Man kennt sie. Und irgendwie auch wieder nicht. Die Rede ist nicht von den eigenen Nachbarn, sondern von Autos, die so unauffällig blieben, dass sie heute nur eingefleischte Fans noch kennen. Solche Modelle müssen nicht zwangsläufig Flops gewesen sein, aber sie liefen unter dem Radar des gewöhnlichen Autokäufers. In unregelmäßiger Folge holen wir hier unter dem Titel "Kennen Sie den noch?" solche Old- und Youngtimer aus dem Nebel des Vergessens. Mittlerweile ist der Kleinwagen mit Allrad ein Einhorn. Nur noch Suzuki bietet den Swift in einer 4x4-Version an. Dabei gab es vor über 40 Jahren eine ganz andere japanische Marke, die auf diesem Gebiet punkten konnte. Bildergalerie: Subaru Justy (1984-1995) Die Geschichte der ersten Generation des Subaru Justy beginnt im Jahr 1983 auf der Tokyo Motor Show. Dort präsentierte Subaru unter dem Projektnamen "1,0-Liter-Sedan J10" eine kompakte Schräghecklimousine, die konzeptionell bereits die späteren Stärken erkennen ließ. Technische Basis war der kleinere Subaru Rex, allerdings in gewachsenen Dimensionen: breiter, länger und auf internationale Märkte zugeschnitten. Angetrieben wurde das Fahrzeug von einem neu entwickelten, langhubigen Dreizylinder-Benziner mit 1,0 Liter Hubraum, 40 kW Leistung und Ausgleichswelle – eine konstruktive Weiterentwicklung des Zweizylinder-Boxermotors aus dem Rex. Premiere vor 42 Jahren mit Opel-Kürzel Im Februar 1984 startete der Justy in die Serienproduktion. sein internes Kürzel wird Opel-Fans erfreuen: KAD. Bereits zum Marktstart setzte er einen Akzent, der in der Kleinwagenklasse bis dahin unbekannt war: In Europa wurde der 3,53 Meter kurze Justy serienmäßig mit zuschaltbarem Allradantrieb angeboten. Aktiviert wurde dieser über einen roten Knopf im Schalthebel – eine einfache, mechanisch elegante Lösung. Per Tastendruck ließ sich die Hinterachse zuschalten, ohne Kupplungsbetätigung und unabhängig von der Geschwindigkeit. Subaru Justy 1.2 Modelljahr 1987 Das System arbeitete ohne Mitteldifferenzial, die Kraftverteilung erfolgte über ein Verteilergetriebe mit Unterdrucksteuerung. Trotz fehlender Differenzialsperre an der Hinterachse ergaben sich klare Traktionsvorteile, insbesondere auf losem Untergrund und in winterlichen Regionen. Parallel dazu bot Subaru in anderen Märkten auch frontgetriebene Varianten an, etwa in Österreich unter der Bezeichnung Super Justy 1.0S 2WD. In Deutschland hingegen blieb der Justy konsequent ein Allradmodell. Diese Strategie war bemerkenswert, da Subaru den Allradantrieb ohne Aufpreis in der Basisklasse etablierte – ein Alleinstellungsmerkmal, das dem Modell früh Aufmerksamkeit sicherte. Es gab sogar ein Cabrio ... Technisch blieb es nicht bei diesem Ansatz. 1986 folgte eine Erweiterung des Antriebsprogramms: Durch eine geänderte Kurbelwelle wurde der Hubraum auf 1,2 Liter vergrößert, die Leistung stieg auf 50 kW (68 PS). Dieser Motor fand später auch im Subaru Libero Verwendung. Gleichzeitig erschien der "Super Justy" mit erhöhter Dachlinie. Subaru Justy 1.2 Modelljahr 1988 Die Karosseriepalette wurde sukzessive ausgebaut: drei- und fünftürige Varianten bildeten die Basis, ergänzt durch Sonderformen wie ein von L&H in Frankfurt gefertigtes Cabriolet mit Allradantrieb sowie Nutzfahrzeug- und Stufenheckversionen für einzelne Märkte, teils unter den Namen Trendy und Tutto. Ein weiterer technologischer Schritt folgte 1987 mit der Einführung eines stufenlosen Automatikgetriebes. Subaru präsentierte mit dem ECVT (Electro Continuously Variable Transmission) die weltweit erste CVT-Lösung in Großserie für einen Kleinwagen. Das System arbeitete mit zwei variablen Riemenscheiben, verbunden durch ein Metallgliederband. Die Übersetzung wurde hydraulisch verstellt, gesteuert durch drei Ventile und eine elektronische Regeleinheit, die auch die elektromagnetische Kupplung kontrollierte. Im Ergebnis ermöglichte das ECVT eine kontinuierliche, ruckfreie Beschleunigung – ein Charakteristikum, das damals in dieser Fahrzeugklasse ungewöhnlich war. Großes Facelift im Jahr 1989 1989 erhielt der Justy eine umfassende Modellpflege, die ihn visuell etwas an den damals neuen Legacy heranrückte. Die Karosserie wuchs bei unverändertem Radstand auf knapp 3,70 Meter Länge. Optische Anpassungen betrafen vor allem Front und Heck, während der Innenraum weitgehend unverändert blieb. Subaru Justy 1.2 Modelljahr 1990 Parallel wurde die Technik modernisiert: Der 1,2-Liter-Motor war nun auch mit Mehrpunkteinspritzung erhältlich, kombiniert mit geregeltem Drei-Wege-Katalysator. Diese Maßnahmen verbesserten Effizienz und Emissionsverhalten. Auch einen 1.0 mit 50 PS gab es weiterhin, er kostete 17.250 DM, der größere Motor 18.800 Mark. Gemessen an der Technik und der Ausstattung war das nicht übermäßig teuer, ein schlichter VW Polo Fox mit Steilheck und 55 PS kostete auch schon 16.520 Mark. 1991 folgte eine weitere Überarbeitung des Antriebs. Der bislang vergaserbestückte 1,2-Liter-Motor wurde vollständig auf Einspritztechnik umgestellt. Das maximale Drehmoment lag nun bei niedrigen 2.800 U/min an, was dem Fahrbetrieb zugutekam. Mit geregeltem Katalysator erfüllte der Justy die Euro-1-Norm, mit Nachrüstsystemen auch Euro 2. Kooperation mit Suzuki ab 1995 Unabhängig von den Motorisierungen blieb die Fahrwerkskonstruktion konstant: vorne Einzelradaufhängung mit MacPherson-Federbeinen und Querlenkern, hinten eine Schräglenkerachse mit getrennten Federn und Dämpfern. Die Bodenfreiheit von 170 Millimetern unterstrich den Anspruch, auch abseits befestigter Straßen bestehen zu können. Das Leergewicht von rund 740 Kilogramm sowie ein Normverbrauch von 5,4 Litern bei 90 km/h zeigten, dass Effizienz und Allradantrieb sich nicht ausschließen mussten. Es ist wie im richtigen Leben: Glückliche und erfolgreiche Kinder können auch aus wechselnden Familienzusammensetzungen hervorgehen. Genauso schrieb der kleine Justy seine Erfolgsstory in den Generationen zwei (ab 1995), drei (ab 2003) und vier (ab 2007) konsequent fort, denn Subaru fand für jede Neuauflage seines Kompakten einen perfekt passenden Kooperationspartner. Und zwar bei Suzuki (womit sich der Kreis schließt), erst der letzte Justy war de facto ein Daihatsu Sirion. Ohne Allrad.