 10.747 Fahrzeuge aus – beides Rekorde. Der Stier blickt nun auf ein ereignisreiches Jahr voraus, in dem wir (mindestens) zwei neue Modelle sehen werden. Allerdings erwarten wir keine kompletten Neuzugänge für das derzeit aus drei Baureihen bestehende Portfolio. Wir sprechen also von Ableitungen bestehender Modelle. Der elektrische Lanzador wurde ja gestrichen und soll nun zu einem Plug-in-Hybrid-Auto mutieren. Das wird also noch dauern. Ganz ähnlich verhält es sich mit der zweiten Urus-Generation. Auch der Nachfolger des Erfolgs-SUV war als reines Elektroauto geplant, nun wird er erst gegen Ende des Jahrzehnts als PHEV debütieren. Bis dahin stehen 2026 Premieren beim Goodwood Festival of Speed (9.–12. Juli) sowie während der Monterey Car Week (10.–12. August) an. Welche neuen Produkte das sind, verrät das Unternehmen nicht und bleibt bewusst vage: "Lamborghini wird sein Produktangebot mit einer Reihe neuer Entwicklungen ausbauen, um die Positionierung und Attraktivität der Marke auf internationalen Märkten weiter zu stärken." Da die Auslieferungen des Huracán-Nachfolgers Temerario mit Hybrid-V8 gerade erst begonnen haben, erscheint es verfrüht, dass Lamborghini hier die Modellpalette in die Breite zieht. Stattdessen dürfte eine neue Variante des Revuelto kommen – möglicherweise als Roadster. Dass fast drei Jahre vergangen sind, seit das V12-Flaggschiff als Coupé in Produktion ging, und es noch immer kein Cabrio gibt, ist durchaus bemerkenswert. Und sonst? Nun, Lamborghini dürfte den Urus mit einer SE Performante-Variante adeln – mit einem Plug-in-Hybrid-V8, der in Summe wohl mehr als die jetzigen 800 PS leisten wird. Lamborghinis erstes SUV wird Ende kommenden Jahres zehn Jahre alt, hat aber wie erwähnt noch ein paar Jahre vor sich, ehe die zweite Generation startet. Den Blick noch weiter nach vorne gerichtet, betont Lamborghini, den Plan für das erste reine Elektroauto der Marke nicht aufgegeben zu haben: "Die jüngste Ankündigung eines vierten Hybridmodells unterstreicht eine langfristige industrielle Vision, die auf nachhaltige Wertschöpfung ausgerichtet ist – ohne die künftige Entwicklung eines vollelektrischen Modells zu beeinträchtigen." Lamborghini Lanzador EV Concept Motor1 meint: Eine überraschende Aussage – vor allem, weil CEO Stephan Winkelmann Elektroautos vor weniger als einem Monat als „teures Hobby“ bezeichnet hatte. Der Lamborghini-Chef nannte E-Autos „finanziell unverantwortlich gegenüber Aktionären, Kunden [und] unseren Mitarbeitern und ihren Familien“. Dennoch ist ein Elektroauto weiterhin geplant, dürfte aber kaum vor 2030 kommen. Bis dahin will die Marke die Attraktivität ihrer bestehenden V8- und V12-Modelle weiter erhöhen, um die Verkaufszahlen auf Rekordniveau zu halten.