Ist der Neustart der Marke Lancia gescheitert? Nun, auf eine Markteinführung in Deutschland warten wir noch immer. Und die Verkaufszahlen im Rest Europas sind dramatisch niedrig: Laut den Jahresverkaufszahlen der European Automobile Manufacturers' Association brach Lancia um 64 Prozent auf nur noch 11.754 Fahrzeuge ein. Dazu sollte man auch wissen: Die ACEA führt Lancia weiterhin zusammen mit Chrysler, obwohl sich die US-Marke offiziell schon vor rund einem Jahrzehnt aus Europa zurückgezogen hat. Allerdings gibt es nach wie vor eine Handvoll Händler, die neue Chrysler anbieten. Kein Publikumsrenner: Der neue Lancia Ypsilon Eine separate Auswertung von Dataforce, zitiert von Automotive News Europe, kommt für 2025 auf 11.719 Lancia-Neuzulassungen. Gleichzeitig entschieden sich nur 75 Käufer für einen neuen Chrysler: 72 Pacifica-Vans und drei 300C-Limousinen. Damit liegen die Lancia-Werte von Dataforce nahezu auf dem Niveau der ACEA-Zahlen – ein weiterer Beleg für den anhaltenden Abwärtstrend. Eine Erweiterung der bislang nur aus dem Ypsilon bestehenden Modellpalette wäre also dringend anzuraten. Es ist nicht auszuschließen, dass die Modellpalette bis zum Ende des Jahrzehnts um ein neues Modell erweitert wird. In diesem Kontext würde auch ein B-Segment-Crossover ins Bild passen. Offiziell bestätigt hat Lancia solche Pläne bislang nicht, allerdings ist klar: Ein Modell in dieser Klasse könnte der Marke beim Absatz erheblich helfen. Unser Rendering skizziert einen kleinen Lancia mit Crossover-Ausrichtung – möglicherweise mit einem Verweis auf die Marke Autobianchi wie beim historischen Y10 –, mit kräftigeren Proportionen als bei einem klassischen B-Segment-Modell. Die größere Bodenfreiheit, Kunststoffbeplankungen an den Radhäusern und im unteren Karosseriebereich sowie das angehobene Fahrwerk deuten auf einen vielseitigeren Einsatzzweck hin. Lancia Tau (2028), das Rendering von Motor1.com Die Front greift klar die neue Formensprache auf, die mit dem Ypsilon eingeführt wurde: Der Licht-"Kelch" ist hier markanter und dreidimensionaler interpretiert – das sorgt für mehr Präsenz auf der Straße und einen selbstbewussteren Auftritt. Auch wenn es keinerlei offizielle Bestätigung gibt, lässt sich vermuten, dass ein solches Modell am unteren Ende der Lancia-Palette positioniert werden könnte – als Ergänzung zu Ypsilon und Gamma. Der Name Tau würde sich, in Anlehnung an die zuletzt wiederbelebte Tradition griechischer Buchstaben, stimmig in die neue Markenidentität einfügen. Bildergalerie: Lancia Tau (2028) im Rendering von Motor1.com Die Abmessungen dürften kompakt ausfallen, mit einer Länge zwischen 4,0 und 4,3 Metern. Damit läge das Fahrzeug im Kern des B-Segments, jedoch mit einer robusteren, familienorientierten Auslegung. Im Innenraum wären hochwertigere Materialien, spezielle Bezüge und eine eigenständige Onboard-Technik zu erwarten – klar genug, um sich innerhalb des Stellantis-Konzerns von den übrigen Schwestermodellen abzuheben. Technisch wäre als logischer Schritt die Nutzung der Stellantis-Smart-Car-Plattform denkbar – derselben Architektur, die auch Fiat Grande Panda, Citroën C3 und Opel Frontera verwenden. Sie gilt als flexibel und kann sowohl elektrifizierte Verbrenner-Antriebe, etwa Mildhybride, als auch rein elektrische Varianten aufnehmen. Fiat Grande Panda Opel Frontera Hybrid (2025) Die Premium-Ausrichtung von Lancia könnte sich auch im Preis widerspiegeln. Plausibel wäre ein Einstiegspreis von rund 30.000 bis 33.000 Euro – oberhalb von Fiat Grande Panda und Opel Frontera, aber im Rahmen des Images, das Lancia aufbauen will. Sollte es tatsächlich dazu kommen, könnte ein Lancia Tau ein strategisch wichtiger Baustein sein, um das Angebot der Marke im Segment der kompakten Crossover zu stärken. Bis dahin bleibt abzuwarten, ob der Hersteller in den kommenden Jahren entsprechende Hinweise liefert – oder das Gegenteil. Und was, wenn dieser Crossover am Ende tatsächlich gebaut wird – aber unter einem anderen Markennamen? Lancia ist zwar der erste Name, der einem einfällt, wenn es darum geht, wer innerhalb von Stellantis von einem solchen Modell profitieren könnte. Allerdings hält der Konzern auch die Rechte an weiteren Traditionsnamen wie Autobianchi und Innocenti. Und welche Gelegenheit wäre geeigneter, diese Namen in den Markt zurückzubringen, als ein B-Segment-Crossover?