1950 war der Lancia Aurelia eines der Highlights des Turiner Autosalons. Namentlich erinnerte der schicke Gran Turismo an die Via Aurelia, die schon zu Cäsars Zeiten gebaute Landstraße. Zwei Jahre später kommt dann mit dem Lancia Aurelia PF200 Spider am selben Ort ein Concept Car, das als Manifest der Kreativität von Pininfarina entstand. Mit technisch raffinierten Lösungen und einem Design, das sich klar am Düsenjet-Zeitalter orientiert. Von der Luftfahrt inspiriert Anfang der 1950er festigt Pininfarina seinen internationalen Ruf dank des Erfolgs der Cisitalia 202. Die Designschmiede wird so zur Referenz für wohlhabende Kunden sowie für Automobilhersteller auf der Suche nach stilprägender Formgebung. Lancia Aurelia PF200 Spider (1953) Lancia Aurelia PF200 Spider (1953), das Heck Bilder von: RM Sotheby's Neben Auftragskarosserien baut der Turiner Karosseriebauer auch Prototypen für Messen und Concours d’Elegance. In diesem Kontext entsteht auch die Aurelia PF200, die auf Basis der Lancia Aurelia B52 beim Turiner Autosalon 1952 vorgestellt wird. Stark von der Luftfahrt inspiriert, kommt das Designkonzept mit einem starken Wiedererkennungswert. Die Front des Lancia prägt eine vorstehende, kreisrunde Nase, die an den Lufteinlass des Jagdflugzeugs Sabre F-86 erinnert. Am Heck fallen dagegen die sechs einzelnen Auspuffendrohre auf, die oberhalb der Stoßstange angeordnet sind. Extrem selten und begehrt Angetrieben wird der Lancia von einem Sechszylinder mit 1.991 cmm, gespeist über einen Doppel-Weber-Vergaser, der 90 PS leistet und mit einem handgeschalteten Vierganggetriebe kombiniert ist. Damit ist die PF200 ein Roadster mit hohen Fahrleistungen für damalige Maßstäbe. Aber auch ein rollendes Stilexperiment, das in einer extrem klein aufgelegten Serie zwischen 1952 und 1956 entstand: zwei weitere Spider sowie drei oder vier Coupés erblickten tatsächlich das Licht der Welt. Alle jeweils leicht unterschiedlich individualisiert. Der Motor des Lancia Aurelia PF200 Spider (1953) Jedes Exemplar weist spezifische Abweichungen auf. So besitzt nur der Turiner Prototyp eine perfekt runde Nase. Spätere Versionen erhielten eine elliptische Front und weitere Karosserieänderungen. Bei dem Auto auf den Fotos handelt es sich konkret um das Chassis B52-1052. Dieses Auto bildet das zweite von drei offenen Exemplaren, das auf dem Genfer Autosalon 1953 präsentiert wurde, der PF200 C. Erkennbar ist diese Version an der ovalen Front, den Chromleisten hinter den Türen und der vorderen Stoßstange unterhalb der Scheinwerfer. Als einziges der Reihe erhielt dieses Modell ein PF200C-Badge an der Front. Lancia Aurelia PF200 Spider (1953), ein Detail des Innenraums Der Stil der PF200 inspirierte über das Lancia-Universum hinaus. Der Musikimpresario Norman Granz ließ ein ähnliches Fahrzeug auf Basis eines Cadillac-62-Chassis anfertigen. Pininfarina entwickelte das Konzept mit der Palm Beach Special von 1956 weiter. In kurzer Zeit wurde die Aurelia PF200 zum "Kultobjekt" unter wohlhabenden Enthusiasten ihrer Ära. Bis heute ist der 70 Jahre alte Lancia ein begehrtes Ziel für viele Sammler. 1,2 Millionen US Dollar erzielte das Genfer und Turiner Show Car bei einer Sothebys Auktion 2017.